Peripherien werden Zentrum Esch2022 – Europäische Kulturhauptstadt

Esch2022 huet eng Rei Projete virgestallt, fir d’Regioun opzewäerten a bei senger nohalteger Entwécklung ze ënnerstëtzen.“

Die Zweiten werden die Ersten sein.

2022 wird Esch-Alzette, gelegen im äußersten Süden, mit gut 36 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Luxemburgs, zusammen mit den 10 Luxemburger Gemeinden des Verbands Pro-Sud sowie den im äußersten Norden gelegenen 8 französischen Gemeinden der „Communauté de Communes Pays Haut Val d’Alzette“ (CCPHVA) den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt tragen. Die in den beiden Ländern (etwas abgelegen) an den Peripherien situierten Einheiten werden somit Kulturzentren. Esch teilt sich diesen Titel mit den Partnerstädten Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens, sowie Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens. „Die Kulturhauptstadt Europas ist ein Titel, der jährlich von der Europäischen Union vergeben wird. Die Benennung soll dazu beitragen, den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und ein besseres Verständnis der Bürger Europas füreinander zu ermöglichen.“ Jedes Jahr wird diese Bezeichnung einer anderen Stadt oder Region in der Europäischen Union verliehen.

Das kulturelle Programm.

In Esch Belval wurden in der „Rockhal“, Luxemburgs größter Show- und Konzert-Location an der Avenue du Rock, ganz in der Nähe der Av. d. Swing, Av. d. Blues, Boulevard du Jazz, etc. die geplanten Aktivitäten vorgestellt. Sam Tanson, Ministerin für Kultur, Georges Mischo, Präsident von Esch2022, Nancy Braun, Director of Esch2022, Françoise Poos, Cultural Programme Director at Esch2022, Claude Turmes, Minister für Raumentwicklung und Andere betonten in ihren Reden, das das kulturelle Programm ein lebendiges Spiegelbild der kulturellen Vielfalt des Luxemburger Südens und dem angrenzenden Teil Frankreichs sein wird. Dieses umfasst die Disziplinen der darstellenden Kunst, Tanz, Theater, Musik, Bildende Kunst, Architektur, Design, Kulturerbe, Literatur, Audiovisueller Film, Junges Publikum und Multidisziplinäres.

Unter dem Leitmotiv „REMIX Culture“ und seinen vier Unterkategorien „REMIX Art“, „REMIX Europe“, „REMIX Nature“ und „REMIX Yourself“ feiert Esch2022 die Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer grenzüberschreitenden Region mit rund 160 Projekte und mehr als 2000 Events. Die gemeinnützige Vereinigung Esch2022 will so Synergien schaffen, eine nachhaltige Entwicklung garantieren und –vor allem– die Öffentlichkeit zur aktiven Teilnahme bewegen. Es soll es ein Leuchtfeuer für Kultur, Nachhaltigkeit, Tourismus, Austausch und Begegnungen werden, ein Spiegelbild der kulturellen Vielfalt der Grenzregionen, die doch irgendwie zusammen hängt. Wenn man hier in der Gegend unterwegs ist weiß man zuweilen nicht, ob man gerade in Luxemburg oder Frankreich ist, das ändert sich oft mehrmals nach wenigen Metern.

Transformation der roten Erde in eine grüne Zukunft.

Wie überhaupt sich der Luxemburger Süden seit Jahren wandelt, eine Transformation von der früheren Minen-Gegend mit riesigen Stahlwerken und anderen Relikten der Eisenindustrie, in eine futuristisch-moderne Öko-Lebenswelt. Besonders prägnant zu sehen in Esch-Belval. Gut, dass man die Relikte erhalten und klug, modern und funktional mit neuen Bauten ergänzt hat. Es empfiehlt sich die 40 m hoch auf die Aussichtsplattform des gigantischen Hochofens eines früheren Stahlwerkes zu klettern. Ringsherum ist eine neue Stadt entstanden, diverse Wohngebäude, eine Universität, Forschungseinrichtungen, Sportanlagen, Einkaufszentren und vieles mehr haben hier ein neues –und sogar schönes- Zuhause gefunden. Schon sehr beeindruckend was da gebaut wurde und wie man die früheren Industrieteile, mit viel Liebe bis in die kleinsten Details, in eine neue lebendige Umwelt integriert hat. Ein kleineres Stahlwerk ist in Belval noch in Betrieb, was man besonders nachts manchmal sehr laut hört.

