Top 10: Auszeit in Rotenburg an der Fulda

Nordhessen wird gern unterschätzt. Dabei ist im Flusstal der Fulda ein echtes Juwel zu finden: Rotenburg an der Fulda bezaubert mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, Schloss und alter Stadtmauer. Spaßfaktor bietet die Fußgänger-Hängebrücke in den umliegenden Wäldern. Nur vierzig Bahnminuten von Kassel-Wilhelmhöhe entfernt, erweist sich das 13.000-Einwohner-Städtchen als perfektes Ziel für eine kurze Auszeit. Diese zehn Sehenswürdigkeiten sollte man nicht verpassen!

“Fachwerkzeile, Fuldabrücke” (c) Stefan Bochenek / EMF

1 Fachwerk-Altstadt

Rotenburg an der Fulda hat eines der schönsten Fachwerk-Ensembles Deutschlands. In den Gassen drängen sich mehr als 350 Fachwerkhäuser aneinander. Die Holzbalken leuchten in Ochsenrot, Taubenblau, Olivgrün oder Ocker. Viele Häuser tragen farbenfrohe Ornamente und verzierte Giebel. Am Marktplatz steht das dreigeschossige Renaissance-Rathaus mit markantem Fachwerkgiebel. Die Altstadt wird von der historischen Stadtmauer umringt, aus deren Teilen heute noch der düstere Hexenturm aufragt, einst Wachturm und Gefängnis.

2 Schloss

Das landgräfliche Schloss entstand um 1600 als Vierflügelanlage. Drei Flügel sind erhalten, im Stilgemisch von Renaissance, Barock und Klassizismus. Heute sitzt hier die Landesfinanzschule Hessen; im einstigen Gesinde-Quartier ist das Heimatmuseum untergebracht. Der Schlosspark gleicht einem englischen Landschaftsgarten. Am Schlossteich sitzt der „Froschkönig“ mit seiner kleinen goldenen Krone. Die Bronzeskulptur zeugt vom Verlauf der Deutschen Märchenstraße durch Rotenburg.

3 Stiftskirche

Das Stadtbild prägt die gotische Stiftskirche St. Maria und Elisabeth mit ihrem markanten Doppelturm. In einer unterirdischen Gruft sind Landgraf Hermann IV. von Hessen-Rotenburg und seine Gemahlin begraben. Ein Meisterwerk ist die weithin gerühmte, moderne und zugleich vollmechanische Noeske-Orgel.

4 Highwalk

Ende 2024 wurde der Highwalk eröffnet. Deutschlands zweitlängste Hängebrücke spannt sich mehr als 600 Meter über das Kottenbachtal – in bis zu 60 Metern Höhe über dem Erdboden. Man läuft über Stahl-Gitter. Blicke nach unten sind mit Nervenkitzel verbunden, zumal die Brücke auch spürbar schwankt. Besser schaut man in die Ferne, über die Dächer von Rotenburg und das Fuldatal.

5 Waldbaden

Wem beim Gedanken an das Betreten der Hängebrücke mulmig wird, kann vorher beim Waldbaden seinen Blutdruck senken. Dafür hat die Stadt auf einer Lichtung das „Waldbadezimmer“ eingerichtet. Auf Holzliegen, unter alten Buchen und Eichen, kann man hier bewusst entschleunigen. Zertifizierte Kursleiter bieten angeleitetes Gruppen-Waldbaden mit Achtsamkeitsübungen an. Beim Gang auf die Hängebrücke bleibt man dann tiefenentspannt.

6 Ahle Wurscht

Die Nordhessen sind stolze Wurstesser. Im Mittelpunkt der hiesigen Kulinarik steht die Ahle Wurscht („alte Wurst“). Die luftgetrocknete Rohwurst aus schlachtfrisch verarbeitetem Schweinefleisch reift monatelang in Lehm-Gemäuern, bei natürlicher Luftzirkulation. In Rotenburgs Nachbardorf Alheim stellt Familie Häde diese traditionelle Spezialität her. Viehhaltung, Getreideanbau, Schlachten, Verarbeitung und Direktverkauf – alles findet auf dem eigenen Hof statt.

