Goldene Dächer und leise Wasser in Vilnius und Trakai

Erlebnisse zwischen Barock und Bernstein


Wer sich aufmacht, die baltischen Staaten zu besuchen, tut dies meist in einer Rundreise, in der jeder der drei Länder Litauen, Lettland und Estland 2 Tage zugedacht sind. Es geht aber auch anders. Denn jedes der Länder hat durch seine Einzigartigkeit so viel zu bieten, dass man sie auch einzeln besuchen und sich intensiv den wichtigsten Sehenswürdigkeiten widmen kann. Litauens Hauptstadt Vilnius allein und in Verbindung mit der nur 30 Kilometer entfernten Wasserburg Trakai füllen ein ganzes Wochenende, um sich genauer mit der leichten litauischen Lebensart auseinanderzusetzen.


Ankunft in einer Stadt, die wie aus Licht gebaut scheint


Vilnius empfängt ihn nicht mit Posaunen, sondern mit einem stillen Leuchten. Die litauische Hauptstadt wirkt auf den ersten Blick beinahe bescheiden, doch schon nach wenigen Schritten öffnet sie ihre Schichten: gotisch, barock, klassizistisch, jüdisch, polnisch, litauisch, bohemisch, studentisch, fromm und ein wenig widerspenstig. Wer hier ankommt, spürt rasch, dass diese Stadt nicht laut sein muss, um zu beeindrucken. Eine würdige Unterkunft mitten in der Innenstadt, mit fast imperialem Charakter und barock ausgestalteten Räumen, setzt für diesen Aufenthalt den passenden Ton: Man betritt sie wie ein kleines historisches Versprechen, als würde der Abend schon beim Eintreten mit Samt über die Schultern gelegt. Vilnius selbst wird von Go Vilnius als „enchanting capital“ beschrieben, als Stadt, in der mittelalterliche und moderne Elemente ganz selbstverständlich nebeneinanderstehen.


Kathedralenplatz und das Herz des alten Vilnius


Der erste Weg führt ihn dorthin, wo Vilnius seinen feierlichen Pulsschlag offen zeigt: zum Kathedralenplatz. Hier liegt die Kathedrale des heiligen Stanislaus und des heiligen Ladislaus, das wichtigste katholische Heiligtum Litauens, und direkt daneben die Geschichte des großfürstlichen Schlosses, der Valdovų rūmai, die einst politisches, diplomatisches und kulturelles Zentrum des Großfürstentums Litauen waren und nach langer Zerstörung erst wieder im 21. Jahrhundert auferstanden sind. Der Platz wirkt nicht museal, sondern lebendig; Tauben kreisen über dem Stein, Menschen sitzen am Rand der Wege, und die Fassaden erzählen mit ruhiger Stimme von Macht, Glauben und Neubeginn. Für den Reisenden ist das ein Auftakt, der zugleich staatsmännisch und poetisch wirkt.


Unterwegs durch die Altstadt wie durch ein offenes Geschichtsbuch


Von hier aus beginnt die Stadtführung zu Fuß, und Vilnius entfaltet sich Schritt für Schritt wie ein kostbares Manuskript. Die Universität Vilnius mit ihren Innenhöfen, Arkaden und Fassaden erscheint als gelehrter Kosmos im Herzen der Altstadt; die St.-Anna-Kirche wiederum steht wie eine Miniatur aus rotem Backstein und ist eine der bekanntesten spätgotischen Kirchen des Landes. Gleich daneben liegt die Bernhardinerkirche, die gemeinsam mit dem Klosterensemble den Blick in die Tiefe der litauischen Sakralarchitektur lenkt. Zwischen diesen Punkten sind die Wege kurz, aber die Eindrücke groß: Pflastersteine, alte Mauern, Innenhöfe, Stille hinter schweren Toren und immer wieder diese überraschende Leichtigkeit, als würde die Stadt ihre Geschichte nicht tragen, sondern tanzen. Go Vilnius hebt die Universität, die St.-Anna- und Bernhardinerkirche ausdrücklich als markante Bausteine des historischen Zentrums hervor.