Im Minett Park Fond-de-Gras.

Eine ca. 35 km lange Route verbindet 5 Standorte mit unterschiedlichen Ausrichtungen und führt durch die Geschichte der luxemburgischen Stahlindustrie. Im Industrie- und Eisenbahnpark in Fond-de-Gras, an der Eingängen in die ehemaligen Erzminen, hat man technische Relikte aus der damaligen Arbeitswelt gesammelt und dekorativ drapiert, gut dass man die, oft sehr voluminösen Teile nicht einfach weggeworfen hat, beeindruckend sind sie allemal.

Eisenbahnfans kann man total begeistern in einem alten Lokschuppen, was da an historischem Gerät versammelt ist, ist schon bemerkenswert. Tatsächlich fahren viele der alten (Dampf)Loks auch wieder über längere Strecken, sogar nach einem regelmäßigen Fahrplan zwischen Mai und September. Es gibt ein altes Elektrizitätswerk, einen Bahnhof, einen historischen Kaufladen, ein Museum für Fossilien und Mineralien und „Bei der Giedel“ wirklich gutes Essen im alten Gemäuer eines früheren Arbeiterwohnheimes. Locker kann man im Park und Umgebung mit der Familie einen ganzen Tag oder länger abwechslungsreich mit kurzen Wegen verbringen. Oder ganz extensiv gute 90 km wandern oder 150 km mit dem Rad fahren, dabei in 11 völlig unterschiedlichen bzw. sehr ungewöhnlichen Quartieren übernachten, wenn sie denn mal alle fertig gebaut sind.

Kultureinrichtungen die schon da sind oder noch kommen.

Bereits jetzt sind diverse Kultureinrichtungen entstanden, neue Räume der Kreativität, Kultur und sozialen Integration. Das regionale und grenzüberschreitende multidisziplinäre Kulturzentrum „L’Arche“ in Micheville in der CCPHVA in Frankreich ist Teil einer Entwicklung unter der Leitung des Etablissement Public d’Aménagement Alzette-Belval, es spiegelt sozusagen die bedeutende Entwicklung der Region Belval im Süden Luxemburgs. Ziel ist es, dieses Kulturzentrum für digitale Künste und seine Verbindung zur darstellenden Kunst in Live-Auftritten, Events, für Bildung, Ausbildung, Vorproduktion, Produktion, Postproduktion, sowie Vertrieb, Projektionen, Ausstellungen und andere digitale Installationen zu etablieren und dort künstlerische Projekte umzusetzen. Der klug geplante Mehrzweckbau mit beeindruckender Variationsbreite ist fast fertig, der Bau des künftig umgebenden Öko-Stadtviertels hat gerade begonnen.

Die „KUFA“ –Kulturfabrik- ist ein Kulturzentrum in Esch, in den Gebäuden der ehemaligen städtischen Schlachthöfe von 1885. Es gibt zwei große Säle, eine Galerie, ein Kino, ein Bistro und mehrere Probe- und Arbeitsräume. Sie ist ein sozial engagierter Ort der Begegnung, offen für Publikum, Künstler, Interpreten und Vereinigungen. Die Programme sind vielfältig und umfassen Konzerte, Festivals, Theater, Kino, Bildungsprojekte, Literatur und vieles andere mehr. Für Künstler bieten sie auch einen vorübergehenden Wohnsitz. Die Mauern der Gebäude sind mit rund 50 Werken der Street-Art-Kunst geschmückt. Absolut besuchenswert um etwas zu essen oder zu trinken ist in der KUFA die „Brasserie K 116“, ein origineller Ort mit trendiger Industrieatmosphäre. Hier kann man wirklich gut essen, ein Blick in die fein sortierte Weinkarte lohnt sich. Kreativen Flair bringt die 124 Quadratmeter große Bodenmalerei des lokalen Künstlers Jo Malano auf der Terrasse im Zelt nebenan, welche den neuen Außenbereich ideal in das Konzept des kulturellen Zentrums der Escher Kulturfabrik integriert.

Escher Theater, Ariston und Konschthal.

