Der Brenninger | 50 SHADES OF GOLF

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CityGuide-Teaser-couple/////  Brenningers Frau hatte mehrere gute Freundinnen. Und eine davon, auf dem Land lebend, hatte ihr vom Höhepunkt des vergangenen Winters erzählt. Und weil der Brenninger beim Wort Höhepunkt immer reflexartig den Kopf in die Höhe reckt, fragte er sofort nach: „Was für ein Höhepunkt?“. Und Brenningers Frau schilderte ihn – aus sozusagen zweiter Hand. Den Winter-Höhepunkt der Damen-Mannschaft des Golf- und Landclub GLC Weyan:

Mit dem Vereinskleinbus war die Lady-Crew kichernd in die nächste Großstadt, München, gedüst. Und anschließend noch kichernder wieder heim gekehrt. Nachdem sie gemeinsam 50 Shades of Grey gesehen hatten.

„Also für mich“, sagte Team-Kapitänin Christina, „wäre das nichts. Wenn, dann wäre eher ICH ein Christian Grey. Und mein Männle zu Hause könnte die Ana spielen.“ Christina hatte einen Abschlag wie ein Donnerhall. Ihr Männle konnte einem leid tun.

Die anderen Ladies des Teams nickten. Auch sie seien alle, versicherten sie einander, eher fürs Dominante geschaffen statt fürs Devote. Dann entstiegen sie dem Vereinskleinbus, strebten nach Hause – und trafen sich erst im April wieder. Zur ersten Golfrunde des Jahres. Mitten im Frühling, dem triebhaften Kerl. Was natürlich seine Auswirkungen zeitigte.

Als Erstes teeten sie die neuen Bälle auf, welche Christina besorgt und individuell markieren hatte lassen. Die Kugeln trugen die Aufschrift: „Schlag mich!“ Und schon droschen sie drauf. „Juhuuu!“, jubelte Christina. „Geil!“, schwärmte Geli. Sie hatte bereits vorher ihrem Driver gedroht: „Wenn Du versagst, Du Mistkerl, dann kommst Du in das Bag und kannst die gesamte Runde lang zu sehen, wie ich ich’s vor Deinen Augen mit dem 3er-Holz treib!“ Das hatte geholfen. Demütig gehorchte der Driver und gab ein schüchternes ping von sich, als er seinen Job versehen hatte.

Als Nächstes fesselten sie den neuen jungen Marshall, der an Loch 2 mit dem Cart an sie heran gebraust war um zu prüfen, ob auch keine von ihnen verbotene Spaghetti-Träger trug, an sein Cart. Mit Seilen, die von der sonst so sanften Marie im Baumarkt besorgt und im Bag verstaut worden waren. Man wusste ja nie, wann man derlei gebrauchen könnte. Jetzt war es so weit.

Eine Spielbahn um die andere ging es so weiter. Die Putter wagten es nicht mehr zu zittern, denn „nur einen einzigen Wackler, Du Weichei!“, hatten die Ladies ihren ohnehin schon so sensiblen Einlochinstrumenten angedroht, „und Du wirst ausgemustert!“. Und es würde mit dem Driver geputtet. Was für jenen wiederum eine Entwürdigung ohnegleichen darstellen würde – shortest Putt statt longest Drive, was für eine Schande! Lieber gleich ins Wasser geworfen werden!

Jedenfalls walzte der rigorose Domina-Flight mit einer Urgewalt wie noch nie über den Course. Isabelle, die vierte des Power-Bundes, drohte dem ansonst so drohenden Wasser an Loch 11, sie würde den Stöpsel aus ihm raus ziehen und seine Dichtungsplane mit der Kettensäge massakrieren (auch sie war im Baumarkt), sollte er es wagen, auch nur einen einzigen Ball von ihnen vier Frauen zu verschlucken. Er wagte es nicht.

Auch wagte nur ein einziger Mann aus einem Nachbar-Flight es, die Furien darauf hin zu weisen, doch bitte ihre Divots zurück zu legen. „Komm’ so-fort hier-her!“, donnerte Christina ihn an. „Auf die Knie – es ist DEINE Aufgabe, Sklave, unsere Divots zurück zu legen!“ Kleinlaut gehorchte er und wurde zur Strafe die restlichen Löcher an Maries Bag angekettet mit genommen, um auch die Pitchlöcher auf den Greens zu reparieren und den Sand im Bunker zu kehren. Zur Belohnung durfte er am Ende alle Schläger aller vier Damen waschen und ihre Schuhe reinigen. Es war einer der schönsten Tage seines Lebens.

„Na, was sagst?“, fragte Brenningers Frau den Brenninger. „Ich sag’, dass alle diese Weiber einen Vogel haben!“, antwortete der Brenninger, dem nichts mehr entfernter dünkte als etwelche SM-Praktiken. „Aber die Männer“, fuhr er fort, „spinnen ja manchmal genau so!“ Und erzählte seiner Frau, vom Albert, den er vom Club her kannte.

