Von Chilly-Eis, gestreiften Schweinen und kühnen Jägern – überraschende Entdeckungen entlang der Burgenstraße

Ritterstandbild auf Burg Guttenberg am Neckar

Eine Burgbesichtigung ist nicht nur Kurzweil und schöne Aussicht, da die historischen Gemäuer meist die Landschaft überragen. Hinter alten Mauern und in den umliegenden Parks oder Gärten schlummern zahlreiche Geheimnisse aus der Vergangenheit. Aber viele der Gebäude sind heute belebt und man erzählt gerne von der sogenannten „guten alten Zeit“, wo es ziemlich deftig zuging.

„Warum ist in diesem wuchtigen Stadttor aus dem Mittelalter wohl noch diese kleine Türe eingebaut?“ Der Nachtwächter schaut fragend in die Runde. Eine Gruppe Touristen, die mit ihm zu nächtlicher Stunde in Rothenburg ob der Tauber unterwegs sind, zuckt mit den Schultern. „Damals wurden abends alle Stadttore geschlossen um das Eindringen feindlicher Fremden zu verhindern. Wer nicht rechtzeitig heimkam musste Strafzoll bezahlen und wurde gnädigerweise durch die wesentlich kleinere Türe, das Ein-Mann-Tor hereingelassen. Da rechtzeitig anzukommen war das Gebot, sonst gab es Torschlusspanik!

Viel gibt es zu erzählen aus damaliger Zeit, während der Weg über Kopfsteinpflaster an wuchtigen Wehrtürmen vorbeiführt. Aufgabe des Nachtwächters war nicht nur für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Brach ein Feuer aus blies er auf dem mitgeführten Kuhhorn Alarm. Mit der Hellebarde konnte er sich dreister Diebe erwehren. Natürlich wusste er auch um geheime Liebschaften und ließ sich sein Schweigen gut bezahlen. „Ohne fließendes Wasser im Haus gab es auch keine Toiletten wie ihr sie heute kennt. Das Nachtgeschirr wurde morgens immer aus dem Fenster in die Gosse geleert, jedoch nicht ohne Ankündigung. Hörte ein Vorbeieilender die Warnrufe und schaute erschrocken nach oben, ging das nicht gut aus für ihn!“ Mit humorvoll erzählten Episoden werden die schwierigen Lebensumstände lebendig. Streckbänke und andere Folterinstrumente, welche Verdächtige zu einem oft falschen Geständnis zwangen waren in jedem Ort mit Gerichtsbarkeit üblich.

Der Nachtwächter in Rothenburg erzählt von früher

Entlang der 770 Kilometer langen Burgenstraße von Bayreuth bis Heidelberg gehört das mittelalterliche Rothenburg mit seiner gut erhaltenen Altstadt zu einer der herausragenden Stationen. Der Riemenschneider-Altar der Kirche St. Peter und Paul in Detwang ist über 1000 Jahre alt. Einst Kaisersitz der Staufer, erlebte die an einem Handelsweg liegende Stadt unter Bürgermeister Toppler um 1340 eine Blütezeit. Kriegerische Auseinandersetzungen richteten jedoch großen Schaden an und brachten das quirlige Leben zum Erliegen. Doch dann entdeckten Maler und Poeten „die Schönheit dieses fränkischen Fleckens“. Carl Spitzweg war einer von ihnen. Und selbst Wassily Kandinsky malte 1902 nach seinem Besuch das Bild mit dem Titel „Alte Stadt“. Auffallend bei einem Rundgang sind nicht nur zahlreiche Rosenbüsche, die an alten Mauern entlang ihre Blüten der Sonne entgegen strecken, sondern auch kleine Geschäfte, Manufakturen, in denen wie der Name schon sagt, per Hand Waren hergestellt werden: individuell angefertigte Kleidung, Schmuck, Lichthäuser und Kuchen-Spezialitäten. So auch in der Konditorei Striffler in der eines der Wahrzeichen Rothenburgs gebacken wird: Schneebälle. „Vor 120 Jahren gab es dieses Gebäck nur an besonderen Feiertagen, bei Taufen, Hochzeiten. Bäuerinnen stellten nach bestimmten Rezept diese Schneebällen ähnlichen Kugeln her,“ erklärt Frau Striffler. „Für den Mürbteig benötigt man nur Eigelbe, fränkischen Zwetschen-Schnaps, viel Butter, Sahne, wenig Mehl. Über Generationen wird das Rezept weiter gegeben.“ Das Ganze wird aufwändig geformt, in einer eisernen Kugel im heißen Fett gebacken, und lässt sich wegen des Alkohols bis zu drei Wochen lagern. Doch da läutet schon wieder die Ladenglocke und die Dienste der Chefin sind gefragt.

