Digitaler Durchblick mit der Datenskibrille

Die Datenskibrille kann im österreichischen Skigebiet Ski amadé getestet werden. FOTO: DOMINIQUE SCHROLLER
Über die Steuerung am Handgelenk lässt sich die Brille auch mit Handschuhen gut bedienen. Foto: Dominique Schroller
Über die Steuerung am Handgelenk lässt sich die Brille auch mit Handschuhen gut bedienen. Foto: Dominique Schroller

 

Als erstes Skigebiet in Europa speist die Region Schladming-Dachstein lokale Daten in eine App ein und macht sie über einen Monitor in der Skibrille sichtbar. Unsere Redakteure wagten den Selbsttest. Die Ergebnisse aus weiblicher und männlicher Sicht.

Von DOMINIQUE SCHROLLER

Bild oben: Die Datenskibrille kann im österreichischen Skigebiet Ski amadé getestet werden.  (c) DOMINIQUE SCHROLLER

Stylisch sieht sie aus, die Brille, mit ihrem bläulichen Spiegel. Damit passt sie perfekt zu meiner Skijacke. Doch was zählt, sind innere Werte. Kaum habe ich die Brille auf der Nase und schiele nach unten rechts, rückt ein kleiner Monitor in mein Blickfeld und bietet ein komplettes Menü an. Über die Fernbedienung am Handgelenk kann ich Pisten, Lifte, Hütten und, ganz wichtig, die Toiletten der Skischaukel Schladming in Österreich anwählen.

In Planai steigen wir in die Gondel und schweben über den Steilhang hinweg, auf dem gestern noch die Pistenpromis vor 50 000 Zuschauern den Slalom-Weltcup ausgefahren haben. Mit Blick nach oben wünsche ich mir angesichts dichter Wolken und leichtem Schneefall, die Brille hätte auch Scheibenwischer und Scheinwerfer. Während ich mich mit der Steuerung vertraut mache, fragt mich einer der Mitfahrer, was das denn für eine Brille sei. „Über WLAN stellt sie aktuelle Informationen über Wind und Wetter zur Verfügung und zeigt an, welche Pisten geöffnet sind“, antworte ich. „Per GPS-Steuerung führt sie mich zu ausgewählten Liften oder zum Einkehrschwung in die Hütte.“ Auf Wunsch geht sie auch eine Verbindung mit meinem Handy ein – ich könnte unterwegs SMS lesen oder Musik auswählen. Doch das Wichtigste ist jetzt: Ich möchte wissen, wo ich bin und wie weit die nächste Toilette weg ist.

Ich wähle die Lärchkogelbahn an und folge dem Pfeil. 658 Meter Luftlinie sollen es bis zum stillen Örtchen sein. Beherzt schwinge ich mich hangabwärts. Während die Ski unter mir weiter Fahrt aufnehmen, hätte ich – abgelenkt vom Tacho – fast einen der Neuschneehubbel übersehen. Schnell schaue ich wieder geradeaus, auch wenn ich dadurch den Monitor aus dem Blick verliere, aber sicherer ist das.

Prompt verpasse ich die Abzweigung, trenne mich vom Rest der Truppe und lande auf der Märchenwiese. Auch gut. Also steige ich in den Sessellift. Während es aufwärts geht, suche ich nach dem nächsten stillen Örtchen. Intuitiv scheine ich doch den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, denn die Brille teilt mir mit, dass ich geradewegs darauf zu schwebe. Hinter der nächsten Hügelkuppe entdecke ich das Häuschen mit den verspiegelten Scheiben und der Aufschrift Sky Toilet. Ziel erreicht. Der Brille sei dank.

Von Torben Richter

Auf den ersten Blick sehe ich nichts. Zwar habe ich das Brillenträger-Modell, doch der Monitor liegt im toten Winkel. Das Bild verschwimmt. Also Brille runter und Kontaktlinsen rein. Damit sind Schrift und Elemente gut erkennbar. Das überzeugt mich. Kaum nähern wir uns der Gondelstation, wählt sich die Brille selbstständig in das WLAN-Netz ein – wie praktisch. So kann ich während der Fahrt nach oben schon mal die einzelnen Funktionen austesten. Über die Bedienung mit den extra großen Tasten für Handschuh-Hände steuere ich die App an. Gespannt bin ich auf den Tacho. Ich wollte immer schon wissen, wie schnell ich unterwegs bin.

Oben angekommen, bekommt das GPS-Symbol weißes Licht, und ich wähle den ersten Lift an: die Lärchkogelbahn. Der Pfeil zeigt nach unten links, Entfernung 658 Meter. Eine konkrete Route mit den Pisten, die mich dorthin führen, wäre mir zwar lieber gewesen, doch dafür müssen wir wohl auf Galileo warten. Die Navigation der GPS-Satelliten ist in den Alpen zu ungenau, hatte Manuel Schnell von Ski amadé bei der Einführung gesagt, die Gefahr zu groß, abseits der Piste in einer Schneewehe zu versacken.

Mit Schwung stürze ich mich ins Skivergnügen 3.0. Kaum habe ich die Tempo-20-Marke überschritten, zählt die Brille mit. Bisher konnte ich das nicht einschätzen und verfolge mit einem Auge, wie die Anzeige die 30 überschreitet, dann die 40 und erst bei über 50 Stundenkilometern wieder fällt, als ich abrupt vor einer Kreuzung abbremse, um zu erfahren, wie es weitergeht. Der Pfeil taucht wieder auf und weist mir den Weg nach rechts zum „Fritz Blitz“-Lift. Begleitet von Ufftata-Musik auf dem Förderband im Tunnel lasse ich mich nach oben ziehen. Die gemächliche Geschwindigkeit gibt mir Gelegenheit, weitere Funktionen der Brille zu entdecken. Ich verlasse die App und lande bei der Tracking-Funktion. Sie informiert mich darüber, dass ich bei meiner ersten Abfahrt 383 Höhenmeter zurückgelegt habe, maximal 52 Stundenkilometer schnell war und keinen Sprung gemacht habe – meine sportliche Leistung in Zahlen. Zwar zeichnet das Handy hinten im Rucksack den gesamten Skitag auf, doch für eine Zwischenbilanz bin ich mit den Daten durchaus zufrieden.

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