Fango, Thermalwasser, ärztliche Untersuchung und Physiotherapie gehören in Abano Terme seit Jahrzehnten zur Kurtradition. Im Grand Hotel Trieste & Victoria soll daraus ein modernes Longevity-Programm entstehen – ergänzt um Bewegung, Regeneration und eine leichte mediterrane Küche. Wird hier nur ein neues Etikett auf Altbewährtes geklebt, oder steckt in der alten Kur mehr gesundes Altern, als der moderne Longevity-Markt vermuten lässt?
Nein, einladend sieht das nicht aus. Mit gemischten Gefühlen stehe ich nackt vor der Liege, auf der Matteo, der Fangotherapeut des Grand Hotel Trieste & Victoria, einen großen Haufen grauen, dampfenden Schlamms verteilt hat. „Bitte setzen, Signore Enrico“, fordert er mich auf. Was, da hinein? Na gut, es soll ja gesund sein. Schließlich wussten angeblich schon die alten Römer die heißen Quellen rund um Abano zu schätzen. Also lasse ich mich mitten in dem Schlamm nieder und lege mich vorsichtig mit dem Rücken auf die matschige Masse, die vom Nacken bis zu den Knien reicht. Ganz schön heiß, allerdings nur am Anfang. „Tutto a posto, Signore Enrico?“, fragt Matteo besorgt, verteilt weiteren Fango auf Schultern, Ellbogen, Knien und Füßen und wickelt mich anschließend komplett in ein Tuch und zwei Decken.


Überraschend schnell wird aus dem anfänglichen Unbehagen wohltuende Wärme. Während der rund 20 Minuten, die ich nun allein in dem hoch gekachelten Therapieraum verbringe, kommt Matteo immer wieder herein und tupft mir behutsam die Schweißperlen aus dem Gesicht. Als er mich schließlich auspackt, bin ich klatschnass geschwitzt wie nach einem langen Saunagang. Mit einer großen Brause verschwinden Schlamm und Schweiß, anschließend führt mich Matteo zum Becken mit körperwarmem Thermalwasser. Danach geht es aufs Hotelzimmer zum Nachruhen; gut zugedeckt falle ich fast augenblicklich in einen kurzen Schlaf. Später folgt noch eine kräftige Massage, die den klassischen Ablauf der Fangotherapie abrundet.
So also fühlt sich eine Behandlung an, deren Grundprinzip sehr viel älter ist als Biomarker, Longevity-Apps und Tests des biologischen Alters. Bemerkenswert ist allerdings, dass der Fango in Italien keineswegs nur als traditionsreiche Wellness-Anwendung gilt. Thermalkuren gehören dort für klar definierte Erkrankungen zum Leistungskatalog des staatlichen Gesundheitsdienstes SSN. Wer beispielsweise an Osteoarthrose oder bestimmten anderen degenerativen rheumatischen Erkrankungen leidet und eine entsprechende ärztliche Verordnung erhält, kann grundsätzlich einmal im Jahr einen Therapiezyklus zulasten des SSN in Anspruch nehmen. Hinter dieser Einordnung steht nicht allein Kurtradition, sondern auch eine über Jahrzehnte gewachsene medizinische Forschung.
Erst die Ärztin, dann der Fango
Der Weg auf Matteos Fangoliege hatte deshalb schon vorher begonnen: im Sprechzimmer von Dr. Francesca Fornasini, der medizinischen Direktorin der GB Thermae Hotels. Sie hatte sich bei meiner Untersuchung nicht nur vergewissert, dass einer Fangotherapie nichts entgegenstand, sondern meinen allgemeinen Gesundheitszustand, Blutwerte, Kreislauf und Bewegungsapparat beurteilt. Auf dieser Grundlage legte sie fest, welche weiteren Anwendungen während des Aufenthalts angemessen und sinnvoll sein könnten – etwa Physiotherapie, Massagen oder, bei entsprechender Indikation, Lymphdrainage. Bei Gästen mit Beschwerden kann daraus ein medizinisch ausgerichteter Therapieplan entstehen.
Bei mir fiel die Bilanz erfreulich unspektakulär aus. „Wie nicht anders zu erwarten, sind Sie top in Schuss für Ihr Alter“, stellte Fornasini fest. Mit 68 nahm ich das natürlich gern zur Kenntnis. Medizinisch notwendig war bei mir nichts; die folgenden Anwendungen konnten sich deshalb auf Regeneration, Beweglichkeit und den Erhalt dessen konzentrieren, was bereits gut funktionierte. Genau diese Differenzierung überzeugte mich: Nicht jeder Gast wird zum Patienten erklärt, nur weil er ein Gesundheitshotel betritt. Die Ärztin entscheidet vielmehr, was tatsächlich sinnvoll ist – und was nicht.
Auch die wissenschaftliche Lage ist nüchterner und damit interessanter als manches moderne Verjüngungsversprechen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 wertete zehn Studien mit insgesamt 560 Patientinnen und Patienten mit Kniearthrose aus. Die lokale Schlammanwendung war mit einer Verringerung von Schmerzen und einer Verbesserung der Gelenkfunktion verbunden. Die Autoren sehen sie als mögliche ergänzende Therapie, fordern zugleich aber weitere hochwertige randomisierte Studien. Fango muss also weder „detoxen“ noch die biologische Uhr zurückdrehen, um medizinisch relevant zu sein. Wenn Schmerzen nachlassen und Bewegung leichter fällt, berührt die Therapie einen Faktor, der für gesundes Altern tatsächlich zählt: Mobilität möglichst lange zu erhalten.
Aus Kurtradition soll Lebenskunst werden
Genau diese Verbindung aus gewachsener Kurmedizin und heutiger Prävention macht das Grand Hotel Trieste & Victoria für unser Longevity-Projekt interessant. Ich war während meines Aufenthalts nicht nur als Gast und Tester in Abano, sondern arbeitete gemeinsam mit den Verantwortlichen der GB Hotels an der Feinabstimmung eines Signature-Programms für deutsche Gäste. Die Idee war ausdrücklich nicht, dem Haus noch ein paar technische Anwendungen überzustülpen und anschließend das Wort Longevity darüberzuschreiben. Fangotherapie, ärztliche Begleitung, Physiotherapie, Bewegung und Regeneration sowie eine mediterran geprägte Balance-Küche sind schon da. Hinzukommen sollen ein sinnvoller Tagesrhythmus sowie ausreichend Raum für Genuss, Natur und italienische Lebensart.