Frau Striffler zeigt ihre “Schneebälle”

Die einzelnen Orte entlang der Burgenstraße können individuell kombiniert und angefahren werden. Ansbach, mit seiner über 1250 Jahren langen, wechselvollen Geschichte als Residenzstadt ist ein guter Ausgangspunkt. Das eindrucksvolle Gebäude, die ehemalige Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach wird heute unter anderem für öffentliche Ämter genutzt. 27 Prunkräume sind noch mit Einrichtungsgegenständen aus der Zeit des „Ansbacher Rokokos “ausgestattet und geben Zeugnis von der finanziellen Großzügigkeit der Markgrafen. So sind im Kachelsaal ungefähr 2800 Fliesen aus der ehemaligen Ansbacher Fayencemanufaktur zu sehen. Auch der Hofgarten samt Orangerie prunkt mit kunstvoll angelegten Blumenrabatten und exotischen Gewächsen. Am ersten Juliwochenende werden Zuschauer dort ins 18. Jahrhundert zurück versetzt. Damen in kostbare Stoffe gekleidet und Kavaliere mit weißen Perücken, dazu passende Musik lassen die Zeit wieder aufleben als Markgraf von Brandenburg-Ansbach zum Fest lud.

Die Orangerie in Ansbach, der Hauptstadt Mittelfrankens

Mythos oder Betrug

„In dieser schlecht einsehbaren Ecke des Parks traf Kaspar Hauser 1833 seinen Mörder, dessen Stichverletzungen für Kaspar tödlich waren,“ erklärt der Stadtführer am Gedenkstein im Hofgarten. Das Findelkind aus Nürnberg ein Prinz oder Betrüger? Ob Hauser ein angeblicher Erbprinz von Baden sei konnte weder bestätigt noch widerlegt werden. Die Herkunft des Genmaterials wurde angezweifelt. Dieses Geheimnis wird in Ansbach gehegt. Ein ungelöstes Rätsel ist schließlich interessanter als ein gelöstes. Es entstand sogar eine philosophische Richtung in Europa: Kann ein Kind ohne jegliche menschliche Zuwendung aufwachsen ohne irreparable Schäden? In Ansbach wird während der Kaspar-Hauser-Festspiele das Thema mit wissenschaftlichen Vorträgen, Konzerten und Filmen aufgearbeitet. Aber in Franken gibt es noch mehr Verlockungen: natürlich verlässt niemand die Residenz-Stadt ohne eine traditionelle Bratwurst genossen zu haben, der sogar eine eigene Stadtführung gewidmet ist. Egal ob gebraten oder als „blauer Zipfel“ im Essigsud gegart, die aus Schweinebrät hergestellte Wurst schmeckt immer.

Kirchberg –Bauernschloss über der Jagst

Schoko-Chilly, Kurkuma-Mandel oder Kürbis-Ingwer: diese Gewürz-Kombinationen sind sehr exotisch für Eisgeschmacksrichtungen. In den Arkaden der ehemaligen Wäscherei auf Schloss Kirchberg, im meist sonnigen 3. Schlosshof haben sich Nina und Klaus Sohl einen Traum verwirklicht als sie die „moo Eismanufaktur gründeten“: Die Herstellung von Heumilcheis aus selbst pasteurisierter Milch ohne künstliche Aromen, Farb-und Konservierungsstoffe.

„Wir experimentieren gern mit neuen Geschmacksrichtungen. Da wird auch mal Salz beigefügt das zusammen mit anderen Gewürzen oder Früchten sehr gut schmeckt.“ Nina Sohl lässt Interessierte probieren. Nur wenige Maschinen unterstützen ihre Arbeit. Vor allem, wenn es darum geht Zutaten gleichmäßig unterzumischen. Sie arbeiten eng mit den ansässigen Milchbauern zusammen und tragen dadurch auch zum Erhalt bäuerlicher Landwirtschaft bei. Ihr nächstes Ziel: Verarbeitung von Demeter-Milch. Rudolf Steiner, richtungsweisend für die Vorgaben einer Demeter-Landwirtschaft, erkannte schon zu seiner Zeit wichtige Zusammenhänge von Kultur- und Naturlandschaft. So wurde festgestellt, dass Milch von Kühen, die ihre Hörner behalten durften sogar von Allergikern vertragen wird . Mit diesem Schritt wollen Nina und Klaus Sohl, dass auch Menschen mit Lebensmittel-Unverträglichkeiten ihr Eis genießen können.

