Ob Trüffelsuche in der Toskana, Olivenölverkostung auf Korfu oder ein Besuch auf dem lokalen Markt: Essen auf Reisen wird für viele Menschen immer wichtiger. Besonders die Generation Z entdeckt kulinarische Erlebnisse zunehmend als Teil des Urlaubs und manchmal sogar als Grund, überhaupt eine Reise anzutreten
Wer nach Italien reist, möchte vielleicht nicht nur das Kolosseum besichtigen oder durch die Gassen Roms schlendern. Auch eine Trüffelsuche in der Toskana, der Besuch einer Olivenölmühle oder die Verkostung regionaler Spezialitäten können zum Höhepunkt der Reise werden. Essen ist für viele Urlauber längst mehr als eine angenehme Pause zwischen zwei Sehenswürdigkeiten. Es wird zunehmend selbst zum Reiseerlebnis.
Darauf deuten auch aktuelle Zahlen hin: Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag von GetYourGuide genießen 57 Prozent der Befragten in Deutschland auf Reisen gerne lokale Küche und kulinarische Touren. Für 18 Prozent ist Essen sogar einer der wichtigsten Reisegründe oder ein zentrales Urlaubshighlight. Bei der Generation Z liegt dieser Anteil mit 34 Prozent fast doppelt so hoch. Auch die Buchungszahlen der Reiseplattform spiegeln das wachsende Interesse wider: Weltweit sind die Buchungen von Food-Erlebnissen bei GetYourGuide im Jahresvergleich um 47 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Erlebnisse rund um Kultur und historische Sehenswürdigkeiten legten um 16 Prozent zu.
Kulinarik als Zugang zur Kultur
Warum wird Essen auf Reisen immer wichtiger? Weil sich über die lokale Küche ein Land oft besonders unmittelbar entdecken lässt. Wer einen Markt besucht, regionale Spezialitäten probiert oder einer Olivenölproduzentin bei der Arbeit zusieht, erfährt auch etwas über die Menschen, die Traditionen und die Geschichte einer Region.
Francesca De Falco, Regional Managerin für Italien bei GetYourGuide, beobachtet dabei einen Wandel im Reiseverhalten: „Reisende möchten heute nicht mehr nur zwischen zwei Sehenswürdigkeiten etwas essen. Sie wollen regionale Zutaten entdecken, traditionelle Herstellungsverfahren kennenlernen und verstehen, woher ein Gericht kommt. Die Küche wird damit selbst zu einer Sehenswürdigkeit – oder besser gesagt: zu einem Museum, das man mit allen Sinnen erleben kann.“
Besonders ausgeprägt ist dieses Interesse bei jüngeren Reisenden: 52 Prozent der Gen Z interessieren sich dafür, auf Reisen Supermärkte oder lokale Märkte zu besuchen, um regionale Lebensmittel zu probieren. In der Gesamtbevölkerung sind es 38 Prozent.

Wenn Oliven, Trüffel und Vanille zum Reiseziel werden
Wie groß die Faszination für regionale Spezialitäten ist, zeigt eine weitere Frage der Umfrage: Für welche Zutaten wären die Deutschen bereit, eigens zu verreisen? Besonders häufig nannten sie Oliven, Trüffel und Vanille. Aber auch Tomaten, Safran, Sardinen, Wasabi und Kapern wecken das Interesse.
Dahinter steckt mehr als die Lust am guten Essen. Regionale Zutaten erzählen Geschichten über Landschaften, Klima, Handwerk und Traditionen. Wer beispielsweise auf Teneriffa eine Vanilleplantage besucht, erfährt nicht nur etwas über den Anbau der kostbaren Pflanze, sondern auch über die Arbeit und das Wissen, die dahinterstecken. Ähnliches gilt für die Trüffelsuche in der Toskana oder die traditionelle Salzgewinnung auf Lanzarote.
Interessant ist allerdings, dass viele Reisende solche Erlebnisse bislang eher spontan einplanen. Obwohl 57 Prozent gerne lokale Küche entdecken, richten sie ihre Reise laut Umfrage meist nicht gezielt danach aus.
Das könnte sich ändern: Kulinarische Erlebnisse ergänzen zunehmend das klassische Sightseeing und machen den Urlaub zu einer Entdeckungsreise für alle Sinne. Denn manchmal bleibt nicht das berühmte Bauwerk am stärksten in Erinnerung, sondern der Geschmack eines frisch gepressten Olivenöls, ein Gespräch mit einem lokalen Produzenten oder eine Spezialität, die man vorher noch nie probiert hat.




