Verschmähte Liebe und Heilwasser – auf Goethes Spuren in Marienbad

Seit vielen Jahren etabliert sich Gesundheitstourismus als wichtiger Bestandteil der ganzen Branche. Beliebt sind dabei gerade Kurorte in Nachbarländern. Darunter punkten  Heilbäder in Tschechien nicht nur mit einem sehr angenehmen Preisniveau, sondern auch durch bestens erhaltene Architektur in landschaftlich reizvollen Regionen.

Es ereignet sich im Sommer 1821. Während eines Aufenthalts in dem böhmischen Kurort verdreht die siebzehnjährige Ulrike von Levetzow dem über 50 Jahre älteren Dichter Johann Wolfgang von Goethe den Kopf. Zwei Jahre später bittet er bei den Eltern um ihre Hand.

Goethe überreicht dem Fräulein geheimnisvolle Zeilen

Das Fräulein entzieht sich dieser Liaison mit der diplomatischen Ausrede, sie verspüre noch keine Lust zum Heiraten. Für Goethe bricht eine Welt zusammen. Seinen Schmerz verarbeitet er in der „Marienbader Elegie“. Unweit des schon 1887 eröffneten Stadtmuseums sitzt er jetzt würdig als steinernes Denkmal in Lebensgröße. Von hier blickt über den Park in den Kurort. Im benachbarten Museumsgebäude schmunzelt man über pfiffige Bilder, die ihn mit der Angebeteten darstellen. Auch kann man einen Blick in das Zimmer werfen, wo er sich gerne aufhielt.

Das Gebäude liegt am oberen Ende des Badeortes Marienbad (tschechisch Mariánské Lázně). Davor breitet sich der gepflegte Kurpark aus mit majestätischen Laubbäumen, deren breite Kronen Schatten spenden. Entlang breiter Straßen in der historischen Ortsmitte stehen gut erhaltene, oder auch authentisch renovierte mehrstöckige Gebäude im Kaiserbäderstil, wie man ihn auch auf Rügen oder Usedom an der deutschen Ostseeküste antrifft. Auf einem Hügel liegt die Kur-Kolonnade. Ein langgezogener Bau, der für Konzerte bestuhlt werden kann mit einer angegliederten Trinkhalle.

Die geniale Eisenkonstruktion der Kur-Kolonnade

Schon im Mittelalter waren die Heilquellen bekannt

Es ist nicht einmal eine halbe Stunde Fahrt von der deutschen Grenze durch waldreiches Hügelland bis ins Heilbad. Kommt man allerdings von Osten, fallen immer wieder kegelförmige Erhebungen auf. Es sind erloschene Vulkane. Millionen Jahre liegen ihre Aktivitäten zurück.  Trotzdem gibt es immer wieder kleine Erdbeben. Wie in vielen Gebieten der Erde mit unruhiger Erdkruste sind hier gute geologische Voraussetzungen für Heilquellen gegeben. Die sogenannte Bruchtektonik ermöglicht es, dass Wasser durch die Erdkruste aufsteigen kann. Dabei lösen sich neben Eisen die verschiedensten anderen Minerale darin. Schon im Mittelalter wurden diese sauren Quellen entdeckt. Als im 14. Jahrhundert die durch die Pest entvölkerte Gegend von Deutschen besiedelt wurde, wussten die Chorherren des Stiftes Tepl bereits von Heilquellen.

Schließlich wurde 1528 deren Wasser auf Geheiß von König Ferdinand I. auf seine Bestandteile untersucht. Aus der Ferdinandsquelle wurde danach Salz gewonnen, das sich aber wegen seiner abführenden Wirkung nicht als Kochsalz verwenden ließ; es handelte sich um Glaubersalz. Die Forschung war zu jener Zeit bezüglich dieser Tatsachen noch in den Anfängen. Man hatte nicht genügend Erfahrung in der Anwendung. Auch wurden damals schon Naturquellen in den Wäldern rund um Marienbad entdeckt.