Das „Escher Theater“ ist ein Gastspiel- und Produktionstheater, seit 2018 unter der Leitung von Carole Lorang. Es betont seine grenzüberschreitende und multikulturelle Ausrichtung durch ein mehrsprachiges Programm, mit Aufführungen in französischer und deutscher Sprache. Das „Ariston“, ein 1960 erbautes ehemalige Kino, wird zur Zeit noch baulich und energetisch saniert und zu einer neuen Kulturstätte mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater umstrukturiert. Die Möglichkeit zur Filmvorführung bleibt dabei bestehen. Die Eröffnung ist für 2022 geplant, damit der neue Theatersaal bereits im Kulturjahr „Esch2022“ genutzt werden kann. Ein ehemaliges Möbelhaus hat die Stadt Esch 2020 erworben, um es in die „Konschthal“ umzuwandeln und so mehr Raum für zeitgenössische Kunst zu gewinnen. Ähnliche Projekte sind das „Bridderhaus“, sowie die Sanierung der zukünftigen Ausstellungsräume Möllerei und Massenoire im Viertel Esch-Belval und ein neues Museum in Kayl zur Erforschung der Arbeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Übrigens ist es im ganzen Land sehr einfach, von einem Ort zum Anderen zu kommen, überall gibt es gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel. Das Beste daran: seit 2020 sind alle öffentlichen Verkehrsmittel, wie Busse, Züge und die brandneue Straßenbahn, in ganz Luxemburg kostenlos!

Offizielle Stellungnahmen führender Persönlichkeiten.

“Unsere Vision für Esch2022 ist eng mit der europäischen Idee verbunden. Mit dem Projekt Esch2022 wollen wir den Menschen die Instrumente an die Hand geben, die sie brauchen, um gemeinsam eine Zukunft mit einer starken Gemeinschaft und multikulturellem Austausch zu gestalten. Durch einen offenen Dialog und ein neues Gefühl der Zugehörigkeit möchten wir, dass das gesamte Minett-Gebiet seiner einzigartigen europäischen Identität und aller damit verbundenen Möglichkeiten bewusst wird. Neue Perspektiven werden ebenfalls durch die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Europäischen Kulturhauptstädten Kaunas 2022 und Novi Sad 2022 geschaffen”, so Nancy Braun, Generaldirektor von Esch2022.

 

Esch2022, das sind 19 Gemeinden, verbunden in einer Europäischen Kulturhauptstadt, vereint um ein Thema: Kultur als grundlegender Ausdruck dessen, was die Region definiert und was ihre Zukunft ausmacht. Wir möchten sowohl den Bürgern der Region als auch den internationalen Besuchern inspirierende Erlebnisse bieten, die über unsere materiellen Bedürfnisse hinausgehen und Kunst, Kreativität und Kultur zelebrieren, von Vorzeigeausstellungen und Festivals bis hin zu integrativen Gemeinschaftsprogrammen“, sagt Françoise Poos, Cultural Programme Director.

Durch die Schaffung der Grundlage für einen langfristigen kulturellen, städtischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel einer ganzen Region, die eine europäische Vergangenheit und Identität teilt, ist Esch2022 ein wahrhaft europäisches Projekt, bei dem die Kultur der Eckpfeiler und der Hauptmotor einer gemeinsamen, vereinigenden Vision ist“, meint Sam Tanson, Ministerin für Kultur im Großherzogtum Luxemburg.

Kultur ist zweifelsohne eine der Säulen, die die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger verbessert. Und diese steht im Mittelpunkt aller Überlegungen und Maßnahmen unseres Ministeriums“, sagt Claude Turmes, Minister für Raumentwicklung im Großherzogtum Luxemburg.

Mein Fazit.

Die Europäische Kulturhauptstadt Esch2022 legt den Schwerpunkt auf die „Moderne“, auf zeitgenössische Kunst an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft. Das ist interessant, schön und lobenswert. Aber mir persönlich fehlt doch ein wichtiger Bestandteil, ein Einbeziehen der „Klassik“ mit all ihren wunderbaren Facetten. Auch im Hinblick darauf, das „Neues“ gar nicht ohne „Altes“ möglich ist. Vielleicht hat man sich etwas zu einseitig konzentriert und positioniert und so ein profundes und reiches Potential, das hier in Luxemburg unbestritten auch vorhanden ist, vielleicht etwas zu leichtfertig, außer Acht gelassen. Eigentlich schade.

Mehr unter: https://esch2022.lu

Text und Fotos © Wolfgang Grüner

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