Was macht man auf Åland? Nichts, naja, fast nichts

Alleine übrig, die Pommern

Åland Nein, nicht Holland, das klingt so ähnlich, Åland. Öland? Nein, das ist eine schwedische Insel südlich von Kalmar, seit einigen Jahren mit einer Brücke verbunden. Åland ist ein Inselreich mit 6757 Inseln, ja ein Reich, auch wenn es nicht einmal die Hälfte der Insel sind, die für Indonesien gezählt werden, aber dafür hat Åland nur 28 000 Einwohner, die überwiegend in der Hauptstadt Mariehamn wohnen, der Rest verteilt sich auf die 60 bewohnten Insel. Åland liegt zwischen Schweden und Finnland, schließt den Bottnischen Meerbusen zur Ostsee hin ab, gehört politisch zu Finnland, hat aber ein Autonomiestatut mit eigener Flagge, eigenen Briefmarken und einer Bestimmung, die Schwedisch und nur Schwedisch als Amtssprache festlegt. Finnisch ist geduldete Zweitsprache. Åland-Kenner behaupten sogar, es gäbe einen eigenen Dialekt. Wer Genaueres über das Statut wissen will, der besuche EURAC Research in Bozen und wird dort erfahren, dass man einige Elemente auch gerne für Südtirol hätte, die alleinige Amtssprache Deutsch etwa, vor allem aber das ureigene Recht zu bestimmen, wer auf die Insel kommt und wer nicht, und das gilt auch für Finnen.

Bild ganz oben: Alleine übrig, die Pommern

Nun gut, und was macht man auf Åland? Nichts. Wirklich nichts? Also, der Besucher hat zunächst einmal die Anfahrt von Stockholm aus durch den Schärengarten genossen, dann vielleicht 40 Minuten offene Ostsee, dann ist er da. Und ist er von Bord gegangen, kann er die Hauptstadt Mariehamn besichtigen, die ihren Namen immerhin nach einer hessischen Prinzessin namens Maria trägt, welche die Frau des Zars Alexander II wurde und acht Kinder hatte. Man schlendert die eine Straße hoch, die andere hinunter. Dann radelt man in den Park Lilla Holmen und legt sich am Strand auf den Rücken. Man beobachtet die Wolken, das Meer, achtet darauf, nicht von den Möwen bedacht zu werden. Und wenn man damit fertig ist, steht man auf und geht drei Schritte ins Landesinnere und beobachtet die Pfauen und analysiert den Unterschied im Klange ihres Schreien zu dem einer Silber-, Lach-, oder Sturmmöwe. Und man freut sich an den gelb blühenden Schlüsselblumen, der „nationalen Blume“, am Schilf und sonstigem Gewächs. Und ist man damit fertig, bezieht man sein Quartier auf einer der 6757 Inseln, die dazu gehörende Sauna steht auf der nächsten. Hat der Gast seinen Rucksack untergestellt, lauscht er dem Vermieter, wie geschickt dieser es anstellt, Alkoholika von der russischen Insel Hogland nach Åland zu schmuggeln. Das genügt an Aufregung für den Tag. Wer Freude am Angeln hat, kann sich um eine Erlaubnis bemühen, wem Kälte nichts ausmacht, genießt die Frische des Meerwassers. Seine Temperatur ist knapp unter 20 Grad, ändert sich im Sommer kaum. Das Klima auf Åland ist im Vergleich zum schwedischen und finnischen Festland gemäßigt. Die Ostsee erwärmt im Winter die kalten Nordostwinde und kühlt im Sommer die heißen Südostwinde. Der Niederschlag liegt bei etwa 541 mm pro Jahr, ist damit geringer als auf dem schwedischen und dem finnischen Festland. Aber im Winter kann die See schon mal zufrieren.

Natürlich gibt es auf Åland auch Sehenswürdigkeiten. Das Parlamentsgebäude, Självstyreisegarden, in dem der Lagting mit 30 Abgeordneten tagt, die lutherische St. Görans Kirche, das Lyceum, und bald schon sieht der Radfahrer die Pommern vor Anker liegen. Sie ist die einzige im Originalzustand erhaltene Viermastbark und heute ein Museum, das man jetzt über eine Gangway erreichen kann. In dem Schiff können Kinder Seemann spielen, Segel setzen und im Sturm navigieren. Ihre Geschichte im Laufe der Jahre ist nicht spektakulär, man kann sie als glücklich bezeichnen.

Auf der Suche nach Spektakulärem muss man bis zum Krimkrieg in der Geschichte zurückgehen und zur Schlacht von Bomarsund 1854, in der Engländer und Franzosen die russische Festung zerstörten. Die Ruinen findet man kurz vor der Brücke nach Prästö. Die Siedlung der Besatzer ist erhalten.
Das mittelalterliche Schloss Kastelholm liegt in der Ortschaft Sund an derselben Straße wie Bomarsund. Seine Geschichte weist zurück ins 14. Jahrhundert. Einst war es der Mittelpunkt des schwedischen Reichs, bis 1809 nach dem Großen Nordischen Krieg Åland und Finnland an Russland verloren ging. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde infolge einer Entscheidung des Völkerbundes Åland als entmilitarisierte Zone an Finnland gegeben, Schweden hätte es gerne gehabt, war aber als Nichtkriegsteilnehmer außen vor. Dazu gibt es eine nette Episode: Die russische Garnison hatte keine Lust abzuziehen, ein deutsches Kommando legte ihr die Aufgabe unmissverständlich nahe. Doch nun wollte das schwedische Königshaus die Insel annektieren. Doch die Deutschen verhinderten es. Wann hört man schon mal etwas Positives von einer deutschen Armeeeinheit! Historisches, gar Militärisches ist allerdings hier längst in den Hintergrund getreten. Hinter dem Schloss liegt ein Freilichtmuseum, das aus zusammengetragenen alten Häusern verschiedener Orte besteht. Dann gibt es ein Dorf für Feinschmecker, Smakbyn, wo handgefertigter Ziegenkäse, frittierte Algen, Rohwurst, und Blaubeerbier serviert werden. Dahinter befindet sich „Ålands Golfklubb“ und der Gästehafen Kastelholm. Alles erreichbar bis zum 3. November mit dem Bus, mit dem Fahrrad sowieso.

Ja, und gibt es denn keine Events? Doch, die „International Dog Show 2019“ in den Eckeröhallen, die „Messe der Wikinger“, mehrere „Art Exhibitions“, das Rockoff-, das Orgel- und das Kammermusik-Festival und den Weihnachtsmarkt. Viel mehr braucht es nicht.

Das Wichtigste ist ohnehin, irgendwo auf einem Segel- oder Motorboot, an einem Strand, auf der Holzterrasse eines Häuschens oder in der Sauna auf dem Rücken zu liegen. Und was zu tun? Nichts.

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