Drei Zähne beim Golf verloren

Kürzlich golfte Brenninger in Starnberg. Wo der „Umkleideraum Männer“ nicht „Umkleideraum Männer“, sondern „Locker Room Gents“ heißt. Denn am Starnberger See besitzt man Stil. Auch was den Umgang mit Desastern betrifft. Brenninger  offenbarte sich dies an Loch 17. Dort nämlich fand er am Abschlag eine Bank zur kurzen Rast, deren Schild die Aufschrift trug: „Dreibackenzahnbank“.

„Ich kenne die Gartenbank“, sinnierte Brenninger, „und die Hypobank. Aber eine Dreibackenzahnbank?“ Der Text klärte ihn auf: „Zur Erinnerung an den Golfunfall am 27. Mai 1989. Gestiftet vom Verursacher.“ Dazu waren drei Zähne abgebildet. Was demzufolge bedeutete:

Jemand hatte 1989 einen Golfball geschlagen, der dann jemand anders traf und diesem drei Zähne ausschlug. Woraufhin der Ballschlagende diese Bank stiftete. Vermutlich als Dank, dass es nur drei Zähne waren, die er ausgelöscht hatte und nicht auch noch das Augenlicht, wie es auf Golfplätzen durchaus mal passiert.

„Respekt“, nickte Brenninger innerlich, denn ihm wurde sofort klar: Wo anderenorts spontan Rechtsanwälte eingeschaltet worden wären, um Millionensummen einzuklagen – hatte man hier den Weg der friedlichen Sühne gewählt. Ohne den Namen des Sünders öffentlich zu konkretisieren. Er hieß und heißt schlicht: der „Verursacher“.

24 Jahre lang, rechnete Brenninger nach, steht die Bank nun schon an dieser Stelle. Und er fragte sich, ob die Betroffenen von damals wohl auch heute noch den Ball hier an der 17 versemmeln? (Weil das Unglück von einst immer noch in ihrem Unterbewusstsein nistet.)

Oder ob sie inzwischen die Kugel stets perfekt auf das Green legen (es ist ein Par 3), da es seinerzeit ja doch noch irgendwie ein Happy-end gesetzt hatte? (Welches sie heute noch erleichtert und beflügelt.)

Vielleicht aber sind die Beteiligten ja auch gar keine Club-Mitglieder mehr. Auf alle Fälle sorgten sie für ein Golf-Denkmal der ganz besonderen Art. Eine Bank  als ewige Mahnung. Manchmal, dachte Brenniger, ist dies ja tatsächlich ein Gentleman-Sport.

Dann schlug er ab. Aber ganz, ganz vorsichtig.

 

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag hier.

* Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

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