Hotelchefin Chiara Borile bringt das gemeinsame Ziel auf den Punkt: „Wir verändern nicht die Infrastruktur – sondern definieren die Bedeutung und Dramaturgie dessen, was bereits vorhanden ist neu.“ Darin steckt der eigentliche Prüfstein des Projekts. Kann aus dem, was Abano seit Jahrzehnten beherrscht, tatsächlich ein zeitgemäßes Programm für gesundes Altern entstehen – oder wird am Ende doch nur ein modisches Etikett auf eine klassische Kur geklebt?
Gesund essen, ohne Italien abzuschaffen
Die zweite Probe aufs Exempel fand nicht im White Spa, sondern am Restaurant-Tisch statt. Für das geplante Programm sollte eine „euganeische Longevity-Küche“ entstehen, die mediterrane Prinzipien mit regionalen Produkten verbindet. Gemüse, Fisch, Kräuter und Olivenöl bilden die Grundstruktur; die Portionen sollten kleiner, das Frühstück proteinreicher, Zucker zurückhaltender und vegetarische Optionen selbstverständlicher werden. Zugleich stand im Konzept ein Satz, der für mich fast wichtiger war als jede Nährwertvorgabe: Es sollte kein Verzichtsgefühl entstehen.


Das von mir getestete „Balance-Menü“ des Hotels setzt genau dort an. Mittag- und Abendessen wurden in mehreren leichten Gängen serviert, der geplante Tagesrahmen lag ungefähr bei 1.200 bis 1.400 Kilokalorien. Entscheidend war jedoch weniger die Zahl als die Erfahrung: kleinere Portionen, gute Produkte, mehrere Gänge und dadurch mehr Zeit am Tisch. Das Essen schmeckte nicht nach Diät, sondern nach Italien – nur leichter.



Ernährungsphysiologisch ist das keine Revolution. Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl und wenig hochverarbeitete Lebensmittel brauchen kein Longevity-Etikett. Gerade darin könnte aber die Stärke liegen. Offenbar benötigt gesundes Essen nicht noch mehr exotische Zutaten, sondern eine Umgebung, in der vernünftige Portionen, gute Produkte und Zeit zum Essen wieder selbstverständlich werden. Auch der Wein gehört zu dieser Ehrlichkeit. Er wird nicht zum Gesundheitselixier umgedeutet; Alkohol bleibt Alkohol. Aber ein Programm für gesundes Altern, das italienische Lebenskunst nur als Summe von Verboten denkt, würde weder zu Venetien noch zu der Frage passen, wie ein gutes langes Leben tatsächlich aussehen kann.
Bewegung, Ruhe – und dazwischen Venetien
Damit sind Fango und Balance-Menü allerdings noch kein Longevity-Programm. Entscheidend ist die Dramaturgie einer ganzen Woche: morgendliche Aktivierung im Park, Mobility oder Yoga, Aquagym im Thermalwasser, Atemübungen und gezielte Ruhephasen sollen sich mit den Fangotagen und ausreichend freier Zeit abwechseln. Wir nennen das im Konzept „Silent Thermal Time“ – eine Phase, in der der Gast nicht noch ein weiteres Angebot konsumiert, sondern einfach regeneriert.