Literaten-Gasse und das sanfte Künstlerviertel Užupis


In der Literaten-Gasse wird es persönlicher, fast zärtlich. Die kleinen Kunsttafeln an den Wänden ehren Autoren, Dichter und kulturelle Weggefährten, und der Spaziergang verliert für einen Moment jede Eile. Danach lockt Užupis, das selbsternannte Künstlerreich jenseits des Flusses, mit Ateliers, Cafés, Wandmalereien und jener charmanten Unberechenbarkeit, die man nur in Vierteln findet, in denen die Fantasie einen amtlichen Ausweis zu haben scheint. Užupis ist kein aufpoliertes Viertel, sondern eine Haltung: leicht ironisch, frei, verspielt, aber nie ohne Ernst im Hintergrund. Offizielle Vilnius-Quellen nennen Užupis als einen der beliebtesten Orte der Stadt und beschreiben es als ein Viertel mit kreativen Installationen, Boutiquen und einer eigenen Atmosphäre.


Das jüdische Viertel, Glasbläserkunst und die Erinnerung an frühere Bewohner


Besonders eindrucksvoll ist der Gang durch das jüdische Viertel, das in Vilnius nicht nur Vergangenheit ist, sondern sichtbare Gegenwart. Auf den Fassaden begegnen ihm Wandbilder ehemaliger Bewohner, als würden die Gesichter des Viertels noch einmal aus dem Stein hervortreten und in die Gegenwart sprechen. In der alten Judenstadt und im sogenannten Glasviertel, wo einst Goldschmiede, Glasbläser und Kunsthandwerker tätig waren, lebt diese Erinnerung weiter. Go Vilnius beschreibt den Glass Quarter als einen Ort, an dem jüdisches Erbe und Handwerkskunst zusammenkommen; eine andere offizielle Publikation erinnert daran, dass in diesem Bereich einst die jüdische Gemeinde angesiedelt wurde und dass sich hier Kunsthandwerk, insbesondere Glas und Schmuck, konzentrierte. Die Glasbläserkunst passt wunderbar zu Vilnius: zerbrechlich und präzise, durchsichtig und doch voller Farbe.


Tor der Morgenröte und die stille Macht der Madonna


Ein Höhepunkt des Rundgangs ist das Tor der Morgenröte, Aušros Vartai, mit der schwarzen Madonna, die als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Stadt gilt. Hier wird Vilnius fromm und feierlich, ohne seine Offenheit zu verlieren. Das Tor ist das letzte erhaltene Stadttor der ehemaligen Befestigung, und über der Straße liegt jene Mischung aus Andacht und Alltag, die besonders eindrücklich wirkt, wenn Pilger eintreffen und der Verkehr nur wenige Schritte entfernt weiterfließt. Die offizielle Stadtinformation betont die starke Pilgertradition dieses Ortes; zugleich verweist sie darauf, dass hier Gottesdienste auch auf Polnisch gehalten werden und der Ort für viele polnische Besucher von besonderer Bedeutung ist. Für den Reisenden ist dies einer jener Plätze, an denen Geschichte nicht erklärt werden muss, weil sie in der Luft hängt.


Eine Pause mit Geschmack: von Halės Turgus bis zu den typischen Spezialitäten


Wenn der Stadtbummel eine Pause verlangt, findet er in Vilnius reichlich kulinarische Zuflucht. Halės Turgus, die historische Markthalle, verbindet alte Markttradition mit neuer Genusskultur und ist damit genau der richtige Ort für einen Zwischenstopp. Auf dem Tisch landen dann die typischen litauischen Spezialitäten: Cepelinai, diese sättigenden Kartoffelklöße mit Fleisch oder Quark, Šaltibarščiai, die kalte, rosa leuchtende Rote-Bete-Suppe, die an warmen Tagen fast wie ein Sommermärchen schmeckt, und zum süßen Abschluss Šakotis, das baumkuchenartige Gebäck, das nicht nur schmeckt, sondern auf dem Teller fast schon wie ein kleines Fest wirkt. Das Tourismusportal von Vilnius beschreibt die Markthalle als einen der ältesten Marktorte der Stadt, und in seinen Food-Guides erinnert es daran, dass gerade diese klassischen Gerichte den Charakter der litauischen Küche wunderbar auf den Punkt bringen.


