BERNIES BLOG | CAMPING & CORONA – Teil 3

Bernhard Schöneck (76) schrieb einst für den KICKER, LUST AM LAUFEN sowie weitere Fachmagazine. Und er war zu seiner hochsportlichsten Zeit einer der bekanntesten 24-Stunden-Läufer der Welt. Seine persönliche Bestleistung: 247,330 km. Außerdem durchlief er in Amerika The Death Valley, das berüchtigte ‚Tal des Todes‘, und fuhr mit dem Fahrrad von Chicago durch den Mittleren Westen bis Mexiko. Der ehemalige Taubstummenlehrer ist seit 48 Jahren verheiratet mit Masako aus Tokyo. Das Ehepaar verbringt seit 2003 die Wintermonate mit Hund Auguri und dem eigenen Wohnmobil auf dem Campingplatz Azahar in Benicassim in der Provinz Valencia/Spanien. Wie es den beiden dort ergeht – lesen Sie hier (die Zeilenbrüche bitten wir zu verzeihen – sind der Übermittlung via Handy geschuldet).

 

WAS BISHER GESCHAH:

 

https://reise-stories.de/bernies-blog-camping-corona-aktuelle-notizen-aus-spanien/

 

https://reise-stories.de/bernies-blog-camping-corona-teil-2/

 

Und so geht es weiter:

 

VON BERNHARD SCHÖNECK

 

DIENSTAG, 24. MÄRZ 2020

 

Die Luft ist ‘raus! Nicht aus unserer Motivation zur Flucht – jetzt möglichst bald nach Hause! Nein, die Luft ist raus aus unserem rechten Hinterreifen!

Es war gestern Abend. Autobahn kurz vor Valence. Vor uns ein Trucker – hinter uns ein Trucker – einer überholt uns. Da bemerke ich unter dem Heck unseres Wohnmobils ein brutales Rütteln! Und ein Lidschlag später beginnt auch schon ein wahrer Teufelstanz:

Zuerst zieht das schwere Gefährt auf die eine – dann auf die andere Seite der Fahrbahn. Einmal kommt uns die Leitplanke des Mittelstreifens entgegen – dann rammen wir fast die Leitplanke des Fahrbahnrandes. Schließlich kommen wir ohne Schaden zum Stehen. Aufatmen.

Der Gummi des rechten Hinterrades ist total…

zerfetzt! Wer führt hier Regie?

Gott sei Dank haben wir ein Ersatzrad dabei. Anruf beim ADAC: Frau kann uns nicht helfen: Auf den französischen Autobahnen haben die französischen Privat-Betreiber die Hoheit. Benutzen Sie bitte die Notrufsäule!

Steif vom langen Sitzen mache ich mich auf den langen Weg. Ich habe noch nie eine Notrufsäule bedient! Die Anleitung gibt’s in vielen Sprachen. Nicht in deutsch. Ich informiere mich auf englisch. Eine männliche Stimme meldet sich – auf französisch. Zufällig habe ich noch ausreichende Reste von Schulfranzösisch. Wir kommen zusammen:

,Warten Sie hinter der Leitplanke! Der Autoverkehr ist sehr gefährlich!‘

Hinter der Leitplanke ist ein tiefer Graben. Der Servicewagen kommt bald. Die technische Ausstattung ist vom Feinsten. Der junge Mann lädt in Minutenschnelle unser…

schweres Wohnmobil samt uns auf den Tieflader. ,Der Reifenwechsel auf der Autobahn ist zu gefährlich!‘, meint er.

Nach wenigen Minuten erreichen wir einen Parkplatz. Der junge Mann erledigt seine Arbeit routiniert. Wir zahlen 350.-€.

Jetzt stehen wir bei hereinbrechender Dunkelheit ganz alleine auf einem Parkplatz an der Autobahn!

Nie mehr an der Autobahn mit dem Wohnmobil übernachten!, schworen wir uns, nachdem wir vor wenigen Jahren auf einem Rastplatz bei Benicarlo an der spanischen A7 nachts überfallen wurden.

Und nun stecken wir wieder in dieser Situation! Verdammt!

Allerdings: Seit damals haben wir uns ,hochgerüstet‘:

Beide Türen des Fahrerhauses werden mit Zusatzschlössern gesichert. Dazwischen eine starke Metallkette gespannt. An der Eingangstür der Kabine haben wir zwei zusätzliche Schlösser …

Es ist schon sehr spät. Nur langsam finden wir Ruhe.

Die Nacht verläuft ohne Störungen. Doch heute Morgen wird uns klar:

Wir haben jetzt kein einsatzfähiges  Ersatzrad mehr – und nach Hause sind es noch rund 800 km! Wir rufen bei drei Benz-Vertretungen in Valence an. Alle sind geschlossen – die Krise …

Unsere Benz-Vertretung in Koblenz rät uns, die ,Mercedes Notrufzentrale‘ anzurufen.

Besetzt. Besetzt. Besetzt. Kein Durchkommen. Wir entschließen uns, das Risiko einzugehen und

o h n e  zu fahren.

Wir erreichen Lons-le-Saunier.  Hier wollen wir im Supermarkt ,Géant Casino‘ noch einige französische Leckereien kaufen.

Die Zahl der Autos auf dem riesigen Parkplatz ist überschaubar. Die Einzelgeschäfte vor den Kassen sind alle geschlossen, einige Regale sind fast leer: Eier sind aus – das Angebot  an Fisch und Fleisch stark ausgedünnt. Rotwein gibt es reichlich. Überhaupt scheinen die meist jungen französischen Kunden viel gelassener mit der Krise umzugehen als die Spanier.

Was wird uns in Deutschland erwarten?

Bernhard Schöneck

 

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