Klaus Sohl befüllt die Eismaschine

Das „Bauernschloss“ Kirchberg thront hoch über dem Jagst-Tal. Erstmals erwähnt wird 950 eine Kapelle, daher der Name Kirchberg. Um 1200 findet neben der Kirche eine Burg ihren Platz. Die wechselhafte Geschichte des Gebäudes beginnt, das 1806 zu Bayern, vier Jahre später zu Württemberg kam. Nach Kriegsende 1945 diente das Schloss als Sammellager für ehemalige Zwangsarbeiter vor der Rückführung in ihre Heimat. Im Rittersaal finden bis heute Konzerte statt. Ein Altenheim wird einquartiert, Räumlichkeiten in Hotelzimmer umgebaut. 2010 findet die erste Kunstnacht statt. Im September 2015 kauft die Stiftung Haus der Bauern unter dem Vorstand Rudolf Bühlers das Gebäude und gründet ein sozio-kulturelles Zentrum. „So wurde den Bauern wieder zurückgegeben, was mit ihren Abgaben einst gebaut wurde.“ Eberhard Mann organisiert Besuchsprogramme für die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall im Hohenloher Land und führt durch die weitläufige Anlage. Er und Rudolf Bühler sind eng befreundet und haben schon viele Projekte in die Wege geleitet.

Im Garten von Schloss Kirchberg an der Jagst

Es begann mit dem Schwein

Einige Tiere liegen faul in der schwarzen aufgewühlten Erde. Eine kleine Herde kommt angetrabt, Richtung Futterturm. Ein Leben wie im Paradies führen Rudolf Bühlers „Schwäbisch-Hällischen Weideschweine“, im Vergleich zu vielen ihrer Artgenossen. Auffällig sind breite schwarze und rosa Streifen auf der Haut. „Besondere Leckerbissen sind für sie Eicheln, die in den Wäldern der Umgebung gesammelt werden. Das verleiht dem Fleisch einen nussigen Geschmack.“ Eberhard Mann bedauert kein altes Brot mitgenommen zu haben. „Damit kann ich mich bei ihnen beliebt machen,“ meint er schmunzelnd.

Viele nennen Rudolf Bühler einen Visonär. Viele seiner Visionen wurden Realität. Und das nicht nur in Deutschland. Auch in Afrika, Asien und Indien hat er bei Kleinbauern Projekte initiiert, die dort den Menschen eine Existenz sichern. Er bekommt als Gegenzug biologische Gewürze für die Wurstherstellung.

Der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, bei der auch Rudolf Bühler maßgeblich beteiligt ist, haben sich bereits 1450 Bauern angeschlossen, die ihre Landwirtschaft nachhaltig betreiben. Ein wichtiger Schritt gegen Massentierhaltung. Vermarktet werden ihre Fleisch-Produkte und andere Fair Trade Waren in der Markthalle in Wolpertshausen.

Nachwuchs bei den Schweinen

Schwäbisch Hall –Stadt des weißen Goldes

Eigentlich sollte heute auf der zur St. Michaelskirche führenden riesigen Steintreppe geprobt werden für die nächste Freilicht-Aufführung. Doch ein heftiges Gewitter macht den Schauspielern einen Strich durch die Rechnung. Was für eine Aufgabe, während der Vorführung geht es rauf und runter. Da heißt es für die Gruppe nicht nur geistig fit zu sein. Hoch über dem Marktplatz in Schwäbisch Hall thront das imposante Gotteshaus. Im Jahre 1156 als romanische Basilika geweiht wurde sie 1427 bis 1525 in eine gotische Hallenkirche umgebaut. Johannes Brenz, ein Anhänger Luthers, reformierte vorsichtig und ohne Bildersturm, so dass viele wertvolle spätmittelalterliche Kunstwerke der Kirche erhalten blieben. Der Weg über die Treppen hinauf lohnt sich. Eng beieinander stehende Fachwerkhäuser reihen sich unten um den Marktplatz, auf dem unter bunten Sonnenschirmen auf dem Wochenmarkt ein emsiges Handeln herrscht. Herausragend das Rathaus in dessen barockem Trausaal gerne geheiratet wird.