Bernstein als Mitbringsel und die Kunst des kleinen Kostbaren


Wer schließlich nach einem Mitbringsel sucht, findet in Vilnius eine Antwort, die alt, warm und unwiderstehlich ist: Bernstein. Das wichtigste und vielseitigste Souvenir ist hier ohne Zweifel Bernstein-Schmuck, der in vielen Werkstätten, Galerien und kleinen Läden der Altstadt in allen Schattierungen leuchtet. Go Vilnius widmet dem baltischen Gold eigene Einkaufsseiten und beschreibt Bernstein als Geschenk der Ostsee, als Stück Naturgeschichte und als Schmuck, der bis heute seinen Zauber behält. Ein einzelnes Schmuckstück kann dabei mehr erzählen als manches Buch: von Küste, Sonne, Harz, Meer und der langen Geduld der Zeit.


Ein kurzer Blick in die Geschichte Litauens, Polens und Deutschlands


Zwischen den Spaziergängen tritt die Geschichte von selbst an seinen Tisch. Litauen entsteht aus baltischen Stämmen und wächst im Mittelalter zu einem Großfürstentum heran, das über lange Zeit eine bedeutende Macht in Ostmitteleuropa ist. Die Christianisierung im späten 14. Jahrhundert und die enge Verbindung mit Polen prägen das Land tief; die Union von Lublin 1569 macht die polnisch-litauische Staatengemeinschaft zu einem der großen politischen Räume Europas. Zugleich bildet der Druck des Deutschen Ordens einen wichtigen historischen Hintergrund: Die Auseinandersetzungen mit diesem vom deutschen Raum getragenen Ritterorden gehören ebenso zur Geschichte des Landes wie die späteren Verflechtungen mit Polen. In Vilnius bleiben diese Jahrhunderte nicht abstrakt, sondern sichtbar: in Kirchen, in der Kathedrale als Symbol der Taufe Litauens, in den Spuren jüdischen Lebens und in der Präsenz polnischer Erinnerung am Tor der Morgenröte.


Am nächsten Tag: Trakai und die Wasserburg im See


Am folgenden Tag wechselt die Szenerie fast märchenhaft. Nur wenige Kilometer von Vilnius entfernt liegt Trakai, und auf einer Insel im Galvė-See erhebt sich die Wasserburg wie aus einem mittelalterlichen Traum. Die Festung aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den eindrucksvollsten Wehrbauten des Landes; Go Vilnius und das Trakai-Tourismuszentrum beschreiben sie als Meisterwerk mittelalterlicher Verteidigungsarchitektur und als einzige Wasserburg in Osteuropa. Über die Holzbrücken nähert er sich der roten Silhouette, die sich im Wasser spiegelt und bei jedem Wetter ein wenig anders wirkt: im Morgenlicht streng, am Nachmittag warm, im Abendglanz fast feierlich entrückt. Der See selbst lädt zum Bootfahren, Paddeln, Segeln, Baden oder einfach zum stillen Blick auf die Burg ein. Trakai ist nicht nur ein Ausflugsziel, sondern eine kleine Bühne für Wasser, Stein und Zeit.


Kibinai, karäische Tradition und die Leichtigkeit des Sees


Zur Burg gehört der Geschmack von Trakai: Kibinai, jene von den Tataren beziehungsweise Karäern mitgebrachten Teigtaschen, gefüllt mit Fleisch oder Pilzen. Sie sind nicht bloß eine Spezialität, sondern ein kulturelles Zeichen einer Minderheit, die ihre Traditionen seit dem Spätmittelalter bewahrt hat. Während er am Ufer sitzt und das Wasser über den Galvė-See schimmert, schmecken die Kibinai nach herzlicher Schlichtheit und nach einer Geschichte, die nicht laut erzählt werden muss, um lange nachzuwirken. Wer mag, verbringt den Rest des Tages auf dem See, beobachtet Segelboote oder lässt die Burg vom Boot aus an sich vorbeiziehen. Trakai ist ein Ort, an dem sich mittelalterliche Festigkeit und sommerliche Leichtigkeit auf wunderbar natürliche Weise umarmen.


