Die Provinz Dalarna verkörpert Schweden wie keine andere Region. Alle Klischees sind hier vertreten, von den roten Holzhäusern über die romantischen Seen und tiefen Wälder bis zu den farbenfrohen Trachten. Damit wird der nordwestliche Landstrich, der an Norwegen grenzt, auch als Schweden in Miniatur bezeichnet. Für Natur- und Kulturliebhaber bietet die weite Landschaft eine ganze Bandbreite an unterschiedlichen Aktivitäten.

Dalarna – das schwedische Wort für Täler
Das bewaldete Bergland mit dem malerischen Siljansee mittendrin und den fruchtbaren Tälern strahlt pure Idylle aus. Fehlt nur noch Pippi Langstrumpf, die auf ihrem Pferd über Berg und Tal galoppiert. „Dalarna ist das schwedische Wort für Täler“, erklärt Elin, die das Heimatmuseum in Falun leitet. Schon die Eingangshalle des Museums vermittelt eine Vorstellung der kulturellen Vielfalt der Region. Ein Stoffgemälde stilisiert die wilde Landschaft mit moosbewachsenen Felsen über dem Fulufjälletsfluss. Das gepflegte Stadtleben in Falun bietet den Kontrast dazu. Die Vielfalt an Folklore offenbart sich in den einzelnen Räumen. Von der Landschaft und ihrer Mystik über das Kunsthandwerk, die Malerei und Musik zu den Trachten gibt die Ausstellung einen Querschnitt über Land und Leute. Darunter die Schriftstellerin Selma Lagerlöf, die viele Jahre Kinder in Falun unterrichtet hat. In ihrem Arbeitszimmer, das einen Raum im Museum einnimmt, schrieb sie Geschichten wie „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“.
Pferde aus Dalarna auf der Weltausstellung

Pferde spielten von jeher eine wichtige Rolle in Dalarna. Als „Dalapferde“ wurden sie sogar weltberühmt, nachdem die Brüder Nils und Jannes Olsson im kleinen Ort Nusnäs vor knapp hundert Jahren eine Werkstatt gegründet und ihre handgeschnitzten und bemalten „Dalapferde“ 1939 auf der Weltausstellung in New York präsentiert hatten. Das lockte prominente Besucher wie Frank Sinatra und Elvis Presley nach Dalarna. Versteht sich, dass sie nicht ohne buntes Pferdchen im Gepäck wieder abreisten.
Das älteste erhaltene „Dalapferd“ stammt aus dem 16. Jahrhundert. Damals waren die langen und rauen Winter für die Waldarbeiter in ihrer dünn besiedelten Heimat mit nicht mehr als zehn Einwohnern pro Quadratkilometer noch einsamer. Also vertrieben sie sich die Zeit mit Schnitzereien. Am liebsten schnitzten sie kleine Pferde, denn Rösser waren ihre ständigen Begleiter. Ohne die Pferdestärken wäre die Wald- und Feldarbeit kaum zu bewältigen gewesen. Auch für die weiten Wege zum Markt und in die Kirche waren die Pferde unentbehrlich. Den unermesslichen Wert der Tiere sollten die Kinder schon früh über das geschnitzte Pferdchen begreifen, das meist ihr einziges Spielzeug war. Anfangs blieben die Pferde unbemalt. Farbe war für die armen Leute unerschwinglich. Erst als Möbelschreiner anfingen, die „Dalapferde“ in ihr Sortiment aufzunehmen, wurden sie kunstvoll verziert.
Die sagenumwobene Unterwelt Dalarnas

Das beliebte „Schwedenrot“, mit dem die meisten „Dalapferde“ bemalt und die traditionellen Wohnhäuser angestrichen werden, stammt vom Kupferbergwerk am Rande von Falun. „Schon im Mittelalter wurde hier hauptsächlich Kupfer, aber auch Blei, Zink, Silber und Gold abgebaut“, erklärt Grubenführer Isaak. Die rostrote Eisenfarbe sei nur ein Nebenprodukt gewesen. Während die Grube im 18. Jahrhundert zwei Drittel der weltweiten Kupferproduktion lieferte, ist der 600 Meter tiefe und zwischenzeitlich Unesco-geschützte Stollen heute nur noch für Besichtigungen offen. Mit dem Fahrstuhl geht es 50 Meter tief in die sagenumwobene Unterwelt. Schon die Entdeckung der Mine vor etwa tausend Jahren ist mit einer Legende verbunden. Dabei soll sich eine Ziege auf dem Gelände verirrt haben und mit merkwürdig rot gefärbten Hörnern wieder aufgetaucht sein. Der große Tagebau begann allerdings erst nach einem gigantischen Bergsturz, der vor 340 Jahren einen riesigen, rotschimmernden Krater hinterließ. Zum Glück sei der „Stora Slöten“, der große Sturz, genau am Mittsommertag passiert, als alle Arbeiter frei hatten, erzählt Isaak. Wer da nicht abergläubisch wird.