Bereits Kelten siedelten hier in vorchristlicher Zeit bei einer Salzquelle. Salz das „weiße Gold des Mittelalters“ trug zur Entwicklung der topografisch recht ungünstig im engen Tal des Kochers gelegenen Siedlung. Der hier geprägte Heller und Salz, das bei der noch heute fließenden Quelle auf dem Haalplatz durch Verdampfen der Sole gewonnen wird, verliehen der Stadt ihren Namen.

Direkt neben der großen Kirche steht ein mächtiger Steinbau am Hang, direkt gegenüber der St. Michaelskirche. „Wollen Sie lieber ins Faust-Zimmer oder liegt Ihnen eher das etwas ruhigere Ambiente des Salz-Zimmers?“ An der Rezeption des historischen Hotels Adelshof gilt es eine Entscheidung zu treffen. Jedes der Zimmer ist einem eigenen Thema gewidmet. „Da muss ich meinen Mann und den Innenarchitekten schon manchmal bremsen, wenn sie wieder neue Ideen haben,“ meint die Chefin lachend, die auch bei der Bedienung der Gäste im „Ratskeller“ selbst mithilft.

Am Marktplatz von Schwäbisch Hall

Weinsberg – lebendige Rucksäcke und eine Ruine

„Das Tor zur Schwäbischen Toskana,“ nennen die Weinsberger liebevoll ihre Stadt. Durch Weinberge führt der Weg zur Burgruine Weibertreu. Reben wachsen auf terrassenförmigen Absätzen entlang des Hügels bis an die noch erhaltene Mauer. Schon die Römer liebten dieses für den Weinbau ideal geeignete Tal vor den Löwensteiner Bergen. Im Jahre 1906 wurden am westlichen Stadtrand Überreste eines Badegebäudes entdeckt, das zu einem römischen Gutshof gehörte, der sich heute wohl unter dem Feuerwehrhaus befindet. Die restaurierte Bad-Anlage wird von den Weinsbergern ironisch „Villa Rustica“ genannt. Sie zeigt ein für die damalige Zeit ausgeklügeltes System zur Wassererwärmung. Doch bekannt wurde der Ort vor allem mit der wahren Begebenheit über die treuen Weiber. „Bestimmt kennt ihr die Geschichte, die Weinsberg so berühmt machte?“ Gästeführerin Anneliese Steger wird sehr ernst als sie über die Geistesgegenwart der Frauen erzählt.

Im Dezember 1140 besiegte Stauferkönig Konrad III. Herzog Welf VI. von Bayern in Weinsberg. Nach langer Belagerung der Burg erlaubte Konrad Frauen den Abzug. Sie durften nur mitnehmen was sie tragen konnten. Da griffen sie zu einer List und luden sich ihre Männer auf den Rücken. So konnten alle in die Freiheit fliehen. Konrad stand zu seinem Wort und ließ sie gewähren. Erst im 18. Jahrhundert erhielt die Festung den Namen „Weibertreu“.

„Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein! Ade nun ihr Lieben! Geschieden muss sein.“ Umgeben von Weinbergen fiel es Justinus Kerner, dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt Weinsberg nicht schwer den Text zu diesem Lied zu dichten. Seines Zeichens Arzt und Dichter wurde er auch als ein „Genie der Freundschaft“ bezeichnet. Tage-, ja monatelang war er von Freunden umgeben. Dank dem Organisationstalent seiner Frau „Rickele“ wurden im nicht allzu geräumigen Kerner-Haus Gäste untergebracht. Viele persönliche Gegenstände Kerners werden in diesem Dichterhaus präsentiert. Darunter ärztliche Werkzeuge, mit denen man Geisteskrankheiten zu heilen versuchte. „Können Sie sich vorstellen, dass in diesem kleinen Esszimmer zahlreiche Freunde zu Tisch saßen?“ Dr. Liebig, Leiter des Museums, der den Menschen Kerner in- und auswendig zu kennen scheint, schaut fragend in die Besucherrunde. „Nein, deshalb wurde oft im Garten serviert, wenn es die Temperatur zuließ.“ Ein Eichhörnchen flitzt dort über die Wiese, hin zu alten Bäumen. Ein Ort an dem sich gut dichten, philosophieren und träumen ließ.

