Trattlerhof in Kärnten: Der Urlaub soll zu Hause weiterwirken

Vom Gutshof zum Ferienhotel – und jetzt auf dem Weg zum Longevity-Haus: Seit fünf Generationen beherbergt die Familie Forstnig Gäste in Bad Kleinkirchheim. Nun will Hotelier Jakob Forstnig ihnen helfen, sich auch nach der Abreise mehr zu bewegen, bewusster zu essen und besser mit Stress umzugehen. Dafür verbindet er die Angebote des Hotels mit Körpermessungen und persönlicher Beratung. Was macht sein neuer „Nockberge Life Compass“ anders als ein Wellnessurlaub?

„Longevity ist nicht als Begriff am Anfang der Entwicklung gestanden“, sagt Jakob Forstnig. Sondern der Hotelier hatte eine andere, konkrete Frage, als er seinen neuen touristischen Ansatz entwickelte: Wie lassen sich die Wander- und Sportangebote der Nockberge, die Hotelküche und die Erholung im Haus gezielter für die Gesundheit der Gäste nutzen? Gemeinsam mit dem Anbieter Sanochron begann er, daraus ein Angebot mit Körpermessungen, Beratung und individuell abgestimmten Aktivitäten zu entwickeln. Erst als es darum ging, diese Leistungen zusammenzufassen, kam der Begriff Longevity ins Spiel.

Weisheit im Garten des Trattlerhofs; Foto: Heiner Sieger

Forstnig führt den Trattlerhof in fünfter Familiengeneration. Ich frage ihn, was der Gast von dem neuen Angebot hat. Denn eine Körperanalyse kann zeigen, wo jemand ansetzen könnte. Sie führt aber noch nicht dazu, dass er nach dem Urlaub häufiger zu Fuß geht, anders isst oder sich Pausen gönnt. Wie will der Trattlerhof ihm dabei helfen? Dazu muss man den Trattlerhof in seiner Entwicklung verstehen.

Vom Mostausschank zum Ferienhotel

Die Hausgeschichte reicht bis 1642 zurück. Seit 1884 gehört der Trattlerhof der Familie Forstnig. Aus einem Gutshof mit angeschlossener Gaststätte mit Wein- und Mostausschank wurde schrittweise ein Ferienhotel. 1921 kamen die ersten Übernachtungsmöglichkeiten hinzu, 1937 entstand ein Hotelbetrieb mit 60 Betten. Später erweiterten die Gastgeber das Haus und bauten den Wellnessbereich aus. Jede Generation ergänzte, was Gäste suchten, ohne die Verbindung zum Hof aufzugeben.

Wie diese Entwicklung bis heute funktioniert, zeigen zwei jüngere Kapitel. So entstand zum einen unweit des Hotels das Gasthaus „Trattlers Einkehr“ aus einer Tennishütte mit einfacher Gastronomie. Für das Restaurant wurde altes Stadlholz aus St. Oswald am neuen Standort wieder aufgebaut. Seit 2017 ergänzen 14 Hof-Chalets das Hotelangebot. Heimische Betriebe errichteten sie mit Lärchen- und Fichtenholz. Das Restaurant ergänzt die Hotelküche; die Chalets bieten Gästen ein eigenes Haus mit Hotelservice.

Wandern und Meditation gehörten schon dazu

Zum anderen: Heute wandern und radeln Gäste in den Nockbergen, besuchen die beiden Thermen in Bad Kleinkirchheim oder erholen sich im Wellnessbereich des Hotels. Die Küche verarbeitet regionale Produkte. Forstnig möchte diese Möglichkeiten künftig nach dem persönlichen Bedarf der Gäste zusammenstellen. Wer sich mehr bewegen sollte, braucht eine andere Begleitung als jemand, dem vor allem Erholung fehlt.

