Ein Ass für den Ass

Alle Golfer ersehnen sich ein Ass. Also mit einem einzigen Schlag ins Loch zu treffen. A Hohl in wan, wie der Bayer sagt. Brenninger ist dieses Erlebnis bereits zwei Mal in seinem Golfleben zuteil geworden. „Aber das hat ja nichts mit Können zu tun“, winkt er dann immer, ganz den Bescheidenen gebend, ab, „sondern nur mit Massl“. Beim ersten Mal etwa habe er „in meinem Anfängerjahr“ aus 156 m abgeschlagen und der Ball sei nach dem Aufprall nicht mehr zu sehen gewesen. Bis eine Mitspielerin ihn im Loch fand.

Das war in Kärnten. Und beim zweiten Mal, auf der Spielbahn 5 (101 m) des Golfparks  München Valley, hatte er die Kugel gleichfalls aus dem Auge verloren. Bis sein Flightpartner, ein Rentner aus Bad Tölz, ihm um den Hals fiel. Weil der Brenninger für dieses Ass einen ausgeben musste, wie die Tradition es vor schrieb – und der Oberlandler durstig war und sich bereits darauf freute.

Ach ja, das Brauchtum. Bis 2011 galt: Wer bei einem Turnier mit einem einzigen Schlag ein lochte, gewann damit, falls offiziell ausgeschrieben, einen BMWaudiBenz, nahm den Zündschlüssel dankend in Empfang – und wurde für zwei Jahre gesperrt. Wegen des Amateur-Paragraphen. Der nämlich besagte: Ein Preis im Wert von mehr als 750 Euro sei ausschließlich für Profis reserviert.

24 Monate  lang durfte der Amateur keine Turniere mehr bestreiten. Resultat: Er überbrückte die zwei Jahre mit privatem Golf-Zockvergnügen – in dem aber meist genau jene Summe vergeigt wurde, welche das gewonnene Auto wert war. Ein Ass für den Ass, wie der Engländer sagt. Ein Nullsummenspiel. Aber das ist Golf ja oft.

Doch 2012 wurde die 750 Euro-Regel gekippt. Seitdem gilt: Die Amateure seien solche Flaschen, dass es ihnen niemals gelingen werde, ein Hole in one durch Können zu erzielen. Sondern ausschließlich durch Dusel. Und dieses Ass sei deshalb kein Golf-Preis, sondern eher eine Art Tombola-Gewinn. Luxusreise, Luxusauto, Luxus-Dinner – alles darf heuer völlig straffrei angenommen werden.

Brenninger, der alte Duselbruder, steht seitdem in Lauerstellung. Und wartet bei Erfüllung nur darauf, dass die anderen voller Neid und Abscheu das Zitat vom Glück und dem Rindvieh zum Besten geben. Er wird es nicht mehr hören. Wegen der quietschenden Reifen seines BMWaudiBenz.

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag hier.

* Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

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