Im Keller des Staatsweingutes von Weinsberg

In Chromargan-Fässern reift der Traubensaft. Draußen wartet eine Gruppe Studenten auf die nächste Führung. Das Staatsweingut Weinsberg, die älteste Weinbauschule und der Württembergische Weinbauverband haben ihren Sitz in Weinsberg. „Das ist ein Kerner vom letzten Jahr.“ Achim Heidinger lässt Besucher den fruchtigen Weißwein kosten. „Selbstverständlich wurde dem berühmten Dichter, der selbst ein Weinkenner war, diese Rebsorte gewidmet. Überhaupt lassen sich die meisten Namen auf Persönlichkeiten zurückführen.“ Gegründet im Jahre 1868 als „Königliche Weinbauschule“ hat sich das Staatsweingut bis heute zu Bildung und Forschung verpflichtet.

„Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Juliane von Krüdener. Ich hatte ein bewegtes Leben und gewissen politischen Einfluss, das kann ich wohl behaupten. Im Jahre 1815 war ich wie Sie Gast auf dem Rappenhof.“ Die Weinsberger Gästeführerin Nicole Lang erzählt gekleidet als baltische Baronin aus ihrem bewegten Leben, während im idyllisch von Weinbergen und einem Park umgebenen Bio-Hotel Gäste die vorzügliche Küche genießen, die wohl schon im 19. Jahrhundert Baronin von Krüderen zu schätzen wusste.

Bad Wimpfen – Schotter für den blauen Turm

Schon von weiten ist der markante Turm in Bad Wimpfen zu sehen. Der Blaue, wie er wegen des leicht bläulichen Gesteins genannt wird, ist zurzeit eingerüstet. Da die Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist, steht eine längere Renovierung an. Deswegen bedarf es wohl eher Schotter als Kies um die enormen Kosten zu decken. Auf humorvolle Art wird um Spenden geworben. Die einst größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen lässt sich gemütlich zu Fuß erkunden. Von den Arkaden des staufischen Palais bietet sich ein schöner Blick auf den Neckar und sein landwirtschaftlich geprägtes Umland.

Während einiger Jahrhunderte musste der Ort vieles aushalten. Vor allem der 30-jährige Krieg hinterließ auch hier über viele Jahre seine Spuren. Alle Versuche Wimpfen einen bescheidenen Wohlstand zu schaffen misslangen. 1802 ging die 500jährige Reichsstadtzeit zu Ende. Und ein Jahr später kam nach einigem Hin und Her Wimpfen zu Hessen.

Auch war es nicht gelungen die dort vorhandene Sole zu nutzen. Erst 1817 wurde die Saline Ludwigshalle gegründet. Mit der nun gewonnenen Sole wurde Wimpfen zu einem bekannten Badeort und interessant für den Fremdenverkehr. Wasserleitungen, eine Kanalisation und ein Elektrizitätswerk ermöglichten bessere hygienische Bedingungen. Im Jahr 1930 wurde der Stadt endlich das Prädikat „Bad“ verliehen.

Den teils heftigen Diskussionen ob man zu Hessen oder Baden Württemberg gehört setzte der 1951 durchgeführte Volksentscheid ein Ende. Der feierliche Anschluss erfolgte 1952.

In der idyllischen Altstadt mit romantischen Gassen finden sich auch lokale Gasthäuser mit Tradition und Pfiff. „Bei uns wird in der Küche verwendet was gerade jahreszeitlich verfügbar ist.“ In der ehrwürdigen Weinstube Feyerabend wird noch von Udo Schachtsiek selbst gekocht, eine Tugend, die den meisten Restaurants abgekommen ist. Vorgekochtes und Eingefrorenes landet im Topf. Doch auch auf die richtige Zubereitung kommt es an. In dieser Weinstube stimmt alles.

Unterwegs auf der Burgenstraße bedeutet nicht unterwegs von einem alten Gemäuer zum nächsten. Manche Gebäude sind in Privatbesitz für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Von manchen steht nur noch die Außenfassade. Burg Hornberg auf der Anhöhe in Neckarzimmern ist in privaten Händen. Das Hotel und vor allem die vorzügliche Schlossküche ist offen für jedermann. Götz von Berlichingen, der Ritter mit der eisernen Hand kaufte die Burg 1517 für 6500 Gulden und verbrachte dort mit seiner Familie 45 Jahre bis zu seinem Tod. Im Jahr 1612 erwarb der kurfürstlich pfälzische Rat in Michelfeld, Reinhard der Gelehrte von Gemmingen Burg Hornberg mit Neckarzimmern und Steinbach. Bis heute ist, nunmehr in der zwölften Generation, mit Dajo Reichsfreiherr von Gemmingen-Hornberg die Burg im Besitz dieser Familie.

Burg Guttenberg –Adler, Geier & Co.