Die Nockberge im Sommer: Foto: Michael-Stabentheiner-Kaernten-Werbung-Trattlerhof

Auch Meditation und Gespräche über seelische Gesundheit gehören schon länger zum Haus. Seit 2012 veranstaltet das Haus den „Impuls am Berg“. Aus der Zusammenarbeit mit einem evangelischen Pfarrer entstanden unter anderem Meditationen. Seit 2022 gehört Gesundheit zudem zur „Hofleute-Agenda“ für die Beschäftigten. Mitarbeiter können bei Bedarf vertraulich mit einem Psychologen sprechen. Diese Unterstützung will Forstnig nun auch Gästen zugänglich machen.

Das eigene Kraftwerk und die Hofleute

Auch den Hotelbetrieb hat die Familie verändert. Der Trattlerhof nutzt ein eigenes Wasserkraftwerk und hat seine Wärmeversorgung 2014 auf Biowärme umgestellt. Für die Küche werden saisonale Lebensmittel aus der Region und ausgewählte Produkte aus biologischem Anbau verwendet.

Forstnig verbindet den schonenden Umgang mit der Umgebung mit der Fürsorge für die Menschen im Haus. „Für mich ist immer die Sinnfrage das Wichtige“, sagt er. Bevor ein weiteres Angebot ins Haus kommt, muss er es selbst vertreten können. Das Gesundheitsangebot ergänzt den Familien- und Skiurlaub. Es steht ebenso Gästen offen, die bislang vor allem zum Genießen hierherkamen.

Der Nockberge Life Compass verbindet den Check mit dem Urlaub

Seit ungefähr einem Jahr schon entwickelt Forstnig gemeinsam mit Sanochron den „Nockberge Life Compass“. Jetzt hat er ihn ausgwählten Journalisten präsentiert. Er soll Körpermessungen, persönliche Beratung und die Angebote des Hotels so verbinden, dass der Gast weiß, wo er ansetzen kann. Wanderungen, Küche und Wellness bekommen damit eine zusätzliche Aufgabe: Der Gast soll gezielt auswählen können, was ihm hilft, und während des Aufenthalts ausprobieren, wie er seine Gewohnheiten verändert. Entscheidend ist für Forstnig, dass der Gast nach der Abreise nicht nur weiß, was ihm guttun würde, sondern auch, wie er damit anfängt.

Entspannung im Trattlerhof

Den Ausgangspunkt bildet ein Body-Mind-Soul-Scan, der etwa 75 Minuten dauert. Zum Check gehören eine Analyse der Körperzusammensetzung sowie Messungen von Griffkraft, Blutdruck und Herzratenvariabilität. Ergänzend werden Einstellungen, Belastungen und Gewohnheiten erfasst. Die Ergebnisse werden in einem persönlichen Bericht aufbereitet und im anschließenden Gespräch erläutert. Daraus entstehen Empfehlungen, die der Gast im Urlaub erproben und anschließend in seinen Alltag übernehmen kann.

Was eine Messung leisten kann

„Das Verfahren ist eine Lifestyle-Analyse, die keine medizinische Diagnose ersetzt“, erläutert Mag. Kurt Lackenbucher, Geschäftsführer der Sanochron GmbH. Die Messungen und Gespräche sollen Hinweise geben, wo der Gast ansetzen könnte. Die Unterlagen belegen jedoch nicht, dass der kombinierte Scan die künftige Gesundheit eines einzelnen Gastes vorhersagen oder die Wirkung des gesamten Hotelangebots nachweisen kann. Auch eine anschauliche Auswertung bleibt zunächst eine Bestandsaufnahme.

Kalt Baden als Gesundheitstradition im Trattlerhof; Foto: Heiner Sieger

Ich hake deshalb bei Forstnig nach: Was passiert nach dem Scan? „Du hast vollkommen recht, der Scan ist der Start“, antwortet er. Für Forstnig folgt darauf die eigentliche Arbeit: Der Gast soll im Urlaub entspannt ausprobieren können, wie er etwas verändert.

