Alta Badia: Che gusto!

Noch Platz auf dem Piz La Ila - mit Blick auf die Marmolada
Wenn man alles hat – perfekt gepflegte Pisten, Abfahrten von Blau bis Schwarz, internationale Ski-Events, eine Gastronomie so hoch

Bild oben: Noch Platz auf dem Piz La Ila – mit Blick auf die Marmolada

Wenn man alles hat – perfekt gepflegte Pisten, Abfahrten von Blau bis Schwarz, internationale Ski-Events, eine Gastronomie so hoch über den Wolken des üblichen alpinen Mittelmaßes wie die Dolomiten-Gipfel in Alta Badia. Hotels und Unterkünfte, in denen der Gast wie ein Freund behandelt wird, eine Landschaft, die als UNESCO –Welterbe ausgezeichnet ist, ein kulturelles und historisches Umfeld voller Überraschungen und Momente zum Innehalten. Ja, wenn man all dies für seine Gäste im Angebot hat, was will man da noch bieten? Alta Badia hat darauf eine Antwort: Seine Initiative „Skifahren mit Genuss”, welche 2019 das 10jährige Jubiläum feiert.Sie umfasst die vielen Angebote, bei denen sich alpiner Wintersport und Gastronomie vereinen. Drei Veranstaltungen zum Saisonschluss präsentieren noch einmal die Gourmetqualitäten dieser Gegend im ladinischen Herzen der Südtiroler Dolomiten. Da ist zuerst „Sommelier auf der Piste“ am 12. März, gefolgt von „Roda dles Saus“ (der ladinische Ausdruck für Tour der Genüsse), eine Skisafari mit klassischen Gerichten der lokalen Küche. Termin ist vom 17. bis zum 24. März: Die Speisen können während der gesamten Woche verkostet werden. Am Sonntag, dem 24. März, warten auf die Genussskifahrer bei der inzwischen neunten Ausgabe der Wine Skisafari einige Südtiroler Spitzenweine in den teilnehmenden Hütten. Bis dann, mit der Skicarousel Vintage Party, die Wintersaison 2018/19 zu Ende geht. Diese Party ist ein „Retro Event“ am 6. und 7. April, der auch bereits zum fünften Mal stattfindet. Leider, leider, kann ich nicht mitmachen, weil ich meine alten Ski längst beim Bauhof abgegeben habe. Ja, ich hätte daraus Möbel, vielleicht eine Bank, oder einen Wandschmuck basteln können. Aber dazu habe ich kein Talent. Natürlich, gerne erinnere ich mich noch an die 2,20 m langen Bretter, an die Zugbindung. Das waren noch Zeiten! Für mich voller blauer Flecken und Blutergüsse. Tempi passati. Heuer, am Sonntag, dem 7. April 2019, messen sich die Skifahrer bei einem nostalgischen Skirennen auf der La Para Piste und kurven wie anno dazumal mit Bambusstöcken um die Tore. Dort ist auch einer der letzten Lifte mit Bügel in Betrieb. Teilnehmen kann bei diesem Rennen im Prinzip jeder. Voraussetzung ist nur, dass keine Carvingski zum Einsatz kommen. Und da bin ich eben draußen.

Enrosadira über La Villa. Photos: Ada Oh

Aber: Zuschauen macht auch Freude, und die guten alten Zeiten und viel Romantik gibt es nicht nur auf den Pisten, sondern auch im Tal zu erleben. Und das schon ab Samstagabend, 6. April. Die Lokale im Tal, entlang der Hauptstraße von La Villa, haben sich auf bestimmte musikalische Themen spezialisiert. Für Autos ist die Straße gesperrt. In der Dekoration und der Musik wird die nur scheinbar vergangene Zeit eingefangen, ist sie doch lebendig, wenn man sich an sie erinnert. Auch oben auf 2000 m Höhe geht es betont nostalgisch zu. In den Hütten locken traditionsreiche, ladinische Spezialitäten, die zeigen, dass es auch eine Gastronomie vor der veganen und geschmacksfreien Zeit gab.
Bis dahin, zum 7. April, ist noch reichlich Zeit. Noch ist Staunen angesagt, wenn man am oberen Ausstieg des Liftes steht, über eine grandiose Natur, die sich beispielsweise unterhalb des Heiligkreuzkofels den Augen darbietet, im schönsten Dolomitgestein, am Rande des Naturparks Fanes-Sennes-Braies. Felsen, die sich abends eine Rötung zulegen, die selbst die Enrosadira des Rosengartens neidisch werden lässt. Wer sich eine Pause gönnen will, schnallt die Skier ab und stapft die wenigen Meter hoch zur Wallfahrtskirche Heilig Kreuz und zu der dem bewirtschafteten Schutzhaus nebenan, das man auch Rifugio nennen kann.

Während viele Skigebiete versuchen, dadurch eine vielbesuchte Marke zu werden, dass sie möglichst ausgreifend alles unter ein verknüpftes Netz aus Pisten und Liften bannen, ist Alta Badia einen anderen Weg gegangen. Das konnte man, denn wer es großflächig braucht, mit Gedränge im Schnee und Warteschlangen an den Liften, der kann sich in die Sella Ronda stürzen, kommt so bis Wolkenstein, Arabba und noch weiter, in die Grande Guerra, die bis zur Marmolada führt, oder er fährt mit dem Bus oder eigenen Auto zum Piccolin und wedelt sich bis zum Kronplatz vor.

Wer dagegen der Überzeugung ist, die in Alta Badia vorhandenen Pisten genügen seinen Ansprüchen, sie sind perfekt gepflegt, sind mal als blau, mal als rot, mal als schwarz ( 40 Prozent Gefälle) gekennzeichnet wie die Gran Risa, die Abfahrt vom Piz la Ila, der lässt sich lieber durch das Konzept „Sciara con gusto“, „Schifahren mit Genuss“ überzeugen, als Inbegriff der Identität, jedenfalls der winterlichen, in einem der fünf ladinischen Täler. Wer sich für Geschichte und Kultur interessiert, der sollte das Museum Ladin Ćiastel de Tor und das Museum Ladin Ursus ladinicus, des ladinischen Bären, besuchen. Da könnte man fast auf den Gedanken kommen, der Wintersport spiele in Alta Badia keine Rolle mehr. Dem ist nicht so. Das Skifahren bleibt die Hauptsache: 130 km Pisten werden von 52 Liftanlagen erschlossen. Eine direkte Skiverbindung zu mehr als 500 km Pisten innerhalb des Skipassverbundes Dolomiti Superski ist gegeben. Mag die Anfahrt aus Deutschland über den Brenner und die Zufahrt durch Puster- und Gadertal auch beschwerlich sein, wer in einer der Skihütten von Santa Croce, I Tablà, Nagel oder La Crusc, auf dem Piz La Ila im Moritzino, dem Bioch oder in einer anderen Hütte in der Sonne liegt oder ein ladinisches Gericht genießt, der freut sich, für diesen Unterschied zu anderen Plätzen in den Alpen den Aufwand auf sich genommen zu haben.
Wer Glück und Zeit hat, bleibt bis zu den Nostalgie-Rennen und zur Skicarousel Vintage Party. Und der dürfte jedenfalls dann seine höchst private Enrosadira auf Wangen und Nase haben.

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