Ein Wochenende, das länger nachhallt


So verdichtet sich dieses verlängerte Wochenende zu einer Reise voller Schichten und Stimmungen: Vilnius als Stadt der Türme, Höfe, Märkte und Erinnerungen; Trakai als Wasserburg inmitten eines stillen Sees; dazwischen Essen, Kunsthandwerk, Glaube und ein leiser Stolz, der überall spürbar ist, aber nie aufdringlich wird. Der Reisende kehrt nicht mit dem Eindruck zurück, ein Reiseziel abgehakt zu haben, sondern mit dem Gefühl, etwas Kostbares berührt zu haben: eine Hauptstadt, die sich mit jedem Schritt öffnet, und eine Burg, die im Wasser schwebt wie ein Versprechen aus alter Zeit. Wer noch weitersehen will, denkt schon im Abschied an den Berg der Kreuze, an die kurische Nehrung mit ihrem windgezeichneten Dünenlicht und an Kaunas, jene weitere, ganz eigene litauische Stadterzählung. Litauen bleibt damit nicht nur Erinnerung, sondern Einladung — ein Land, das zwischen Ostsee, Seen und Jahrhunderten so glänzt, als hätte jemand sein Licht sorgfältig poliert.


Kurz notiert

Wie kommt man hin?

Der schnellste Weg nach Litauen führt mit dem Flugzeug in das Land. Zahlreiche Billigfluglinien bringen den Besucher in nur 1,5 Stunden aus Deutschland nach Vilnius. Zum Beispiel ab Dortmund oder Memmingen mit einer bekannten, ungarischen Billigfluglienie

Unterkunft

Stilvoll und hocklassig wohnt man im Hotel Imperial im Herzen der Altstadt in barockem Ambiente.

Restaurants

Gut und regional speist man in historischem Gewölbe im Bernelių Užeiga Restaurant

Transport

nach Trakai gelangt man am besten mit einem ortskundigen Taxfahrer der auch vom Flughafen abholt, ein zuverlässiger Dienst ist der 1820 Premium Transfer und hier der Fahrer Donatas mit der Nr. +379 650 621 44, Donatas gibt während der Fahrt auch touristische Auskünfte.

Stadtführungen und weitere Auskünfte bietet das Fremdenverkehrsamt Vilnius, das diese Reise unterstützt hat

MEHR STORIES

Glamping am Gardasee verbindet stilvolle Design-Unterkünfte, transparente Bubble-Suiten und mediterrane Natur zu einem außergewöhnlichen Urlaubserlebnis. Dazu kommen Verona, Salò, Limone ... Weiterlesen

Mailand in drei Tagen entdecken: Wer die lombardische Metropole über ihre Kulinarik entdeckt, erhält zugleich zu ihrer Seele. Zwischen Aperitivo, ... Weiterlesen

Booking.com

Mehr entdecken aus:

Zurück zu:

Philip Duckwitz

Autor Kurzvorstellung:

Der „Journeylist“ Philip Duckwitz arbeitet als freier Journalist und Autor in Remscheid, vormals in Köln. Auf seinen Reisen um den Erdball, die er am liebsten in wenig bekannte Länder und Regionen unternimmt, öffnet er seinen Lesern Türen zu unerschlossenen Blickwinkeln. Bekanntes neu entdecken und Neues bekannt zu geben, unter dieser Prämisse reist der Journeylist auf der Suche nach den Schätzen dieser Welt und berichtet darüber, um seine Leser für einen einzigartigen Urlaub in der Ferne zu begeistern.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

INTERESSANT FÜR SIE

Tipp_Restaurant_Hotel_finden

Keine Reisetipps mehr verpassen? Abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter! Entdecken Sie als Local oder auf Reisen die besten Restaurants, Bars, Hotels, Events oder Freizeitaktivitäten!

Ich stimme den Datenschutzbedingungen zu.