Wohlfühlinseln und wilde Wasser

Die Kultur- und Naturlandschaft am Bodensee
lockt mit zahlreichen Sinnesimpulsen.

Viele Besucher kennen die Qual der Wahl, wohin genau soll es gehen, welcher Stadt und welcher Region rund um den Bodensee gibt man den Vortritt. Überlingen, Meersburg, Lindau oder Bregenz sind allesamt attraktiv. Doch wir wählen diesmal die Seemetropole Konstanz, denn sie bietet für uns den perfekten Start, um im westlichen Teil des Sees die Halbinsel Höri zu entdecken und von da aus den Rheinfall bei Schaffhausen zu besuchen. Sozusagen Stadt- und Landluft schnuppern und das Naturereignis Rheinfall erleben.

 

Tosender Rheinfall bei Schaffhausen (Foto Eva-Maria Mayring)

Bei herrlichem Sonnenschein bummeln wir zunächst durch die Altstadt von Konstanz und bewundern die ausdrucksvollen Wandgemälde an den Häuserfassaden. Das Hotel Zeppelin ist hierfür ein markantes Beispiel, das als historistisches Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert reich verziert und farbenfroh bemalt das Stadtbild schmückt. 

 

 

Das Hotel Graf Zeppelin in Konstanz (Foto Eva-Maria Mayring)

 

Als besonderer Hingucker präsentiert sich auch das Rathaus. Einst ein Zunfthaus der Leinweber „Zur Salzscheibe“ (1549-92), diente es einer Lateinschule und später sogar als Staatskanzlei. Im Jahr 1847 wurde es das Rathaus von Konstanz. Das stattliche Gebäude im Stil der italienischen Renaissance vereint spätmittelalterliche Bauformen wie die flankierenden Ecktürme und wurde von Ferdinand Wagner 1864 mit Historienmalerei dekoriert. Farbenfrohe allegorische Figuren, Szenen und Personen erzählen bilderreich die Stadtgeschichte.

Vorbei an lauschigen Plätzen, bunten Marktständen und durch enge, winkelige  Gässchen geht es dann in Richtung Hafen, wo uns stolz und überlebensgroß die Statue „Imperia“ begrüßt.

 

„Die Imperia“-Figur von Peter Lenk am Hafen von Konstanz (Foto Eva-Maria Mayring)

 

Der Bildhauer Peter Lenk hat diese erotische, nur leichtbekleidete Figur 1993 neun Meter hoch und 18 Tonnen schwer in Beton geschaffen. Er wollte damit satirisch an das Konzil von Konstanz (1414-1418) erinnern, das in die Geschichte einging und nach langem Ringen Fortschritte für die Einigung innerhalb der Kirche brachte. Denn mit der Einberufung der kirchlichen und weltlichen Mächte konnten die zerrütteten Zustände zwischen Kaiser und Papst beigelegt werden. Der Bildhauer Peter Lenk, ein unermüdlicher Kritiker, der Verfehlungen und Missstände anprangert und in seiner Sprache deutlich werden lässt. Die „Imperia“, heute das Wahrzeichen von Konstanz, weist unmissverständlich auf die moralische Schwäche der Kirche und des Staates hin, indem Lenk symbolisch zwei nackte Männchen mit Reichsapfel oder Tiara in die Hände der „Imperia“ platziert und somit tatsächliche Machtverhältnisse offensichtlich macht.

 

Die „heilige Insel“ 

Auf der größten, bewohnten Bodenseeinsel Reichenau, seit 1883 mit einer prächtigen Pappelallee vom Festland erreichbar, hört man nichts von der umtriebigen Lärmkulisse aus der Stadt, hier herrscht ländliche Idylle. Nur die Bienen summen fleißig rund um die Lavendelblüten und auf den Feldern wachsen üppige Salatstauden und andere zahlreiche Gemüsesorten. Bei unserem Rundgang über die Insel entdecken wir in Niederzell die in aller Stille und Abgeschiedenheit gelegene Kirche von St. Peter und Paul, die einst mit St. Maria und Markus und St. Georg zu den bedeutendsten Benediktinerabteien gehörten. Als Klosterzell im 8. Jahrhundert gegründet wurde, zählten dort bis zum 11. Jahrhundert mindestens 20 Kirchen und Kapellen zu den geistigen Zentren des Abendlandes. Die drei noch bestehenden romanischen Stiftskirchen wurden 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. St. Peter und Paul lässt noch heute ihr romanisches Erbe erkennen, obwohl Brände und darauffolgende bauliche Veränderungen den Bau auch stilistisch prägten.

 

St. Peter und Paul ( Foto Eva-Maria Mayring)

 

Hermann Hesse auf der Höri 

Wir bleiben am Untersee und begeben uns auf die Halbinsel Höri, die als eine gelungene Mischung von Kunst, Kultur und Naturerlebnis bekannt ist. Und es wurde uns nicht zu viel versprochen. Im malerischen Gaienhofen, versteckt in einem verwunschenen Garten befindet sich das Haus von Hermann Hesse. Der Dichter und spätere Nobelpreisträger wohnte ab 1904 mit seiner Schweizer Ehefrau für 150 Mark Jahresmiete in einem alten Fachwerkhaus. Doch ohne Wasserleitung, Strom und Heizung wurde der Alltag schnell zur Qual  und man entschied sich, ein eigenes Haus zu errichten zu lassen.