Trainer und Psychologen helfen beim Anfangen

Forstnig arbeitet dafür mit Partnern zusammen. So bietet die Sportschule Krainer unter anderem Wandern, Tennis, Wassersport, am benachbarten Millstätter See, Radfahren und Langlaufen an. Hinzu kommen Yoga, Atemübungen und psychologische Begleitung. Sanochron arbeitet zudem mit der Stress-Ärztin und Psychologin Dr. Waltraud Bitterlich zusammen, die bei einem Vortrag während meines Besuchs erklärt, wie Belastung und Erholung zusammenhängen. Bei speziellen Fragen, etwa zum Schlaf, sollen weitere Fachleute hinzugezogen werden. Die Angebote werden nach Forstnigs Darstellung auf den Bedarf der Gäste abgestimmt; das Konzept wird noch weiter ausgearbeitet.

Stress-Ärztin und Psychologin Dr. Waltraud Bitterlich; Foto: Heiner Sieger

Dabei interessiert den Hotelier besonders die Lücke zwischen Wissen und Handeln. Viele Menschen wissen durchaus, was ihnen guttun würde, bekommen es aber nicht in ihren Alltag integriert. Psychologische Gespräche sollen helfen, hinderliche Denkmuster zu erkennen und den ersten Schritt zu schaffen. Forstnig setzt auf „immer kleine Schritte“. Das Programm soll Veränderungen erleichtern, die der Gast selbst weiterführen kann.

Bewegung in der Natur statt Pflichtprogramm

Die Nockberge bieten dafür Wanderwege und Radstrecken. Wandern und Radfahren gehören zum Sommer und Herbst, Skifahren, Langlaufen und Schneeschuhwandern zum Winter. Die ortsansässige Sportschule Krainer unterstützt für unterschiedliche Altersgruppen und Leistungsstände. Das eröffnet einen einfachen Ansatz für die individuelle Begleitung: Der eine braucht eine anspruchsvollere Tour, der andere einen Einstieg, den er sich zutraut.

Die Nockberger in Kärnten sind ein Wanderparadies; Foto: Heiner Sieger
Radfahren macht in den Nockbergen richtig Spaß; Herbst-c-Gert-Perauer-Trattlerhof

Im Herbst bietet das Haus Wanderungen und Radtouren ebenso wie Angebote für Familien, Reiten und die Ponyfarm. Gäste können ausprobieren, welche Form von Bewegung ihnen Freude macht. Für den späteren Alltag ist das eine wichtigere Frage als die Zahl der Aktivitäten, die sie während einiger Urlaubstage absolvieren.

Leichtere Gerichte sollen erkennbar werden

Auch die Küche soll das neue Angebot unterstützen. Frische, Regionalität und handwerklich zubereitete Gerichte gehören nach Forstnigs Worten seit Langem zu den Grundsätzen der Küche. Nun sollen Gäste leichter erkennen, welche Speisen zu ihren Bedürfnissen passen. Aktuell habe der Trattlerhof damit begonnen, ein leichteres Gericht zu kennzeichnen, erläutert er. Eine Angabe der Kalorien ist geplant; auch auf Wünsche nach proteinreicher Kost soll die Küche eingehen können.

Leichte Kost im Trattlerhof:Rotes Fischcurry mit Wurzelgemüse und Sprossen; Foto: Heiner Sieger

Noch steht damit kein fertig ausgearbeitetes Longevity-Menü auf dem Tisch. Forstnig beschreibt einen nächsten Entwicklungsschritt. „Wir wollen nicht die Leute vom Genuss abhalten“, sagt er. Die Küche soll aber Wahlmöglichkeiten schaffen. Entscheidend wird sein, wie verständlich sie diese vermittelt und was ein Gast dabei für seine Ernährung zu Hause lernt. Regionalität allein beantwortet diese Frage nicht. Der Gast muss auch erfahren, wie er Mahlzeiten zusammenstellt, die zu seinem Bedarf passen.

