Unbedingt nach Aschheim reisen!

Er bewältigt die 18 Bahnen auf Krücken. Denn er besitzt nur ein Bein. Bei jedem Abschlag stellt er die Gehhilfen zur Seite. Schlägt auf einem Fuß stehend, balancierend und drehend mit dem Driver. Bis zu 280 Meter weit. Manuel De Los Santos besitzt ein Handicap von 3 und er spielt es auch. Wer den 31jährigen farbigen Ex-Baseballer aus der Dominikanischen Republik, der sein Schicksal durch einen Unfall erlitt, live erleben will:

Von morgen Freitag 10. bis Sonntag 12. Juli finden beim Golfclub Aschheim bei München die 2. HypoVereinsbank Internationalen Bayerischen Meisterschaften für Golfer/innen mit Behinderung statt. Manuel De Los Santos wird der Star unter den 56 Teilnehmer(inne)n aus zehn Nationen sein. Und der Titelverteidiger. Eine Reise nach Aschheim, um nicht nur ihn, sondern ALLE Athlet(inn)en zu sehen, erscheint ausgesprochen empfehlenswert.

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Foto:
Manuel De Los Santos in Aktion

Fotocredit & Copyright:
Bayerischer Golfverband BGV

Text:
Jupp Suttner

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„Gespielt wird in sieben verschiedenen Schadensklassen“, so Dr. Werner Proebstl, Vize-Präsident und zugleich Behindertenbeauftragter des Bayerischen Golfverbandes. Und lobt gleich den gastgebenden Club, der „großartige Arbeit“ leiste, um das Feld für dieses Event zu bestellen. „Denn man muss wissen“, weiß Proebstl, „dass es in ganz Deutschland keine drei Clubhäuser gibt, die barrierefrei sind – und auch nur ganz wenige Plätze, die für Behinderte geeignet sind.“

In Niederösterreich ist es auf alle Fälle jener des GC Lengenfeld, denn dort fanden Anfang Juni sowohl die Austrian Blind Open als auch die bereits 10. Internationalen Offenen Meisterschaften von Golfern mit Behinderung statt. „Sie gerieten“, so das Fachmedium GOLF WEEK, „zum großen Erfolg“.

Auch die Schweiz mischt ordentlich mit – und stellte beispielsweise letzten Herbst mit Rollstuhlfahrer Urs Bucher aus Nottwil den Sieger des größten Behinderten-Golfturniers der Welt, den Conrad International Disabled Open auf dem Platz des GC Schwanhof in der bayerischen Oberpfalz. Sogar eine internationale Serie existiert – die European Disabled Golf Tour mit Turnieren in Portugal, Dänemark, Frankreich, Tschechien, Finnland, Italien, Spanien und den Niederlanden.

„Wenn ich Golf spiele“, sagt der in Paris lebende Manuel De Los Santos, „dann vergesse ich mein Problem. Jeder Mensch muss etwas finden, bei dem er sich gut fühlt. Dann werden Unmöglichkeiten möglich. Beim Golf empfinde ich es so.“

Schließlich ist diese Sportart für Behinderte hochgradig geeignet. „Denn Golf fördert“, so der deutsche Neurologe und Rehablitations-Spezialist Dr. med. Philipp Pilz, „komplexe Abläufe des gesamten Bewegungsapparates. Es verbessert nachweislich die Koordination, die Visiokonstruktion und den mentalen Gesundheitszustand.“

Außerdem bestehe „ein sehr hoher Motivationsgrad im Vergleich zu herkömmlichen Rehabilitationsansätzen.“ Dadurch würden individuelle Erfolgserlebnisse „deutlich anschaulicher“. Und zwar, weil es nicht mehr um die zugrundliegende Erkrankung gehe, „sondern um die Fähigkeiten und die damit verbundenen Erfolgserlebnisse.“

Ein ganz besonderes Erfolgserlebnis wäre, wenn Golf als neue Sportart bei den Paralympics 2020 in Tokio vertreten wäre. Und Manuel De Los Santos – Olympiasieger werden könnte.

Jupp Suttner

Infos:

www.bgc-golf.de (Behinderten Golf Club Deutschland)

www.golf-handicap.at (Behinderten-Golfclub Österreich)

www.plusport.ch (Schweizer Verband für Behindertensport)

www.edgagolf.com (European Disabled Golf Association)

www.americandisabledgolfersassociation.com (US-Verband)

 

 

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