Zur Idee gehören aber auch Ausflüge. Padua steht für Medizin, Humanismus und den Botanischen Garten, die Euganeischen Hügel für Natur und Bewegung, Vicenza für Palladio und italienische Lebenskunst; ein Besuch auf einem Weingut soll Genuss bewusst integrieren, statt ihn aus dem Gesundheitsprogramm zu verbannen. Was auf den ersten Blick wenig mit Longevity zu tun hat, berührt eine Frage, die in der Fixierung auf Biomarker leicht verloren geht: Wozu wollen wir eigentlich länger leben? Wenn ein längeres Leben auch ein besseres sein soll, gehören Neugier, Kultur, Natur, Begegnung und Genuss zur Antwort.






Aus dem Prototyp soll im Herbst nun ein realer Praxistest werden. Gemeinsam mit dem Münchner Busreiseunternehmen Geldhauser und dem Münchner Merkur entsteht die Leserreise „Longevita – Lebenskunst in Venetien“. Sie ist als Inspirationsreise nach Abano Terme für ein längeres, besseres und genussvolleres Leben gedacht. Fango, Thermalwasser und medizinische Begleitung bilden dabei den gesundheitlichen Kern; Bewegung, Ernährung, Kultur und die Lebensart Venetiens sollen daraus mehr machen als eine klassische Kurwoche.
Was bleibt nach der Heimreise?
Ob dieses Versprechen trägt, entscheidet sich allerdings nicht in Abano. Ein Thermalhotel besitzt gegenüber dem normalen Alltag einen gewaltigen Vorteil: Es organisiert Gesundheit. Die ärztliche Untersuchung ist terminiert, Matteo wartet mit dem Fango, die Physiotherapie ist gebucht, die Mahlzeiten werden portioniert serviert, der Park liegt vor der Tür und während der Massage klingelt kein Telefon. Zu Hause fällt genau diese fürsorgliche Dramaturgie weg.
Ein glaubwürdiges Longevity-Programm sollte stets weniger dadurch überzeugen, wie viele Anwendungen es in eine Woche packt, sondern dadurch, welche Erfahrungen der Gast anschließend mitnehmen kann. Ein mediterraneres Abendessen lässt sich zu Hause nachkochen, kleinere Portionen ebenfalls. Zehn Minuten Mobilität am Morgen benötigen weder Spa noch Hotel. Regelmäßige Bewegung, bewusstere Pausen und die ärztliche Weiterverfolgung konkreter Befunde sind übertragbar. Den Fango dagegen lässt man in Abano – und das ist vollkommen in Ordnung.