Urlaub bleibt Urlaub

Wie weit darf Gesundheit in einen Hotelaufenthalt hineinreichen? Forstnig zieht die Grenze beim Charakter des Hauses. „Das Setting muss Hotel bleiben, das heißt, das muss Urlaub bleiben. Wir werden nie eine Klinik sein.“ Gäste sollen sich weder wie Patienten fühlen noch den Eindruck gewinnen, sie müssten während ihres Aufenthalts ein Programm absolvieren. Wer den Scan ausprobieren möchte, kann das tun. Wer sich intensiver mit seinen Gewohnheiten beschäftigen will, soll weitergehende Unterstützung finden.

Im Trattlerhof verbringen oft mehrere Generationen gemeinsam Urlaub. Während einer wandern geht, möchte ein anderer in die Sauna oder mit den Kindern zur Ponyfarm. Andere mieten sich einen der Bulldogs des Hotels für eine ratternde Ausfahrt mit Dieselduft oder einen Tesla für einen geräuschlosen Ausflug auf Solarstrom-Basis. Die Longevity-Beratung muss sich in diesen Tagesablauf einfügen.

Die entscheidende Veränderung folgt zu Hause

Forstnig denkt bereits über eine Rückkehr der Gäste nach drei oder sechs Monaten nach. Bei einem weiteren Scan ließen sich die Körperwerte erneut erfassen und besprechen, welche Empfehlungen der Gast umgesetzt hat. Doch was sollen Gäste überhaupt mitnehmen? Forstnig nennt das Bewusstsein für mögliche Veränderungen und eine Taktik, sie umzusetzen. „Wenn sie den Startpunkt hier haben, um zu wissen, was zu tun ist, und schon eine Taktik haben, wie sie es tun, dann ist das für uns ein großer Gewinn.“ Schon eine kleine Veränderung könne viel bedeuten. Welche genau das ist, werde von Gast zu Gast verschieden sein.

Trattlers Reitstall ist besondern bei Kindern beliebt; Foto: Gert-Perauer-Trattlerhof

Damit trifft Forstnig einen Punkt, an dem viele Gesundheitsangebote vorbeigehen. Wir wissen, dass Bewegung, Schlaf und Ernährung zählen, und schieben sie im Alltag doch wieder beiseite. Der Trattlerhof will Gästen helfen, diesen Ablauf zu unterbrechen. Die Familie hat über Generationen Betten, Wellnessräume und Chalets gebaut. Nun arbeitet Jakob Forstnig daran, was der Gast nach seiner Abreise anders machen könnte. Ob das gelingt, zeigt sich zu Hause: wenn der frühere Gast nächstens Runde tatsächlich mehr zu Fuß geht, sich bewusster ernährt oder die Pause einlegt, die sonst wieder ausfällt.

Gutshof-Stil im Trattlerhof; Foto: Heiner Sieger

Informationen für die Reise

Hotel GUT Trattlerhof und Chalets, Gegendtalerweg 1, 9546 Bad Kleinkirchheim, Kärnten.

Vier Sterne Superior. Der Body-Mind-Soul-Scan mit Sanochron kostet laut aktueller Hotelseite 298 Euro pro Person und dauert 75 Minuten. Termine werden nach Rücksprache vereinbart; weitergehende Begleitung und Leistungen sollten vor der Buchung individuell geklärt werden.

www.trattlerhof.at.

Die Gastgeberfamilie Forstnig; Foto: Gert-Perauer-Trattlerhof

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Heiner Sieger

Autor Kurzvorstellung:

Als Chefredakteur von Reise-Stories bewege ich mich aus München, so oft es der Beruf erlaubt, Richtung Berge und Meer, entdecke interessante Menschen und ihre Geschichten hinter Hoteltresen und Kochherden. Meine persönliche Leidenschaft gilt als ausgebildeter Mentaltrainer den Themen innere Gesundheit, Entspannung und Longevity.
Seit 40 Jahren Journalist, schreibe ich über aktuelle und brisante Themen in den Bereichen Digitalisierung, Wirtschaft, Gesundheit und Reise. Nach Stationen bei renommierten Tageszeitungen und Magazinen in Deutschland und der Schweiz bin ich heute hauptberuflich beim WIN-Verlag in der Vogel Communications Group Chefredakteur der Magazine Digital Business und e-Commerce-Magazin.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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