Jener Albert K. war ein erbarmungsloser Chef. Von 8 bis 17 Uhr täglich peitschte er seine kleinen Angestellten durch den Alltag, von 17 bis 19 Uhr das Mittelmanagement und von 19 Uhr bis 21 Uhr seinen engsten Beraterstab. 13 Stunden, in denen ihm niemand zu widersprechen wagte. Albert K. wurde derlei Macht zuviel. Er wollte selbst mal Untertan sein. Weshalb er zwei Mal die Woche um jeweils 22 Uhr ein Domina-Studio auf suchte und sich fertig machen ließ.

Bis er etwas fand, das ihn noch mehr demütigte als die Knechtschaft unter den Stiefeln der gnadenlosen Herrin Alexis oder das den Launen der strengen Gebieterin Galina Ausgeliefertsein – einer Meisterin im Anbringen von Metallklemmen. „Pipifax“ nannte Albert K. später das, was Madame Scarlett, Mistress Lauretta, Lady Victoria und all’ die anderen bösen Herrscherinnen ihm zu offerieren in der Lage waren. Denn seine neue Pein übertreffe alles, verriet er seinem Psychologen, bei dem er Sitzungen auf dem Nagelbett liegend absolvierte. Sie bestehe aus vier Buchstaben. Und heiße: GOLF!

„Alleine, wenn ich daran denke“, so Albert K. zu seinem Seelenklempner, „was ein verschobener 30-cm-Putt an Schmerz und Verzweiflung aus zu lösen in der Lage ist – einfach unüberbietbar!“

Oder der dritte Ball hintereinander ins Wasser.

Oder der Chip, dem nur wenige Dezimeter fehlten, um das Green zu erreichen und eine Birdie-Chance zu offerieren – aber statt dessen an der Bunkerkante hängen bleibt und senkrecht unter ihr sich im Sand verbuddelt.

Oder in Deutschland eine Lady und in Österreich ein Girlie zu schlagen.

Oder bei der Siegerehrung mit 200 Anwesenden im Saal den Bubi-Preis für den Letzten des Turniers überreicht zu bekommen.

Oder die ganze Woche über täglich das Putten geübt zu haben, bis es wirklich perfekt funktionierte – um beim Turnier am Samstag dann vier Drei-Putts und einen Vier-Putt zu erzielen.

„Golf“, sagte der Psychologe, der selbst den Schläger schwang, aber aufgrund einer durch Kindheitserlebnisse geprägten latenten Nervenschwäche niemals in den Bereich der Einstelligen vor drang, „Golf erzieht eben zur Demut. Es ist zweifelsohne ein Spiel für Masochisten. Also geradezu ideal für Sie!“

Albert K. freute sich sehr über diese Botschaft. Endlich kein Versteckspiel mehr, heimlich ins „Studio Bizarr“ schlüpfen zu müssen, ohne von etwelchen Bekannten dabei beobachtet und bei Facebook geoutet werden zu können! Jetzt gab es einen ANDEREN Spielplatz für ihn! Die Golfanlage. Betrat er sie, bedeutete dies keinerlei Schande. Bedeutete keine Heimlichtuerei. Sondern erhöhte sogar sein Image. Dass er nur spielte, um zu leiden – brauchte ja niemand zu wissen. Wer Golf spielt, erkannte er, braucht kein Domina-Studio mehr.

Schließlich schilderte er seinem Psychologen noch, was sich kürzlich in seinem Heimatclub, dem GLC Weyan abgespielt habe (siehe oben). Dass einige Damen versucht hätten, 50 Shades of Grey um zu drehen und sich Golf untertan zu machen. Der Psychologe lauschte aufmerksam, zwirbelte an seinem Kinnbart und ließ sich etwas Zeit, ehe er zu monologisieren begann:

„Das geht nicht. Denn Golf schlägt zurück. Mit weitaus mehr als 50 Schattierungen der Grausamkeit. Unsere vier Frauen werden ihren Wagemut noch bitter bereuen. Denn wer sich gegen Golf auf lehnt – wird unter gehen. Golf ist die Macht schlechthin. Und selbst wer dieser Macht das Losungswort für ,Aufhören!’ zu flüstert – es wird der flehenden Person nichts nützen. Golf macht ewig weiter. Ein Peitschenschlag nach dem anderen!“

Dann war die Sitzung beendet und Albert K. machte sich auf den Heimweg. Um die Golfschuhe des Zockpartners zu putzen, gegen den er letzte Woche das Matchplay verloren hatte. Auch dies – eine von 50 bitteren Shades of Golf. Albert K. liebte sie ganz besonders. Und fuhr mit der Zunge in die tiefschwarze Schuhcreme.

Den Brenninger schauderte es selbst ein wenig, als er seine Erzählung beendet hatte. Sagte zu seiner Frau: „So ein Depp, der Albert!“ Aber hoffte insgeheim, dass er im nächsten Matchplay-Turnier des Clubs auf genau diesen A. treffen – und ihn natürlich besiegen würde. Denn nichts hasste Brenninger mehr, als seine Schuhe putzen zu müssen. Und da wär’ er dann ja durchaus praktisch – so ein Sklave.

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag auf Reise-Stories.de. * Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

 

 

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