Ein hölzerner Sonnenhut auf dem Gipfel – spannende Wanderungen in den österreichischen Alpen

„Habt´s ihr auch den Enzian entdeckt?“ Elisabeth Lindebner ist unterwegs mit einer Wandergruppe hinauf zur Steinjochalm in 1300 Meter Höhe im Naturpark Karwendel.

Kurz vor dem Ziel auf der Steinjochalm

Sie deutet auf blaue Blüten, gut versteckt zwischen dem Grün der Wiese. Es geht nur langsam voran. Immer wieder sind Elisabeths Kenntnisse der Alpen-Flora gefragt. Auf der Alm angekommen gibt es eine kräftige Suppe mit Speckknödeln. Hüttenwirtin Monika hat sogar Zeit für ein „Schwätzchen“. Sie liebt dieses Leben hier oben in den Bergen. „Am schönsten ist´s halt, wenn alle Gäste sich verabschiedet haben“, gesteht sie hinter vorgehaltener Hand. Die ruhigen Stunden am Feierabend sind unbezahlbar. Die braucht sie auch, denn während des Tages ist sie voll beschäftigt hungrige und durstige Wanderer zu versorgen. Nachdem noch von dem vorzüglichen Schokoladenkuchen gekostet wurde, bricht die Gruppe zum Rückweg auf.

Elisabeth und ihr Mann Klaus betreiben gemeinsam mit ihrer Familie das Hotel Brandstetter Hof, ein gemütliches, kleines 4-Sterne Haus in Oberdorf bei Stans im Inntal. Großen Wert legen sie auf Vollwertkost und Produkte aus der Region.

Sehr gemütliche Stube im Hotel Brandstetter Hof

Nachmittags geht es mit Elisabeth in das kleine Häuschen neben dem Hotel, ihr Lieblingsaufenthalt. Von der Decke hängen getrocknete Kräuter, in verschiedenen Behältern sind sie in Öl eingelegt. Elisabeth stellt selbst verschiedene Tinkturen und Salben her. Einige der Zutaten wachsen im eigenen Garten. Auch in der Küche finden sie Verwendung, bei Gerichten, die in den gemütlichen Stuben oder auf der großzügigen Terrasse, direkt neben dem Wildbach serviert werden.

Elisabeth Lindebner in ihrer Kräuterwerkstatt

Vom Hotel Brandstetter Hof aus führen Wege zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Über einen abenteuerlichen Weg geht es zur Wolfsklamm, wo besonders nach der Schneeschmelze tosend das Wasser in die Tiefe stürzt. Genau 354 Stufen, Holzstege und felsige Galerien gilt es zu überwinden bevor man sich im Kloster St. Georgenberg, das sich auch „Wallfahrts-Einkehr“ nennt, unter schattigen alten Kastanienbäumen mit traditionellen Speisen aus der Gegend verwöhnen lassen kann.  Auf der Höhe bei der kleinen Wallfahrtskapelle Maria Tax bietet sich ein Rundumblick auf Stans und Umgebung bis beinahe nach Innsbruck. Das Kirchlein ist ein Kleinod. Von hier aus geht es über einen Waldweg zum Schloss Tratzberg, das sich heute noch in Privatbesitz befindet. Eine Reise in die Vergangenheit zu Rittern und Edelfräulein begeistern nicht nur Kinder.

Im Mittelalter war die Gegend besonders um Schwaz das Montanzentrum Europas. Der Sage nach soll um 1400 eine Magd beim Viehhüten bemerkt haben, wie ein Stier mit seinen Hörnern silberhaltige Steine bloßlegte, was zur Erschließung der reichen Erzgruben am Falkenstein führte.

Österreichs höchstgelegene Einkehr

Frühmorgens ist es noch ruhig an der Bergbahn in Mandarfen, wo Gondeln Wanderer zum 2.232 Meter hoch gelegenen Rifflsee befördern. Der größte Naturbergsee Österreichs lässt sich über einen gut ausgebauten Weg umwandern.  Links und rechts des Pfades blühen rot leuchtende Alpenrosen. Am Ufer versucht ein Fischer sein Angelglück im blaugrünen klaren Wasser. Noch weit über den Rifflsee hinauf führen Seilbahnen in Höhen, wo selbst im Sommer Skilauf möglich ist. Mit der modernen Wildspitzbahn geht es zum Café 3.440 der höchst gelegenen Einkehr Österreichs. Von dort bietet sich eine einzigartige Aussicht auf die Wildspitze und die umliegende Gletscherwelt. An klaren Tagen reicht der Blick sogar von der Zugspitze bis zu den Dolomiten oder dem Ortler-Massiv.

Alpenrosen am 2232 Meter hoch gelegenen Rifflsee

In der „Blauen Stube“ beim Kirchenwirt in Plangeroß herrscht fröhliche Stimmung. Gäste tauschen die Erlebnisse des Tages untereinander aus. Das kleinste 4-Sterne Hotel im Pitztal hat eine lange Tradition.  Die Urgroßeltern des heutigen Besitzers Markus Schütz beherbergten schon seit 1876 Reisende. In erster Linie waren es Bergwanderer. Von einem Skigebiet ahnte damals niemand etwas. Trotz verschiedener An- und Umbauten, die eine Vergrößerung des Hotels ermöglichten, hat das Haus seine gemütliche Atmosphäre erhalten. Markus und seine Frau Nina pflegen die österreichische Küche. Dazu servieren sie auserlesene Weine.

