Kappl? Wer vom Paznauntal hört, denkt unweigerlich an das exklusive Ischgl mit seinem berühmten Aprés-Ski und eine der größten Skiregionen Europas. Doch neun Kilometer talaufwärts liegt ein Ort, der beweist, dass Größe nicht nur an Pistenkilometern hängt. Kappl, idyllisch und familienfreundlich, hat sich in den letzten Jahren zum Freeride-Spot entwickelt. So war es nur konsequent, dass die YETI FIS Freeride Junior World Championships hier im Januar 2026 eine Bühne fand.
Auf dem Weg durchs Paznauntal Richtung Ischgl kann es einem leicht passieren, dass man das kleine und noch immer authentische Bergdorf Kappl unbemerkt passiert. Der Ort liegt etwas versteckt oberhalb der Hauptstraße und hat sich seinen traditionellen Charakter weitgehend bewahrt. Kleine, traditionell gebaute Häuser, mehrere Kapellen und weite Almflächen bestimmen das Ortsbild. Die Menschen pflegen lokale Bräuche und herzliche Gastfreundschaft. Kappl ist auch Ausgangspunkt für das Jakobsweg-Netz und bietet mit seinen gepflegten Wanderwegen im Sommer zahlreiche Gipfeltouren und Almbesuche.
Wer an Kappl vorbeifährt, der verpasst etwas
Doch Kappl hat auch eine andere Seite: Im Winter ist das Skigebiet mit 42 Pistenkilometern, zehn Liftanlagen und einer Höhenspanne von 1.180 bis 2.690 Metern durchaus eine Alternative zu bekannteren Skiareas und garantiert auch im unteren Bereich eine verlässliche Schneesicherheit. Seit der Wintersaison 2025/26 ersetzt eine moderne 10-Personen-Seilbahn die alte Diasbahn und sorgt für eine größere Kapazität und mehr Komfort ins Skigebiet. Die Gondeln waren zuvor bei der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim im Einsatz und bieten den Gästen einen fantastischen Panoramarundblick.


Wer in die Skischaukel Kappl kommt – das gegenüberliegende Gebiet See ist im Skipass inbegriffen – sucht keine anonymen Massenabfahrten, sondern eine überschaubare, familienfreundliche Atmosphäre. Von einfachen Anfängerpisten bis hin zu anspruchsvollen Strecken für erfahrene Skifahrer ist für jeden etwas dabei. Besonders beliebt ist beim Nachwuchs der Sunny Mountain Erlebnispark, ein auf 25.000 Quadratmetern speziell für Kinder gestalteter Bereich mit Skikarussell, Torbögen, Wellenhang und vielem mehr, in dem sie spielerisch das Skifahren erlernen können.
Kappl als Austragungsort der FIS Freeride Junior World Championships
Seit einigen Jahren hat Kappl allerdings eine neue Fangemeinde gewonnen: die Freerider. Auch hier positioniert sich das Skigebiet nicht als Ort der Superlative sondern als sympathischer Geheimtipp mit viel Platz, wenig Stress und vielseitigem Gelände. Einsteiger oder erfahrener Freerider finden hier kurze Zustiege, schnelle Laps und Powderhänge, die oft länger unverspurt bleiben als in den großen Nachbar-Skigebieten.
Die zahlreichen Vorteile haben in diesem Jahr auch die FIS Freeride Junior World Championships nach Kappl gelockt. Aufgrund von Schneemangel und zugleich erhöhtem Lawinenrisiko – eine gefährliche Mischung – führte die Route nicht über die normalerweise favorisierte Quellspitze.

Stattdessen war die Alblittköpfe-Nordwand auf 2.720 Metern Höhe, mit Hangneigungen bis zu 40 Grad, technischem Gelände und kreativen Linienoptionen, Austragungsort und stellte höchste Anforderungen an die 67 Rider aus 13 Nationen.
Bei strahlendem Sonnenschein und vor begeistertem meist jugendlichem Publikum war die Atmosphäre mitreißend. Die Bewertung erfolgte nach fünf Kriterien – Linienwahl, Air & Style, Kontrolle, Flüssigkeit und Technik – und machte deutlich, dass Freeride hier nicht als Nervenkitzel-Sport gesehen wird, sondern als eine Disziplin mit eigener Ästhetik, Präzision und natürlich viel Fun.

Vier neue Weltmeister – und ein österreichischer Heimsieg
Die Ergebnisse sprachen für sich. Jana Hausl aus Österreich gewann den Titel im Ski Damen und damit ihre zweite Junioren-WM nach 2024. Auf heimischem Schnee zeigte sie einen dominanten Run mit zwei sauberen 360-Grad-Drehern und großen, selbstbewussten Sprüngen. Vor begeistertem österreichischem Publikum war die Szene ein emotionaler Höhepunkt des Wettkampftages.
Im Ski Herren holte sich Hamish Henderson aus Neuseeland den Titel – mit einem der stärksten Runs des gesamten Events. Er war der erste Wettkämpfer, der einen sauberen 720 landete, und überzeugte die Jury mit einem flüssigen Commitment zur größten Klippe der Nordwand.




