Abgefahren auf das Sterzinger Paradies

Schneeband am RoßkopfUnd ist es nur ein Band, so ist es doch aus Schnee

So ein Tag, so sonnenschön wie heute. Wir schreiben den 15. Dezember 2016, auf Sterzings Plätzen strecken die Einheimischen dem Planeten ihre fahlen Gesichter entgegen. Die Parkplätze an den drei Seilbahnen sind leer. Das ist der Moment, auf den wir abfahren. Es gilt, unter die Bretter zu nehmen, was auf dem Rosskopf, in Ladurns und Ratschings an Piste da ist. Wenn etwas da ist.

Foto oben: Schneeband am Roßkopf. Und ist es nur ein Band, so ist es doch aus Schnee

Wenn aus Bändern ein Berg wird

 

 

„Gott sei Dank“, jubelt Josef Turin, seit Menschengedenken Tourismuschef von Sterzing  in Südtirol, „stimmen jetzt die Temperaturen, und unsere Gebiete sind intensiv damit beschäftigt, die Pisten einzuschneien.“ Der Winter kündigt sich an mit Nachtfrost und damit die neue Saison. Erst kurz vor dem Startschuss spielte das Wetter mit. Nun sitzt wir in der neuen 8er-Sesselbahn auf Echtledersitzen und schweben in die Höhe nach Ratschings zu 25 Kilometern Pisten, die sich wie in einer halbrunden Schale in die Berge am Jaufenpass schmiegen. Diese Bahn ersetzt einen 4er-Sessel, aber nur zu Spitzenzeiten hat man Ratschings überlaufen gesehen. Denn eigentlich ist es hier ruhig, wie heute und wie immer. Das muss auch Turin zugeben, der immer ein Lachen im Gesicht hat, als wollte er sich freuen, dass die gewaltigen Ströme wintersporthungriger Nordländer sich auf der Autobahn zu anderen Zielen wälzen.

Wir toben die Pisten von Ratschings herunter, von der Rinneralm über die Kalcheralm zum Enzian, alle in perfektem Zustand, so breit, dass man nicht von Bändern sprechen kann, der ganze Berg ist Piste, und der ganze Berg ist beschneit. Besser geht es nicht. Ratschings (1.300 m bis 2.150 m) zählt zu schneesichersten in Gebieten in Südtirol, weil seine Pisten sowohl vom Genua-Tief als auch von Schneewolken, die über den Brenner gedrückt werden, profitieren können. So vorhanden.

Wagen wir uns an den Rosskopf. Der Rosskopf bietet 13 km Pisten und eine 9,6 km lange, beschneite Rodelbahn von der Berg- bis zur Talstation, die noch nicht in Betrieb ist. Unten ist alles braun, oben auch, der Frost, der die Bäume mit glitzerndem Weiß überzogen hatte, hat sich mittags verabschiedet. „Die neue Piste am Rosskopf, Ramingeralm, die 3 000 Meter lang vom Köpfl aus bis zum Stocklift führt,  ist eine Wucht.“  Josef Turin strahlt, dass er Neuigkeiten aus seinem Revier berichten kann.  Auch in der Sonne behält der Schnee seine Facon, müssen wir feststellen. Aber wir kennen diese Abfahrt, es ist der Sonnenhang, dessen Sessellift verkauft wurde, und der nun bis herab zum Stöckl-Lift geführt wurde. „Na gut, ist es hier eben wie immer.“

Gut so. Denn der Weg in die Skigebiete hinter dem Brenner führt direkt in das Paradies, jedenfalls das der Wintersportler. Es stimmt, was schon Henrik Ibsen wusste: Hier kann man wunderbar Urlaub machen. Im Sommer und vor allem auch im Winter. Ski- und Langläufer, Wanderer, Tourengeher und vermehrt Rodler finden hier ihre Welt, die unverfälscht die Zeitenwenden überlebt hat.

