Muezzin und Russen-Disco

Blick vom Pool auf das Hauptgebäude des Mövenpick Resort Soma Bay

Skifahren oder Sonne tanken – die Entscheidung in den Wintermonaten fällt nicht leicht. Wer sich für Wärme und Strand entscheidet, muss mit dem Flieger ein paar Stunden Richtung Süden. Beispielsweise nach Ägypten an das Rote Meer, wo neben beständigen Wetter auch günstige Pauschalen zu haben sind.

Von GERHARD FUHRMANN

Foto oben:
Blick vom Pool auf das Hauptgebäude des Mövenpick Resort Soma Bay

Die Weihnachtstage wie letztes Jahr – Essen, Reden, Essen, Fernsehen, manchmal bewegen und draußen kein Schnee. Vom Wetter her konnte man es daheim aushalten. Keine Gehwege räumen, keine Scheiben kratzen, keine dicken Klamotten und Strick-Mützen. Eigentlich braucht es keine Veränderung – aber ein „Sonnenkind“ wie ich schon. Also wohin? Wo ist es schon warm? Wo und wann ist es nicht zu teuer? Günstige Pauschalen sind nach den Winterferien am ehesten im Angebot. Wegen Wärme bleibt alles südlich vom Mittelmeer übrig. Die Wahl fiel auf Ägypten – genauer gesagt das Rote Meer. Sein angenehmes Klima Anfang Januar kannte ich von vergangenen Reisen. Doch diesmal sollte es nicht wieder Makadi Bay sein. Aber welche Alternative? Mir fielen die Plakate des deutschen Reiseveranstalter FTI, dem Ägypten-Spezialisten, ein. Die zeigten Soma Bay. Darüber hatte ich bereits Positives gehört und gelesen. FTI-Katalog geholt, verglichen und das Mövenpick Resort Soma Bay gebucht. Das managt der Schweizer Konzern, bekannt durch Kaffee, Eis, Marmelade und Schokolade.

Bei deutlichen Minus-Temperaturen Start in München und nach 4,5 Stunden landet abends der Flieger in Hurghada. Der Wind pfeift übers Rollfeld – draußen sollen es 15 Grad (Aussage des Kapitäns) sein. Einige Reisende tragen Anoraks, Optimisten dagegen kurze Hosen und T-Shirts. Bei Passkontrolle und Gepäckband schnelle Abfertigung und schon eskortiert der Reiseleiter die Meute zum Bus. Gespräche ergeben, dass fast jeder in einem anderen Hotel wohnt. Das wird dauern. Über die Autobahn Richtung Safaga und nach 45 Kilometer fährt der Bus bei Soma Bay ab. Dann mehrere Stopps ­-  bei den Hotels Sheraton, Cascades und Breakers steigen bis auf mich alle Gäste aus. „Wir müssen wieder auf die Autobahn zurück“ erklärt der Reiseleiter und „in 15 Minuten ist das Mövenpick Resort erreicht. Das liegt in Abu Soma und gehört zur Region Soma Bay.“ Rundherum tiefschwarze Nacht, darüber ein nicht enden wollender Sternenhimmel („Wo ist das Meer? Wohnt hier eigentlich jemand?“). Plötzlich Lichter in Sicht und der Bus passiert die von beleuchteten Palmen flankierte Einfahrt.

Gepäck raus und Einchecken – in einer pompösen Halle mit Ledersitzgruppen, auf denen Japaner im Anorak(!) sitzen und russische Eltern versuchen, ihre Kinder in Zaum zu halten. Kurzes Formular-Procedere an der Rezeption (bekomme sechs Gutscheine für Mövenpick-Eis) und gleich ins Zimmer. Sehr geräumig, große Dusche, separates WC, Flatscreen-Fernseher, genügend Schränke und Regale, Kühlschrank sowie Wasserkocher mit genügend Tee- und Kaffeevorrat. Keine schlechte Wahl getroffen.

Am frühen Morgen bereits praller Sonnenschein im Zimmer. Gleich inspizieren, was bei der Ankunft nicht „sichtbar“ war. Mir gehört eine sehr große, wind geschützte Terrasse mit beidseitig bequemen Stoffliegen zum Relaxen. Von dort Aussicht auf Garten mit Lagune, die mehrere Holzbrücken überspannen. Anschließend Pools und weiter entfernt Sonnenschirme. Da muss das Meer sein.