Auch im Snowboard zeigte sich eine breite internationale Streuung: Elly Dalton-Richard aus Frankreich gewann bei den Damen mit einem selbstbewussten, wirkungsvollen Run und dem größten Cliff Drop ihrer Kategorie. Ergänzt wurde dies durch schnelle, gut getimte Windlip-Sprünge. Trotz stark zerfahrener Bedingungen spielte sie ihre Boardercross-Erfahrung aus und nutzte Tempo und Größe zu ihrem Vorteil.
Leo Thoresen aus Norwegen siegte bei den Herren mit einer nahezu perfekten Kombination aus einem Backside 360, einem soliden Cliff Drop und einem abschließenden 360 mit Grab – eine der komplettesten Snowboard-Abfahrten des Tages.
Mehr als Skifahren: Was Kappl im Winter bietet
Wer für die WM-Tage nur als Zuschauer nach Kappl reiste, fand auch abseits der Piste genug Unterhaltung, um zu bleiben. So bietet die Rodelbahn – mit sechs Kilometern eine der längsten in der Region – eine rasante Fahrt ins Tal, die nicht nur Kinderaugen leuchten lässt. Für die Älteren wird einmal wöchentlich zudem ein Nachtrodeln unter Flutlicht geboten.

Darüber hinaus stehen rund um Kappl über 20 Kilometer markierte Winterwanderwege zur Verfügung, die entlang von Berghängen mit traumhaften Aussichten auf die Tiroler Alpen locken. Geführte Schneeschuhwanderungen lotsen Touristen durch verschneite Wälder zu verborgenen Highlights. Wer es etwas wilder will: Eisklettern an gefrorenen Wasserfällen ist dank erfahrener Guides auch für Anfänger zugänglich.
Fazit: Der kleine Bruder von Ischgl wird erwachsen
Was Kappl mit der Freeride Junior WM gezeigt hat, geht über den sportlichen Erfolg hinaus. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ein familienfreundliches Skigebiet auch erfolgreicher Schauplatz einer internationalen Veranstaltung sein kann. Die 67 jugendlichen Wettkämpfer in der Nordwand der Alblittköpfe, darunter vier frisch gebackene Weltmeister, haben bewiesen, dass Kappl die neue Freeride-Destination ist. Und dass alpine Qualität nicht zwangsläufig mit Massen-Skizirkus verbunden sein muss. Manchmal reicht es einfach, die richtigen Menschen an den richtigen Berg zu bringen – der Rest ergibt sich von selbst.


Weitere Informationen über Kappl im Paznauntal:
https://www.freerideworldtour.com/junior
https://www.kappl.com/de/winter
Das Skigebiet Kappl
- Lage: Paznaun, Tirol (Österreich).
- Höhenlage: ca. 1.175 m – 2.690 m.
- Pistenlänge: 42 km
- Pisten nach Schwierigkeitsgrad:
• Leicht (blau): 10 km
• Mittel (rot): 27 km
• Schwer (schwarz): 8 km - Lifte & Bahnen: 10 Anlagen (Gondel, Sessel, Schlepper, Förderbänder).
- Vertikaler Höhenunterschied: ca. 1.500 Höhenmeter
Highlights & Pisten
- Längste Abfahrt: Lattenabfahrt – rund 8 km Länge und über 1.000 Höhenmeter
- Skirouten: mehrere Routen abseits der präparierten Pisten
- Snowpark: Funpark „Alblitt“ für Freestyle-Fahrer
- Kinder & Familien: Kinderland, Sunny Mountain Erlebnispark und Übungshänge
Freeridegebiet Kappl
- Freeride-Gelände direkt von den Bergstationen zugänglich
- Varianten für Einsteiger und Fortgeschrittene vorhanden
- Gelände bietet offene Powderhänge und kurze Zustiege
- Gute Orientierung entlang markierter Skirouten verbessert Sicherheit
Skischaukel Kappl & See
- Kappl ist Teil der Skischaukel Kappl & See mit über 80 km Pisten kombiniert
- Gemeinsamer Skipass und kostenlose Busverbindung zwischen Kappl und See
Infrastruktur & Besonderheiten in Kappl
- Neue Dias-Gondelbahn 10er bringt Komfort und Kapazität ins Skigebiet
- Schneesicherheit durch hohe Lage und Beschneiung
- Zahlreiche Bergrestaurants und Hütten auf unterschiedlichen Höhen