Trinkbecher sind oftmals üppig gestaltet

Erst in den Jahren 1807 und 1808 ließ der Abt eines Klosters im Quellgebiet an der Marienquelle ein erstes festes Badehaus errichten. Danach verbreitete sich die Kunde von den gesundheitlich so wohltuenden und heilenden Wassern vor allem unter den Wohlhabenden der Region und umliegenden Ländern. Kaiser Franz Joseph, Richard Wagner oder Johann Wolfgang von Goethe, Anton Bruckner, Fréderic Chopin, Sigmund Freund, sowie andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben sich in Marienbad besonders wohl gefühlt. Es war nicht nur der Trend „sehen oder gesehen werden“, es mag wohl auch an der tschechischen Kulinarik gelegen haben: Böhmische Knödel, Gulasch, Kraut, vielleicht mit Pilsener Urquell – für hungrige Kurgäste nach anstrengenden Anwendungen, damals wie heute.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Kureinrichtungen 1946 verstaatlicht und schon 1948 war Marienbad Kurort für sozialistische Arbeiter. Nach der samtenen Revolution 1989 und dem Zerfall des Ostblocks hat man viele staatseigene Betriebe privatisiert, darunter auch alle Kureinrichtungen, Hotels, Wohngebäude und sonstige Betriebe. Viele Gebäude, vor allem die im Kurbezirk, sind inzwischen saniert und restauriert. Man setzt wieder stark auf ausländische Gäste, vor allem auf Deutsche und Russen.

Wie in alten Zeiten: mit der Kutsche durch Marienbad

Flaschen, Tassen und Springbrunnen.

In der aus gusseisernen, verzierten Trägerelementen errichteten Kur-Kolonnade herrscht Hochbetrieb. Der Prachtbau ist das meistbesuchte Denkmal der Stadt. Mit speziell geformten Trinktassen bedienen sich Gäste des heilenden Wassers. Gerade setzt jemand seine Tasse ab und schüttelt sich: „ Das schmeckt ja eigenartig, aber wenn`s hilft!“ Einige füllen es in Flaschen ab, um im blütenreichen Kurpark unter alten Bäumen davon zu trinken. Vielleicht verstärkt sich ja die Heilwirkung zusammen mit den hier berühmten leckeren Oblaten. Jede Quelle wirkt anders: kein Wunder, dass hier so reges Treiben herrscht. Ein kleiner Junge knabbert an einer solchen Oblate, während sich seine Eltern die Trinktasse füllen.

Einer der zahlreichen Springbrunnen in Marienbad

Daneben diskutiert einer der Kulturmanager mit Künstlern über die kommenden Events. Das renommierte Chopin Festival findet alljährlich Ende August statt und bietet seinen Zuschauern ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Alle zwei Jahre gebt es dabei einen internationalen Klavierwettbewerb. Regelmäßig bereichert ein reiches Kulturleben mit Konzerten und Stadtführungen zu besonderen Themen den Aufenthalt.

Draußen erklingt gerade der Musik-Springbrunnen. Er befindet sich an der Kur-Kolonnade in der Innenstadt Marienbads und erklingt in der Sommersaison zu jeder ungeraden Stunde, abends mit Licht-Projektionen. Doch die treibende Kraft, die alles trägt, ist das Heilwasser. Marienbad steht für mehr als zwei Jahrhunderte an Erfahrung in der Balneologie. Die Geschichte als renommierter Kurort fußt unter anderem auf den 40 Heilquellen im Stadtgebiet. Im Umland sind es ungefähr 100 weitere. Diese Tatsache macht Marienbad und seine Quellen weltweit einzigartig. Zum sogenannten Böhmischen Bäderdreieck gehören ferner noch Franzensbad und das größere Karlsbad. Jedoch liegt Marienbad idyllisch inmitten einer bewaldeten Hügellandschaft. Die Region ist durchzogen von Rad- und Wanderwegen zu den Quellen rund um den Ort.