7 Bier und Sushi

In Rotenburg an der Fulda lässt es sich wunderbar schlemmen. Am Marktplatz lockt „Nori“ mit spektakulären Sushi-Inszenierungen. Die bodenständige und gemütliche „Biermanufaktur“ in der einstigen Orangerie des Schlosses bietet selbstgebrautes Bier und Hausmannskost. Für eine schnelle Currywurst bei toller Aussicht geht es zum „Imbiss zur alten Fuldabrücke“, direkt am Flussufer.

8 Fulda-Radweg

Der Fulda-Radweg zieht 250 Kilometer durch Hessen. Er schmiegt sich an die Fulda und führt fast ohne Steigungen durch das Flusstal; zwischen Wiesen, kleinen Fachwerk-Dörfern und bewaldeten Höhen. Den naturbelassenen Flusslauf säumen Weiden, Schilfgürtel und Altarme. In Rotenburg an der Fulda hat man das Südufer neu gestaltet. Der Fulda-Radweg ist hier frisch asphaltiert; es gibt Sitztreppen am Wasser und eine neue Kanu-Anlegestelle.

9 Kloster Haydau

In Morschen, 13 Kilometer flussabwärts von Rotenburg, führt der Fulda-Radweg direkt durch das Gelände des Klosters Haydau. Im 13. Jahrhundert von Zisterzienser-Nonnen gegründet, diente das Kloster nach der Reformation den Landgrafen von Hessen-Kassel als Jagdschloss; später wurde es ein landwirtschaftlicher Betrieb. Die frühgotische Marienkirche und der barocke Schlosspark mit seiner Tuffsteingrotte sind frei zugänglich. Nur bei Führungen kann man den Kreuzgang, die historische Orangerie und den prunkvollen Engelsaal mit seiner himmlischen Deckenmalerei besichtigen.

10 Ausflug nach Melsungen

Zwei Stündchen rollt man auf dem Fulda-Radweg gen Norden – dann kommt Melsungen, ein weiteres Fachwerk-Paradies. Die alten Häuser umringen das dreigeschossige Rathaus, einen spätgotischen Prunkbau aus kunstvoll verziertem Fachwerk. Im Dachtürmchen erscheint zweimal täglich eine geschnitzte Holzfigur mit einer Axt. Das ist der Bartenwetzer, das Wahrzeichen der Stadt. In Melsungen lebten einst viel Holzfäller. Bevor sie morgens in den Wald gingen, trafen sie sich an der Fulda-Brücke, um ihre Barte (mittelhochdeutsch: Axt) zu wetzen. Die Schleifspuren im weichen Sandstein der Brüstung sind heute noch zu sehen.

Hotel-Tipp:

Das Göbel’s Hotel Rodenberg ist ein Vier-Sterne-Sterne-Haus, das auf dem Rodenberg oberhalb von Rotenburg an der Fulda steht. Die Anlage bietet einen herrlichen Panoramablick über das Fuldatal und die historische Altstadt. Von hier läuft man zehn Minuten zum Einstieg der Hängebrücke.

Titelbild: „Fulda-Radweg / Fachwerkzeile Rotenburg“ © Stefan Bochenek / EMF (Erlebnisregion Mittleres Fuldatal / Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg)

weitere Fotos: Antje Rößler (sofern am Bild nicht anders angegeben)

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Antje Rößler

Autor Kurzvorstellung:

Antje Rößler reist gern und liebt die Schönen Künste. Beides verbindet sie in ihrer Tätigkeit für diverse Tageszeitungen und Magazine: von der „Süddeutschen Zeitung“ über das America Journal bis zum Forum Magazin. Sie lebt in Berlin und in der Uckermark – abgesehen von ausgedehnten Winter-Aufenthalten in tropischen Gefilden. Sie hat an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Soziologie und Philosophie studiert. Ein Auslandsjahr verbrachte sie mit einem Fulbright Stipendium in Kansas City. Sie war mehrfach Stipendiatin der German Studies Association. Als Musik-Expertin arbeitet Antje nun regelmäßig für Fachmagazine wie „Das Orchester“ oder „neue musik zeitung“ und lehrte Music History am Nazareth College (New York). Ihr neues Buch handelt von der Musikstadt Meiningen (Thüringen).

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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