Der Ursprung des modernen Designs

Die Hygieia-Statue von Karl Albiker (1879-1961) im Deutschen Hygiene Museum Dresden.
Das Deutsche Hygiene Museum in Dresden.

Im Jahre 2019 wird ein großes Jubiläum gefeiert, das weltweite Beachtung findet: 100 Jahre Bauhaus. Ein Stil, der die Welt veränderte und bis heute nachwirkt.

 Von Jörg Berghoff  (Text/Fotos)

Das Grassi-Museum in Leipzig.

Dreieck, Quadrat, Kreis: Ohne Design ist heute fast alles nichts. Ob Möbelkatalog, Reiseprospekt oder Turnschuh, pardon, Sneaker selbstverständlich, man kann sich nicht dem Eindruck entziehen, selbst die banalsten Gegenstände des Alltags brauchen Design und trendige Namen. Die fast schon inflationäre Verbreitung des Begriffs macht auch vor dem Tourismus nicht halt, warum auch. Man reist auf exklusiv „designten“ Routen, genießt kreative Menüfolgen im speziellen Restaurant-Ambiente und bettet sein müdes Haupt natürlich im Design-Bett samt Feininger-Druck auf dem Kopfkissen. Ein (Reise-)Leben ohne Design: Unvorstellbar. Doch woher kommt diese an sich brillante Idee, eine harmonische, ästhetische Einheit von Handwerk und Industrie, Kunst und Technik, Theorie und Praxis zu schaffen? „Bauhaus“ heißt das Zauberwort und in der Mitte Deutschlands, in Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen seine Wurzeln. In Weimar gründete Walter Gropius 1919 eine Schule, die weltweit zum Begriff für eine Revolution in der Kunst geworden ist. Kunst nicht als Selbstzweck, Technik nicht reduziert auf Funktionalität, sondern beides miteinander vereint, das war das Grundprinzip der Bauhau-Künstler. Im Jahre 2019 wird nun das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum gefeiert und zahlreiche Städte und Regionen haben sich dazu etwas einfallen lassen.

Das Marianne-Brandt-Haus in Chemnitz.

Auch in Sachsen gibt es herausragende Architekturzeugnisse dieser Epoche: Nicht nur in Leipzig im Leipziger Grassi-Museum für Angewandte Kunst mit den imposanten 18 Glasfenstern des Bauhaus-Meisters Josef Albers, in Chemnitz mit dem Marianne-Brandt-Haus auf dem Kaßberg, das an die bedeutende Metallgestalterin erinnert, dem Industriemuseum Chemnitz und der Kunstsammlung Chemnitz, in der es die Ausstellung „Bauhaus: Textil und Grafik 1919 – 1933“ zu sehen gibt oder dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz smac, das eine Erkerausstellung im ehemaligen Kaufhaus Schocken zum Star-Architekten Erich Mendelssohn und die Gebrüder Schocken präsentiert. Da darf natürlich auch Dresden nicht fehlen, die erste deutsche Gartenstadt und ihr Festspielhaus Hellerau sind ein wahres Schmuckstück der Industriegeschichte und das Deutsche Hygiene Museum Dresden, ein imposanter Bau von Wilhelm Kreis, der die klaren Linien des Bauhauses mit monumental-klassizistischen Elementen verband.

Die erste deutsche Gartenstadt in Dresden Hellerau.

Aber auch kleinere Orte in Sachsen haben Großes zu bieten:  Das Glasmuseum Weißwasser ist das einzige seiner Art in Sachsen und darüber hinaus in den ostdeutschen Bundesländern. In der einstigen Villa der Unternehmerfamilie Gelsdorf, die als erste erfolgreich eine Glashütte betrieben hatte, finden heute die bahnbrechenden Lampen- und Glasentwürfe von Wilhelm Wagenfeld breiten Raum.

Das Glasmuseum in Weißwasser.

Als einer der ersten Architekten in Deutschland beschäftigte sich Konrad Wachsmann ausgiebig mit industrieller Vorfertigung. Ab 1926 war er Chefarchitekt des auf Holzbauten spezialisierten Unternehmens Christoph & Unmack AG in Niesky in der Oberlausitz. Das hölzerne Konrad-Wachsmann-Haus gehört neben dem Einsteinhaus in Caputh und dem Haus Dr. Estrich zu den zwei einzigen in Deutschland erhaltenen Wachsmann-Bauten. Die Stadt Niesky hat das bedeutende Baudenkmal nach dem originalen Farbkonzept erfolgreich saniert.

Das Konrad-Wachsmann-Haus in Niesky.

Den grandiosen Abschluss einer Bauhaus-Reise durch Sachsen bildet das Wohnhaus Schminke in Löbau. Erbaut von Hans Scharoun für den Löbauer Nudelfabrikanten Fritz Schminke, fehlt es in keinem Architektur-Lexikon. Denn es ist eines der weltweit vier herausragenden Beispiele der Stilrichtungen „Neues Bauen“ und „International Style“. Bereits 26 Jahre nach seiner Fertigstellung wurde das Haus Schminke als revolutionär geltendes Architekturwerk der Moderne denkmalrechtlich erfasst und 1978 schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Man kann es besichtigen, darin feiern und sogar übernachten – und natürlich die legendären Nudeln essen.

Das Haus Schminke in Löbau.

Informationen: www.sachsen-tourismus.de

 Hotelempfehlungen:

Hotel Gewandhaus Dresden, Adresse: Ringstraße 1, D-01067 Dresden, Tel.: +49 (0)4935-149490, www.gewandhaus-hotel.de

Hotel Vienna House Easy Leipzig, Goethestraße 11, D-04109 Leipzig, Tel.: + 49 341 991 539983, www.viennahouse.com

 Haus Schminke Löbau, www.stiftung-hausschminke.eu

Die Stiftung hat einen lesenswerten Bildband „Der Moderne Blick“ (ISBN 978-3-00-061670-9, 160 Seiten) herausgegeben, der bei der Stiftung Haus Schminke, Kirschallee 1b, D-02708 Löbau, Telefon: +49 (0) 35 85 / 86 21 33, erhältlich ist.

 Museum Niesky, Konrad-Wachsmann-Haus, Goethestraße 2, D-02906 Niesky, Telefon: +49(0)3588 2239793, www.wachsmannhaus.niesky.de

smac – Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, Stefan-Heym-Platz 1, D-09111 Chemnitz, Telefon: +49 (0)371 911 9990, www.smac.sachsen.de

Marianne Brandt-Gesellschaft, Marianne Brandt Haus, Heinrich-Beck-Straße 22, 09112 Chemnitz, Telefon +49(0)371 4005777

Deutsches Hygiene-Museum Dresden, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, Telefon: +49 (0) 351 4846 400, www.dhmd.de

Festspielhaus Hellerau, Karl-Liebknecht-Str. 56, 01109 Dresden, Telefon: +49 351 26462 46, www.hellerau.org

 

 

 

 

 

 

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