Das sonnenverwöhnte Bad Häring bei Kufstein ist Tirols erster Kurort – mit Schwefelquelle, Bergbaugeschichte, sagenhaftem Panorama und einem Wellnesshotel auf Fünf-Sterne-Kurs. Ein Geheimtipp, der noch wirklich einer ist.
Hand aufs Herz: Wenn Urlauber an Tirol denken, fällt ihnen Innsbruck, Kufstein, Kitzbühel, und das Zillertal ein. Vielleicht noch der Wilde Kaiser. Aber Bad Häring? Stille. Schulterzucken. Ein leises: „Wo soll das sein?”
Dabei liegt dieser kleine Ort auf seinem sonnenverwöhnten Hochplateau auf 650 Metern – zwischen Wörgl und Kufstein, mit ergreifendem Blick über das Inntal und die Tiroler Bergwelt – und wartet seit Jahrzehnten geduldig darauf, entdeckt zu werden. Wer ihn kennenlernt, kommt wieder. Wer ihn nicht kennt, hat schlicht noch nicht aufgepasst. Die klassischen Zutaten für einen Geheimtipp …
Vom Knappendorf zum Kurort – eine Geschichte mit Umwegen
Bad Häring hat eine Biografie, die kein Drehbuchautor besser erfinden könnte. Zuerst, ab dem 18. Jahrhundert, wurde hier Braunkohle aus dem Boden gebuddelt– der einzige Kohlebergbau Tirols überhaupt. Nebenbei erfand man 1838 den ersten Zement auf dem europäischen Festland. Gottfried Unterberger brannte in diesem Jahr erstmals auf dem Kontinent Zement – bis dahin wurde dieser nur in England hergestellt. Bad Häring, Wiege der kontinentalen Zementindustrie. Das steht in keinem Reiseführer. Zu Unrecht.
Und den Titel „Kurort” trägt Bad Häring nicht als dekorativen Zusatz im Ortsnamen, sondern hat ihn sich redlich verdient – und zwar auf Basis einer Geschichte, die man sich nicht ausdenken könnte. Die erste Schwefelquelle wurde bereits im 17. Jahrhundert entdeckt. Dann kam der Bergbau. Und als die Kohle 1955 zur Neige ging und das Dorf drohte, sich in eine stille Randnotiz der Tiroler Geschichte zu verwandeln, passierte etwas Unerwartetes: Aufgrund dauernder Grubenbrände waren die stark schwefelhaltigen Quellen so stark erwärmt worden, dass sie warmes Wasser lieferten. Man begann zu graben – und fand Heilwasser. Bereits 1951 war eine schwefelhaltige und gesundheitsfördernde Quelle entdeckt wurden. Der ist es zu verdanken, dass Häring seit 1965 den Beinamen „Bad” trägt. Das einstige Knappendorf wurde kurzerhand zum Kurort umgebaut und darf sich seit 1996 auch so nennen. Die Bergleute tauschten den Helm gegen den Bademantel. Und Tirol hatte seinen ersten Bäder-Kurort.

Auf der Sonnenseite des Inntals
Wer Bad Häring zum ersten Mal anfährt, ist überrascht. Nicht von lauter Grandiosität, sondern von stiller Schönheit. Am Sonnenplateau oberhalb von Kufstein am Fuße des Pölven gelegen, bietet Bad Häring sagenhafte Ausblicke über das Inntal – an klaren Tagen bis weit in die Zentralalpen. Die Sonne scheint hier länger als im Tal, die Luft riecht nach Wald und Wiese, und die traditionellen Tiroler Bauernhöfe mit ihren blumengeschmückten Balkonen versprühen eine Gemütlichkeit, die man in größeren Orten vergeblich sucht.