„Bitte lassen Sie keinen Müll auf dem Weg liegen. Einen Kaugummi deuten Greifvögel als Beute. Ein fataler Gedanke.“ Staunend nehmen es die Besucher der Greifenwarte zur Kenntnis. Sie verfolgen gespannt eine Flugvorführung der Falkner. Aufgeregt trippeln die Raubvögel auf ihren Stangen hin und her als ihre Bezugsperson vorbeigeht. Mit ihnen verbinden sie Leckerbissen als Belohnung. Mit einigen Mythen wird aufgeräumt. Fliegen ist eine enorme Anstrengung für so große Vögel. Sie fliegen nur wenn es unbedingt notwendig ist zur Nahrungsbeschaffung nicht weil sie endlose Freiheit genießen. Erst aus nächster Nähe lässt sich die wunderbare Anordnung und Zeichnung der Federn erkennen. Auf Burg Guttenberg werden nachgezüchtete Vögel durch gezieltes Flugtraining auf den „kontrollierten Wildflug“ vorbereitet. Aber auch verletzte Greifen und Eulen finden Aufnahme und Pflege. Dicht über die Köpfe der Zuschauer schweben sie während der Vorführung. Manch einer der kühnen Jäger nutzt dies auch für eine extra Runde über die Burg. Mit ihren scharfen Augen erkennen sie auch kleinste Beutetiere.

Adler im Landeanflug

Es riecht gut nach frisch gebackenem Brot beim Betreten des Schlosshofes. In der Backstube wirft Frau Bertsch einen kritischen Blick auf die Laibe im Backofen . „Nein, die brauchen noch etwas.“ Seit 20 Jahren wird hier nach alter Art im Holzofen Brot gebacken. Eine robuste Knetmaschine erleichtert die Herstellung des Teiges. In Brotkörben ruht er, länglich oder rund, bis der Ofen die richtige Temperatur erreicht. Letzte Probe vor dem „Einschießen“: „Ich streue etwas Mehl auf die Backfläche. Wird es braun, ist der Ofen noch zu heiß. Eine schwarze Unterseite mag wohl niemand,“ meint sie verständnisvoll. Schwerarbeit und richtiges Timing sind hier gefragt.

Erstaunlich was sich in Jahrhunderte alten Mauern verbirgt. „In diesen Schaukästen ist unsere Holzbibliothek gelagert. Von jedem uns bekannten Baum wurde Rinde, Samen, Holzausschnitt, Blattform buchähnlich zusammengestellt.“

Frau von Dewitz führt durch das Schlossmuseum der Burg Guttenberg. Entscheidungsschlachten werden mit Miniatur-Zinn-Soldaten nachgestellt, allerdings nur mit einem Bruchteil des tatsächlich kämpfenden Heeres. Auch die mittelalterliche Streckbank hat hier Platz gefunden. Eine Besonderheit sind in deutscher Sprache verfasste Bibeln aus der Zeit vor Martin Luther. Guttenberg ist eine spätmittelalterliche Höhenburg über Neckarmühlbach, einem Ortsteil von Haßmersheim in der Nähe Heilbronns. Seit über 560 Jahren befindet sie sich im Besitz der Freiherren von Gemmingen. 1180 gegründet ist sie heute 800 Jahre alt. Die Ritterburg gilt als eine der letzten, vollständig erhaltenen Staufer-Burgen.

Verglichen mit der kriegerischen Vergangenheit geht es heute auf den Burgen friedlich zu. Einige wurden soziale Einrichtungen, andere pflegen den Erhalt wertvollen Kulturgutes. Allen gemeinsam ist ihre herausragende Lage, der weite Blick ins Land, das im Sommer mit üppigem Grün eine Wohltat nicht nur für die Augen ist. „Du junges Grün, du frisches Gras, so manches Herz durch dich genas.“ Wie auch Justinus Kerner es in einem seiner Gedichte empfunden hat.

Burg Guttenberg oberhalb des Neckartales

Informationen:

Unter https://www.burgenstrasse.de/Home.html gibt es ausführliches Material über die einzelnen Burgen, Orte entlang der Burgenstraße und touristische, sowie historische Sehenswürdigkeiten;

Die Burgenstraße e.V. ,Allee 12 , 74072 Heilbronn, Telefon +49 (0) 7131/973501-0 ,

Telefax +49 (0) 7131/973501-20 ; info@burgenstrasse.de

Text: Monika Hamberger; Fotos: Rainer Hamberger

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