Vielleicht besteht das Missverständnis gerade darin, von jedem einzelnen Bestandteil einer Gesundheitsreise eine dauerhafte Wirkung zu verlangen. Ein Hotel kann den Alltag nicht ersetzen. Es kann aber für einige Tage erfahrbar machen, wie sich ein Leben anfühlt, in dem Bewegung, Regeneration, gutes Essen und Genuss nicht ständig gegeneinander arbeiten. Genau darin sehe ich das Potenzial des Grand Hotel Trieste & Victoria: nicht in einer spektakulären neuen Longevity-Technologie, sondern in der zeitgemäßen Verbindung von Thermalmedizin, Prävention und italienischer Lebenskunst.
Wenn daraus am Ende mehr entsteht als eine schöne Woche, wäre das die eigentliche Leistung. Dann würde Longevity in Abano nicht mit einem neuen medizinischen Gerät beginnen, sondern tatsächlich mit etwas, das traditionell längst da ist: heißem Schlamm, warmem Wasser, Bewegung, vernünftigem Essen – und der Bereitschaft, davon einiges in den eigenen Alltag mitzunehmen.
Leserreise mit dem Geldhauser-Luxus-Bus: Longevita in Abano Terme
Longevity – Lebenskunst in Venetien ist eine besondere Inspirationsreise nach Abano Terme für Menschen, die länger besser leben möchten. In Anlehnung an das italienische Dolce Vita verbindet Longevity gesundes Älterwerden mit mediterraner Lebensfreude, Thermaltradition, bewusster Ernährung, sanfter Bewegung, Regeneration, Natur und Kultur. Die Reise ist ausdrücklich keine Kur, sondern ein neues Reiseformat für mehr Lebensqualität. Mit Einführungsvortrag, Balance-Longevity-Menüs im Grand Hotel Trieste & Victoria, Bewegungsangeboten im Thermalwasser. Es entsteht eine Woche, die inspiriert, entschleunigt und konkrete Impulse für den Alltag gibt.
1. Tag: Anreise Abano Terme
07:00 Uhr ab München/08:00 Uhr ab Rosenheim. Anreise über Innsbruck und dem Brenner nach Abano Terme. Begrüßung und einführender Longevity Vortrag mit anschließendem Abendessen mit Longevity-Menü.
2. Tag: In Abano – Anwendungen & Erholung:
Genießen Sie während Ihres Aufenthaltes jeden Tag jeweils eine Thermalschlammanwendung, ein Thermalbad, eine Ganzkörpermassage. Sie haben freie Zeit für den Hotelpark, Ruhe, Komfort, regionale Entdeckungen sowie begleitende Bewegungs- und Entspannungseinheiten. Abendessen mit Longevity-Menü.
3. Tag: Padua
Fahrt nach Padua, eine Stadt, in der Wissenschaft, Medizin, Humanismus und italienische Lebensart seit Jahrhunderten eng verbunden sind. Bei einer Stadtführung durch die historische Altstadt besichtigen Sie den Palazzo del Bo, einschließlich des berühmten Anatomischen Theaters und des Lehrstuhls von Galileo Galilei. Rückfahrt ins Hotel.
4. Tag: Wanderung Euganeische Hügel
Fahrt in die Euganeischen Hügel. Die sanfte Landschaft, venezianisch geprägte Orte, stille Wege, Ausblicke und regionale Genusskultur machen diesen Tag zu einem Gegenpol zur Hektik des Alltags. Wanderung entlang historischer Wege oberhalb von Luvigliano (ca. 2 Stunden, 190m Höhenunterschied, 4km, leichte Strecke). Anschließend Besuch eines Weinguts inkl. Weinverkostung. Rückfahrt ins Hotel.
5. – 7. Tag: In Abano – Anwendungen & Erholung:
Genießen Sie während Ihres Aufenthaltes jeden Tag jeweils eine Thermalschlammanwendung, Thermalbad, Ganzkörpermassage. Abendessen mit Longevity-Menü.
8.Tag: Abano Terme – Rückreise
Fahrt auf der Autobahn über den Brenner. Ankunft Rosenheim ca. 18:00 Uhr/München ca. 19:00 Uhr.
8 Tage pro Person in € DZ EZZ
15.11.-22.11. So-So 3.559 160
17.01.-24.01. So-So 3.559 160
Aufpreis p.P.
Junior-Suite 200 350
Leistungen:
- Taxi-Service
- 4* Fernreisebus FIRST CLASS
- 7 x Übernachtung mit Vollpension im 5* Grand Hotel Trieste & Victoria in Zimmern Typ „Elegance Colli Euganei“ (Longevity Menü)
- Einführender Longevity-Vortrag
- 2 x Longevity-Vorträge bzw. -Treffen
- Medizinischer Vortrag über Thermalquellen von Abano, Herkunft des Thermalschlamms und dessen gesundheitsfördernde Eigenschaften
- 1 x ärztliche Thermaluntersuchung
- 6 x Thermalschlammanwendungen
- 6 x Thermalbäder
- 6 x Ganzkörpermassagen (50 Minuten)
- 2 x Wellnessbehandlungen (50 Minuten) nach Wahl
- Ausflug Padua inkl. Transfer mit Minivans, Stadtführung Padua, Eintritt Palazzo del Bo
- Ausflug Euganeische Hügel inkl. Transfer mit Minivans, Wander-Guide, Weinverkostung auf einem Weingut (4 Weine)
- Kurtaxe
- 8 Treuepunkte
Weitere Eintritte extra
So wohnen Sie:
5* GRANDHOTEL TRIESTE & VICTORIA




Das 5-Sterne-Hotel dominiert die Fußgängerzone von Abano Terme, einem der größten europäischen Thermalorte in der Nähe der magischen Stadt Venedig. Fünf Thermalbecken sowie ein kulinarisches Angebot von großer Klasse krönen die Momente der intensiven Entspannung, umgeben von der entspannenden Atmosphäre der üppigen Vegetation, die den Park prägt. Die geräumigen und neuen Zimmer mit Balkon und Blick auf den Park, die Thermalbecken, auf die Fußgängerzone von Abano Terme oder die Euganeischen Hügel sind 35-45 m² groß und frisch renoviert. Alle Junior-Suiten sind ausgestattet mit Bad o. Du/ WC, Sat-TV, Safe, WIFI und Bademantel.
www.gbhotelsabano.it