3.000 Einwohner, kein Rummel, keine Après-Ski-Meile. Dafür ein Wasserfall, zu dem es von der Ortsmitte aus in zehn Minuten zu Fuß geht, ein Haslacher Moor mit Wasserlilien und dem fleischfressenden Sonnentau – und eine Kneipp-Anlage direkt am Bach, an der man barfuß durchs eiskalte Wasser watschelt und sich dabei sehr tugendhaft fühlt.
Schwefel, Gesundheit, Seelenfrieden
Das Herzstück ist die Schwefelquelle, die man hier schlicht „Häringer Gold” nennt. Zu Recht: Die Schwefelquelle in Bad Häring zählt heute zu den stärksten in Österreich – mit einem außergewöhnlich hohen Gehalt an Schwefel und Mineralstoffen, der ihr den Status einer offiziell anerkannten medizinischen Naturressource eingebracht hat. Schwefelwasser hilft bei Rheuma, Arthrose, Schädigungen der Bandscheibe und des Bewegungsapparats, bei Gicht und Osteoporose und verschiedenen neurologischen Erkrankungen. Klingt nach Großelternurlaub? Falsch gedacht. Zu den Therapien gehören neben Gymnastik, Massagen, Bädern und Packungen auch Carbovasal, Gamma Swing, Ganzkörperkältetherapie und Lasertherapie.
Bad Häring ist in Sachen Gesundheit ernster zu nehmen, als der blumengeschmückte Dorfcharme vermuten lässt. Das Vivea Gesundheitshotel etwa nutzt die Quelle für moderne Therapiekonzepte. Das Rehabilitationszentrum der AUVA – 1973 eröffnet und zwischen 2005 und 2011 saniert – zählt zu den renommiertesten seiner Art in Österreich. Dort arbeiten Spezialisten, die man sonst in Universitätskliniken sucht.
Wer lieber auf eigene Faust kuriert, dem empfiehlt sich der „Rück-Dich-Gesund-Pfad” mit zehn Stationen und 23 Übungen, die die Haltemuskulatur kräftigen und dehnen – oder gleich das Kneippbecken beim Wasserfall, mitten im dichten Mischwald von bemoosten Findlingen und Wurzelstufen umgeben, wo ein Pölvenbach über zwei Steinstufen stürzt und sich direkt vor dem perlenden Wasservorhang eine Holzbrücke bergwärts spannt. Mystisch, erfrischend, kostenlos.



Und dann ist da noch das Hotel Panorama Royal, das dem Kurort eine ganz eigene Dimension gegeben hat: Gründer Peter Mayer hat aus persönlicher Überzeugung und nach Jahren im Kloster ein Wellnessresort erschaffen, das sich nicht als Schönheitsfarm, sondern als Heilsort für die Seele versteht. „Our Way of Healing” – jahrhundertealtes Wissen, kombiniert mit westlicher Medizin, QiGong und Herzmeditation.




Was sonst noch in Bad Häring wartet
Bad Häring ist beileibe kein Ort, der sich aufdrängt. Er lässt sich entdecken – auf dem drei Kilometer langen Gesundheitsweg „Erlebnis der Sinne“, der durch Wald und Wiese führt und an Kraftplätzen vorbeikommt, die selbst eingefleischte Skeptiker zum Innehalten bringen. Oder auf dem Bergbau-Themenweg, der die Geschichte der Knappen lebendig macht. Oder ganz einfach auf einer Bank mit Blick über das Inntal – Kaffee in der Hand, kein WLAN in Sicht, und das absichtlich so.