Haus von Hermann Hesse in Gaienhofen (Foto Eva-Maria Mayring)

 

Die neue stattliche Villa im puritanischen Stil der Lebensreform wird bis 1912 das zu Hause der Familie. „Hier kann er zum ersten Mal ein Stückchen Erde nach eigenem Willen gestalten“, erläutert Eva Eberwein, die heutige Besitzerin des Anwesens. „Glücklicherweise fanden wir einen Gartenplan von Hesse“, berichtet sie, „danach konnten wir fast identisch seine Anlage rekonstruieren.“ Die neue stattliche Villa im puritanischen Stil der Lebensreform wird bis 1912 das zu Hause der Familie. „Hier kann er zum ersten Mal ein Stückchen Erde nach eigenem Willen gestalten“, erläutert Eva Eberwein, die heutige Besitzerin des Anwesens. „Glücklicherweise fanden wir einen Gartenplan von Hesse“, berichtet sie, „danach konnten wir fast identisch seine Anlage rekonstruieren.“ Nicht nur Literaten, auch Bildhauer und Maler wie Otto Dix zog es auf die Höri. Sein nach ihm benanntes Museum präsentiert Gemälde und Grafiken aus dem Sammlungsbestand des Kunstmuseums Stuttgart. 


Naturschauspiel Rheinfall

Europas größten Wasserfall gibt es bereits seit 15.000 Jahren (Foto Eva-Maria Mayring)

Mit dem Auto nach Stein am Rhein, dann an Bord der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft geht es ganz gemütlich auf dem breit dahinfließenden Rhein zum berühmten Rheinfall bei Schaffhausen. Europas größten Wasserfall gibt es bereits seit 15.000 Jahren. Mit einer Breite von 150 m, 23 m Fallhöhe rauscht er hinab in ein Becken von 13 m Tiefe. Im Sommer beträgt seine Abflussmenge 600 m3, im Winter fließen rund 250 m3 den Rheinfall hinab.
Noch im 18. Jahrhundert flösten die tosenden Wassermassen den Besuchern Angst ein und sie vermieden es allzu nahe an den Fluss heranzutreten. Erst als das „Hotel Weber“ unweit vom Rheinfall eine Übernachtungsmöglichkeit bot, wagten sich die Touristen näher an das Naturschauspiel heran. Nachdem im 19. Jahrhundert dort zehn Hotels entstanden und drei Bahnlinien erschlossen wurden, kamen auch die Tagestouristen.
Heute besuchen ca. 1,5 Millionen Menschen pro Jahr den Rheinfall, um das einmalige Spektakel zu erleben.
Von groß angelegten Plattformen aus verfolgen die Zuschauer ganz aus der Nähe wie die herabfallenden Wassermassen unermüdlich donnernd und tosend in die Tiefe stürzen. Kein Moment ist wie der andere. Nicht einmal die bizarren Felsbrocken im Flussbett können die reißenden Wasserfluten aufhalten. Stehen sie im Weg, umso ungestümer braust dann die weiße Gischt auf und wirbelt im Sog des Flusses weiter hinab. Motorboote mit Touristen an Bord wagen sich etwas weiter unten über die gefährlichen Verwirbelungen des Flusses. Mutige Fotografen können so ein paar abenteuerliche Bilder schießen. Es fällt uns schwer, uns von der gewaltigen Szenerie loszureißen.


Stein am Rhein

Doch die nahegelegenen Rheinstädte wie Schaffhausen und Stein am Rhein wollen wir ebenfalls noch besuchen.

Die Altstadt von Stein am Rhein (Foto Eva-Maria Mayring)

 

Beeindruckt von den mittelalterlichen Fachwerkhäusern, ihren bunten, bildhaften Darstellungen und den zahlreichen Erkern, die ganz unterschiedlich gestaltet, Kreativität und Lebensfreude ausdrücken, spazieren wir über Plätze und vorbei an plätschernden Brunnen. Man könnte glauben, hier sei die Zeit stehen geblieben, so authentisch mittelalterlich präsentieren sich die Altstädte.

 

Mit vielen neuen Eindrücken kehren wir an diesem Tag zurück auf die beschauliche Halbinsel Höri, wo wir bei einem Glas Bodensee Riesling und frisch geräuchertem Aal vom Fischer nebenan

Wilhelm Böhler mit seinen geräucherten Aalen (Foto Eva-Maria Mayring)

 

und den stimmungsvollen Sonnenuntergang am See genießen.

 

Stimmungsvoller Sonnenuntergang am See (Foto Eva-Maria Mayring)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EVA-MARIA MAYRING

Information:

Essen und Trinken
In Konstanz bietet der „Stephanskeller“
schmackhafte Gerichte für den kleinen und großen Hunger. Die urige Wirtsstube bietet badische Gemütlichkeit.
Tel: 00497531 691818
www.stephanskeller.com

„Zur Alten Post“ in Gaienhofen wird Hausmannskost serviert. Der Zwiebelrostbraten ist besonders fein.
Tel: 0049 7735 9388210
info@altepost-gaienhofen.de

Fischer Wilhelm Böhler in Gaienhofen-Hemmenhofen
fischt und räuchert Aale aus dem Bodensee, eine Spezialität nicht nur für Fischkenner.

Geschrieben von
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