Abends wenn die Sonne langsam in verschiedenen Rottönen im Siljansee versinkt, legt sich eine romantische Stimmung über die Orte rund um den See und den breiten Österdalälven Zufluss. Nur schemenhaft sind dann die traditionell länglich-schmalen Boote zu erkennen, mit denen die Leute früher gemeinsam über den See paddelten. Beim Sundowner auf der Terrasse des nostalgischen Green Hotels in Tällberg mit Blick auf diese mystische Landschaft würde man das Motiv am liebsten verewigen. Wie damals die beiden berühmten schwedischen Maler Larsson und Zorn, die sich in dieser malerischen Umgebung ihre Refugien eingerichtet hatten.
Künstler Dalarnas und der König von Mora

Carl Larsson (1853-1919) hatte sich mit seiner kreativen Frau Karin in Sundborn niedergelassen, während Anders Zorn (1860-1920) mit Ehefrau in Mora ein nobles Domizil bewohnte, das die begabte Designerin Emma Zorn schöpferisch gestaltet hatte. Beide Künstlerpaare waren schon zu Lebzeiten erfolgreich. Die Zorns sind viel und weit gereist, sodass Anders Zorn damals schon weit über die schwedischen Grenzen hinaus gefragt war. In seiner Heimatstadt galt er als „König von Mora“, berichtet Zorn-Expertin Ylva Fahlberg, die durch Haus und Garten sowie das angrenzende Museum führt.
200 Jahre alter Apfelbaum trägt noch Früchte
Larsson dagegen kultivierte sein Image zu Hause und dürfte deshalb der bekanntere der beiden befreundeten Maler sein. Auf seinen Bildern stellte er oft das harmonische Landleben um sein Haus am See dar. Nicht nur im Haus, auch im idyllischen „Larssongarden“ drumherum scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Sogar der über 200 Jahre alte Apfelbaum trägt noch Früchte.
Beim Zorn-Dinner im herrschaftlichen Speisezimmer des Mora Hotels liegt die Vorstellung an genussvolle Tage im Stil der vorletzten Jahrhundertwende nahe. Anders und Emma Zorn haben schon mit ihren prominenten Gästen in dem traditionellen Haus am Siljansee gespeist. Als Familie Lund die Pforten der Nobelherberge vor knapp 200 Jahren mitten in Mora öffnete, galt Qualität bereits als oberstes Gebot. „Daran hat sich nichts geändert“, betont Patrick Lund, der dem Netzwerk „Taste of Dalarna“ angehört. Neben der Kulinarik und Kunst weiß der durchtrainierte heutige Hausherr auch die sportlichen Möglichkeiten in seinem Heimatort zu schätzen. Der 90 Km lange Wanderpfad auf den Spuren von Gustav Vasa, der zwischen Mora und Sälen verläuft, wird im Winter zum Langlauftrail für den berühmten Vasalauf.
Text und Bilder: Renate Wolf

Weitere Informationen
www.visitsweden.com, www.visitdalarna.com
Anreise
Dalarna liegt etwa 300 Km nordwestlich von Stockholm. Flug bis Stockholm und weiter per Zug oder per Fährverbindung Kiel-Göteborg mit Stena Line (Nachtfähre), www.stenaline.de
Essen und Trinken
Falun: Banken Bar & Brasserie, Restaurant in historischer Bank, www.bankenfalun.se
Tällberg: Bodenständig speisen im Greenhotel, www.greenhotel.se
Mora: Zorn-Menü im MoraHotell, www.morahotell.de
Besichtigen
Dalarnas Museum in Falun, https://dalarnasmuseum.se
Kupferbergwerk in Falun, www.falugruva.se
Larssongarden in Sundburn, 15 Km nordöstlich von Falun, www.carllarsson.se
Zorngarden und Zornmuseet in Mora, www.zorn.se
Dalapferdchen-Fabrik in Nusnäs, www.grannas.com
Währung
100 Schwedische Kronen entsprechen etwa 9,25 Euro. In Schweden werden selbst kleinere Beträge bargeldlos bezahlt.
Ausflugstipp: Die M/S Gustaf Vasa bietet in den Sommermonaten nostalgische Schifffahrten auf dem Siljansee zwischen Mora, Rättvik und Leksand, www.wasanet.nu
Lektüre: Domont Reisehandbuch Schweden mit vielen Tipps und separater Karte, 26.95 Euro