Das Wasser der Balbinquelle schmeckt etwas nach Eisen

Im Wald versteckte Quellen

Das Falkensteiner Hotel Marienbad wurde auf einem Hügel am Ortsrand erbaut, nur wenige Gehminuten vom Zentrum und der Flaniermeile entfernt. Dabei ist der Außenbereich mit geheiztem Becken und Liegewiesen durch die Anordnung der dazugehörigen Gebäude sehr geschützt. Beinahe benachbart ist die russisch-orthodoxe Kirche, die auch von innen mehr als sehenswert ist. Marienbad ist gerade bei Russen als Kurort sehr beliebt. Es finden sich russische Übersetzungen auf mancher Speisekarte. Gegenüber der Kirche beginnen Waldwege in die Umgebung. Schilder weisen auf verschiedene wilde Quellen (tschechisch Pramen) hin. „Hier in der Nähe müsste sie eigentlich sein.“ Wegweiser zwischen Bäumen zeigen ins Ungewisse. Doch dann entdecken die Wanderer, versteckt in einer Senke, die Balbinquelle (tschechisch Balbínův pramen). Mit unregelmäßigen Stößen sprudelt sie aus dem Rohr. Das Wasser schmeckt leicht salzig und eisenhaltig.

Rundwege verbinden zahlreiche Quellen. Jede ist anders angelegt, alle haben ihre eigenen Namen. Es ist hier draußen im Wald sehr ruhig und ursprünglich. Überhaupt verfügt Tschechien über weniger intensiv genutzte Landwirtschaftsgebiete und viele dichte Wälder. Nicht jeder Quadratmeter ist hier verplant und auf Profit durchorganisiert. Wildblumen dominieren auf Naturwiesen, die wohl selten ein Mähwerk ertragen müssen. Dazwischen ruhen verträumte Weiher, einige zur Fischzucht. Auf Schornsteinen und Feldern sind Störche unterwegs. Es ist wie ein Blick in jene Zeit, als Goethe hier war.

 

Informationen:

Allgemeine Auskünfte

zu Tschechien allgemein:
Tschechische Zentrale für Tourismus; CzechTourism; Wilhelmstr. 44, 10117 Berlin; tel. +49 0 30 204 47 70
berlin@czechtourism.com

www.visitczechrepublic.com

zu Marienbad:
https://www.marianskelazne.cz/de/

 

Unterkunftsbeispiel:

Das traditionsreiche Hotel Grand Medspa Marienbad wurde im Jugendstil erbaut und hat es geschafft, den Glanz vergangener Zeiten einzufangen und zu erhalten. Das Wellnessprogramm und das Medical SPA, sowie die hauseigene Alexandra-Quelle ergänzen sich zur ganzheitlichen Therapie. Bei Buchung der Pakete Marienbader Kur Klassiker und Präventive Badekur Alexandra und Mindestaufenthalt von 7 Nächten erhält man einen Gutschein im Wert von € 150,- auf die Anwendungen; allgemeine Preise pro Nacht und Doppelzimmer ab Euro 138, weiterhin gibt es spezielle Angebote für ganze Kuren mit regelmäßigen Anwendungen.

164 Zimmer & Suiten; 2.500 m² große Medical SPA Wellness-, Sauna- & Wasserwelt; beheizter Außenpool; Fitness- und Aktivprogramm; hauseigene Mineralquelle „Alexandra“; 6 Golfplätze in direkter Umgebung; Abstellplatz mit Lademöglichkeit für Elektroautos; internationale und böhmische Küche;

Falkensteiner Hotel Grand Medspa Marienbad
Ruska 123; CZ-35301 Marienbad
Reservierung +420 35492 9397
reservations.marienbad@falkensteiner.com
www.falkensteiner.com/hotel-grand-medspa-marienbad

 

Text: Monika Hamberger
Fotos: Rainer Hamberger

Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit
Routenplanung starten
Geschrieben von
Mehr von Rainer Hamberger

Highlights Hurtigruten – die 50 Ziele die Sie gesehen haben sollten

Von Thomas Härtrich und Thomas Krämer Es gibt nur wenige Fans des...
mehr lesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.