„Geht´s morgen mit zum Wandern?“ Schnell finden sich Interessierte, die Markus gerne berät. Doch er ist vorsichtig: „Schaun mr mal wias Wetter wird!“ Markus ist gern unterwegs mit den Gästen, um ihnen einen ganz persönlichen Einblick in seine Heimat zu geben.

Der Rifflsee liegt am hinteren Ende des Pitztales in Tirol

Wir lassen die Touristenhochburg Sölden hinter uns. Eine gut ausgebaute Straße führt hinauf nach Niederthai im Ötztal. In 1560 Meter Höhe hat das Bergsteigerdorf einen Logenplatz mit Blick auf mehrere Dreitausender. Nicht ohne Grund bezeichnen Steffi und Peter Falkner ihr 4 -Sterne Hotel Falknerhof: „Ihr Lieblingsplatz am Ursprung“. Das Wanderparadies liegt direkt vor der Hoteltüre in ursprünglicher Natur.

„Morgen packen mr den Hausberg, kommst mit?“ Peter schaut erwartungsvoll in die Runde beim gemeinsamen Zusammensitzen nach dem Abendessen. Das heißt früh aufstehen, Rucksack mit Proviant für unterwegs packen. Was noch recht gemütlich begann entpuppt sich als anspruchsvolle Bergtour: 800 Meter Aufstieg auf den 2400 Meter hohen Gipfel. Leider holt das herannahende schlechte Wetter kurz vor der Rückkehr die Bergsteiger ein. Trotzdem war es ein besonderes Erlebnis unterwegs zu sein mit Gleichgesinnten. Wohltuend ist der anschließende Besuch im Wellnessbereich, vor allem in der Sauna.

Wildgerichte und Wellness

„Auf los, fängst einfach an zu rennen, nichts überlegen, einfach weiter bis über die Kante“. Der Fluglehrer hat gut reden. Für ihn ist es Routine. Wer erstmals einen Tandemflug macht, muss seinem Partner voll vertrauen. Ist die Bodenbindung vorbei und der Schirm bläht sich im Wind stellt sich das Glücksgefühl ein. Unter den Fliegenden breitet sich eine Miniaturlandschaft aus. Die Landung auf dem Talboden nahe Tannheims ist ein Kinderspiel.

Ganz im Westen von Tirol liegt das Tannheimer Tal

Das Tannheimer Tal zählt sich zu einem der schönsten Hochtäler Europas. Umgeben von den Tannheimer Bergen, einem Teil der Allgäuer Alpen in 1100 Meter Höhe ist es ein linksseitiges Nebental des Lechtales. Am Ortsrand von Grän beginnt der Besitzer des Wanderhotels Lumberger Hof seine Wanderungen mit Gästen.

Sehr beliebt ist die Wanderung um den Vilsalpsee bei Tannheim

Mit der gelben Bergbahn-Kabine geht es von Tannheim hinauf aufs Neunerköpfle 1862 Meter hoch. Von hier oben sind nicht nur die waghalsigen Starts der Gleitschirmflieger zu beobachten. Auf zahlreichen Pfaden erkunden Wanderer den Berg, stets mit Blick auf das Panorama der Allgäuer Alpen und die idyllisch im Tal gelegenen Seen.

„Ihr könnt´s euch vorstellen, das war eine Wahnsinns-Aktion“. Immer noch begeistert von dem Erlebnis erzählt Bergführer Mario, wie der Hubschrauber den 880 Kilogramm schweren „Wanderhut“ aus Eichenholz aufs Füssener Jöchle transportierte. Die geschwungene Krempe, das geflochtene Hutband und die gewaltigen Quasten sind dem heimischen Trachtenhut nachempfunden. Vom „Kuckst du – Sonnenpanoramahut“, der einen Durchmesser von beinahe vier und eine Höhe von rund drei Metern hat, ist das Bestaunen der Bergwelt ein Kinderspiel, das Monstrum lässt sich drehen wie ein Karussell. Kein Wunder, dass es oft schwierig ist noch einen der 18 Sitzplätze zu ergattern.

Ungern trennen sich die Bergfreunde vom Anblick der untergehenden Sonne über den Alpen. Doch bald fährt für heute die letzte Bergbahn ins Tal.

Informationen:

Die genannten Ziele haben jeweils Hotels, die zum Verbund der Wanderhotels gehören. In der Regel agieren die Besitzer selbst mehrmals in der Woche als Wanderführer.

Die vier Betriebe sind beschrieben unter

www.brandstetterhof.com; www.kirchenwirt-pitztal.at; www.falknerhof.com; www.lumbergerhot.at; eine Gesamtübersicht über alle Wanderhotels dieser Organisation im Alpenraum gibt es unter: www.wanderhotels.com

Zu den Wandergebieten gibt es beim Kompass Verlag und beim Kartenspezialist Kümmerly und Frey jeweils wetterfeste und bewährte Wanderkarten. Näheres und unter dem Verlagshaus MairDumont, www.mairdumont.com bzw. www.swisstravelcenter.ch

Text: Monika Hamberger

Fotos: Rainer Hamberger

 

 

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