Wie schnell sich das Ski-Karussell auch anderswo drehen mag. Ratschings, Ladurns, Roßkopf sind seit Altersher kleine, feine Skigebiete, die bis 2200 Meter hoch am Alpenhauptkamm liegen. Ridnaun, Rodenecker/Lüsner Alm, Villanderer Alm und vor allem das Pfitschtal heißen die Treffpunkte für Langläufer.  Innerpflersch und die Ziroger Alm sind liebstes Pflaster der Tourengeher. Neben den Skigebieten gibt es noch ein reines Wandertal, das Pflerschtal, das hinter Ladurns weiter zum Talschluss führt.  Es ist eine der unberührtesten Gegenden des Landes.

Die drei Abfahr-Skigebiete haben ihre eigenen Profile: Sonnig kann man den Rosskopf nennen, familienfreundlich präsentiert sich Ratschings und sportlich die steilen Nord-Abfahrten von Ladurns.

Hierhin fahren wir, nachdem der Kollege am Stöckl uns mehrfach freundlich gegrüßt hat und Josef Turin uns das Stern-Mountain-Chalet gezeigt hat, eine wirkliche Neuheit auf dem Rosskopf.

Sternhütte mit zufriedenen Gästen

Sofort fahren in Ladurns von einem fast leeren Parkplatz beide Sesselliste nach oben, die Sonne verabschiedet sich schon hinter den – immerhin – weißen Gipfeln. Wir wollen die Abfahrt des Hausmatadoren, die „Patrick-Staudacher-Piste“, testen. Superschnee, super Präparierung, müssen wir konstatieren. Na gut, heute ist sie auch nicht strapaziert worden. Bei drei unserer vier Abfahrten trafen wir niemanden.  Auf der benachbarten Rodelbahn (6,5 km) war mehr Betrieb. Mit nur 15 Kilometern Pisten ist das Skigebiet Ladurns klein aber fein, weil fein steil.

Die drei Skigebiete haben, etwas verwirrend, ihre eigenen, einen gemeinsamen und einen Skipass im Verbund der Ortler Skiarena. Die Unterkünfte können in unterschiedlichen Preiskategorien gebucht werden. Vom preiswerten Gossensaß, hier etwa das empfehlenswerte Hotel Erna,  über den familienfreundlichen Sonklarhof in Ridnaun bis hin zum vornehmen Hotel Lilie oder dem schicken Café Steindl  in Sterzing. Die Fugger-Stadt hat sich mit einer den Fußgängern vorbehaltenen Altstadt den Charme einer Residenz für  Könige und Kaiser bewahren können. Und es verfügt über eine weitere Attraktion, das winterfeste Hallen-Freibad „Balneum“.

Die Zeit, die uns nach dem Ende des durchaus die Kondition fordernden und fördernden Tages bleibt,  ist zu nutzen, die Eisacktaler Kost zu probieren. So heißt nicht nur ein Event im März, wenn die Köche zum edlen Wettstreit rufen, sie ist immer ein Begriff für regionale, verfeinerte Speisen. Auch in den Hütten kann man sie erleben, etwa in der Kalcheralm oder der Saxnerhütte in Ratschings, in der Edelweißhütte und dem Pfeiferhuisele in Ladurns, auf der Sternhütte am Rosskopf und dem Pretzhof in Tulfer/Pfitsch. Diese Hütten sind zugleich die wohl urigsten der Alpen. Besonders ins Herz geschlossen hat man in den Sterzinger Skigebieten Kinder und die Älteren ab 60. Die bezahlen deutlich weniger. Dafür bleiben letztere in den Hütten länger sitzen und genießen die Küche und das Leben. Der „ewige“ Josef Turin gehört inzwischen dazu. Wir ließen den Tag in der Edelweißhütte oben in Ladurns bei der Paula ausklingen. Auch sie ist längst Inventar des Sterzinger Paradieses.

 

Information:

Tourismusverband Eisacktal, E-Mail: info@eisacktal.info
www.eisacktal.info

Nachts in Sterzing

 

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