Wer mehr als Stille will, ist in 15 Minuten in Kufstein – Tirols zweitgrößter Stadt mit mittelalterlicher Festung, lebhafter Innenstadt und jenem alpinen Flair, das italienisch anmutet und trotzdem unverkennbar österreichisch ist. Die Swarovski Kristallwelten in Wattens sind ebenfalls einen Abstecher wert, ebenso die Riedel-Schauglashütte, die dem Erfinder des funktionalen Weinglases gewidmet ist.
Abschließende Gedanken
Bad Häring ist der Beweis, dass die schönsten Orte oft die sind, auf die niemand zeigt. Kein Skikarussell, keine Promis, keine Warteschlangen. Dafür echte Gastfreundschaft, heilsames Wasser, ein Panorama, das den Atem verschlägt – und die stille Gewissheit, etwas entdeckt zu haben, dass die meisten noch nicht kennen. Und vielleicht wird das Schwefelwasser in absehbarer Zukunft noch um Wein ergänzt. Daniel Mayer, Junior-Chef des Hotels Panorama Royal hält das jedenfalls für möglich.
Wer weiß: Vielleicht ist das der eigentliche Luxus.
Drei Gründe, in Bad Häring Urlaub zu machen
1. Hier heilt noch etwas. In einer Zeit, in der jedes zweite Hotel das Wort „Wellness” im Namen führt und darunter einen Whirlpool und zwei Aromakerzen versteht, ist Bad Häring ein ehrlicher Ort. Seit mehr als 70 Jahren sprudelt die schwefelhaltige Heilquelle und schenkt der Region ihre besondere Heilkraft. Das Kurzentrum, das Vivea-Hotel, das AUVA-Reha-Zentrum, das Panorama Royal mit seiner QiGong-Philosophie – das ist kein Marketing-Cluster, sondern gewachsene Substanz. Wer herkommt, um sich zu erholen, erholt sich wirklich.
2. Die Sonne scheint länger als im Tal. Während Kufstein und das Inntal im Herbst und Winter wochenlang unter dem Nebel verschwinden, liegt Bad Häring auf seinem Sonnenplateau in 650 Metern Höhe oft strahlend hell darüber. Südexposition, Höhenlage, freie Sicht – die Geografie arbeitet hier für den Urlauber, nicht gegen ihn. Wer das einmal im November erlebt hat, bucht noch schnell im Oktober.
3. Es ist noch nicht überlaufen. Klingt banal, ist es aber nicht. Bad Häring hat keine Warteschlangen, keine überfüllten Berghütten, keine Touristenmeilen. Dafür hat es echte Tiroler Gastfreundschaft, einen idyllischen Ort ganz im Zeichen von Gesundheit, Ruhe und Erholung. Wer Kitzbühel kennt und Bad Häring nicht, hat die ruhigere, ehrlichere und – Achtung, These – schönere Seite Tirols noch nicht gesehen.
Wer sich in Bad Häring besonders wohlfühlen wird
Ausruhende – Menschen, die echte Stille suchen und nicht die Stille, die auf Instagram wie Stille aussieht.
Kurpatienten und Genesende – dank des vollständigen medizinischen Angebots von Schwefeltherapie über Kältekammer bis Lasertherapie, alles an einem Ort.
Wellness-Skeptiker – weil Bad Häring Heilung mit Substanz bietet statt mit Imagebroschüren.
Naturliebhaber – Wasserfall, Haslacher Moor, Gesundheitsweg, Barfußparcours, Wald, Wiesen, Inntalblick. Die Natur erledigt hier viel von der Arbeit.
Gourmets mit Hang zur Tiefe – wer tagsüber beim QiGong im Panorama Royal war und abends im Atelier Freund-Schafft sitzt, hat einen nahezu perfekten Tag hinter sich.
Alle, die München kennen – der Bahnhof Kufstein ist von München in knapp einer Stunde erreichbar. Bad Häring ist näher als manches bayerische Wochenenddomizil – und deutlich ruhiger.
Menschen in der Lebensmitte, die neu justieren wollen – Peter Mayer , Hotelchef im Panorama Royal hat es selbst getan. Und ein Hotel daraus gebaut.
INFO & ANREISE nach Bad Häring
Bad Häring, 6323, Tirol, Österreich Lage: Hochplateau auf 650 m, zwischen Wörgl und Kufstein Anreise: Bahn bis Kufstein oder Wörgl, dann Regiobus 4026 bis Bad Häring Dorf. Mit dem Auto: Ausfahrt Wörgl-Ost oder Kufstein-Süd, ca. 10 Minuten ins Plateau. Tourismusverband: Kufsteinerland – www.kufstein.com
Highlights: Schwefelquelle & Kurzentrum · Gesundheitsweg „Erlebnis der Sinne” · Bergbau-Themenweg · Haslacher Moor · Wasserfall · Hotel Panorama Royal (Wellness & 3-Hauben-Küche) · Vivea Gesundheitshotel · Ausflug Kufstein (Festung, Innenstadt)