Kommt später dran – rein in T-Shirt, Bermudas und erstmal im Hauptrestaurant „Bay View“ frühstücken. Das Ambiente sehr „minimalistisch“ – was Möblierung und Dekoration betrifft. Beim Speisen-Angebot keine Kritik: Es gibt Müsli, Joghurt, Obst, Brot, süße Teilchen, Waffelbäckerei, Käse, Wurst, Marmeladen (von Mövenpick!) und die obligatorischen Eierspeisen sowie Würstchen und Speck. Draußen auf der schattigen Terrasse sitzt keiner – es ist noch zu kalt. Drinnen der Service sehr freundlich und schnell.

Mal sehen, was im Hauptgebäude geboten wird. Ein Gang führt vorbei an Internet-Corner (Nutzung umsonst), Konferenz-Center, zu mehreren Boutiquen, Apotheke und endet in der eleganten Soma-Bar mit kleiner Außenterrasse. Zurück in der Halle fällt der Blick auf das „Guest Relation“-Schild. Am Schreibtisch begrüßt Andrea Buchet auf Deutsch. Sie kommt aus Berlin und nennt wichtige Hotel-Informationen: Insgesamt 419 Zimmer und Suiten mit derzeit „nur“ 100 Gästen (darunter viele Deutsche); im Hauptrestaurant „Bay View“ gibt es Früh-, Mittags- und Abend-Büffets (weil All inclusive) mit sehr langen Öffnungszeiten; dass ein Dinner im A-la-Carte-Restaurant „Il Pesce“ nahe dem Strand umsonst ist; dass einer der drei Pools gerade beheizt wird; in der Lagune Badeverbot gilt; dass die Meeres-Temperatur 19 Grad beträgt; Open-Air-Theater und überdachter Aerobic-Platz geschlossen sind; die Fahrt zum Cascades-Golfplatz in Soma Bay 25 € kostet (Greenfee ab 45 €) und dass am nächsten Tag ein Bus-Shuttle für zehn € nach Hurghada fährt.

Bin dabei – und frage nach einen Tennispartner wegen der zwei Sand-Plätze. „Kein Problem, unser Recreation-Manager Mohamed Mosaad ist leidenschaftlicher Spieler und zudem steht noch Taha, der einheimische Trainer, für 15 €/Stunde zur Verfügung. Der Platz ist umsonst.“ Andrea telefoniert und Mohamed sagt zu für ein Match am Nachmittag.

Bis dahin genügend Zeit für einen Rundgang. Vom Haupthaus öffnen sich beidseits die dreistöckigen Wohntrakte U-förmig Richtung Meer. Von deren unterschiedlich großen Balkone und Terrassen direkter Blick über Lagune, Sport- und Relaxbecken mit teils überdachten Liegeflächen. Ein Gag: Im Sportpool eine Bar mit Hockern im Wasser. Kurzer Stopp beim Kids-Club-Rundbau (Betreuung von 5- bis 12-Jährigen; 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet) mit separaten kleinen Schwimmbecken. Auf der gegenüberliegenden Seite ein Beach-Soccer-Feld und das Wellness-Center Horas. Da spricht mich ein Angestellter an. Auf Englisch wirbt er für zwei Saunen, Dampfbad, Hamam, Massagen, Kosmetik, Friseur und Fitness-Studio, die alle von 9.30 Uhr bis 19.30 Uhr offen sind und „dass für alle Anwendungen Sonderkonditionen gelten.“ Vertröste ihn auf morgen.

Vorbei am Open-Air-Restaurant „Al-Jazeerah“ (geschlossen) und Spezialitäten-Lokal „Il Pesce“ der Strand mit windgeschützten Liegen und Sonnenschirmen. Gleich die kostenlosen Badetücher holen und nach vorn in die erste Reihe. Wenig Leute da – deshalb genügend Platz und angenehme Ruhe. Aber nur von kurzer Dauer. Aus verschiedenen Richtungen scheppern plötzlich aus Lautsprechern die monotonen Gesänge der Muezzine. Ist leider nicht das einzige Geräusch. Vom Hotel des Nachbargrundstücks stört eine kreischende Frauenstimme, die immer wieder mit „Dawei, Dawei“ (dt. Los, Auf gehts) anscheinend ihre russischen Gäste animiert. Eine lautstarke Discomusik versucht zusätzlich gegen die religiösen Melodien die Oberhand zu behalten. In meinen Ohren gewinnt das russische Duett. Dagegen helfen nur die Kopfhörer des iPod. „Hoffentlich ist das nicht jeden Tag so“ und nach einer gefühlten Stunde ist der Spuk vorbei.

Mal sehen, was an dem gepflegten, 350 Meter breiten und flach abfallenden Privatstrand noch geboten wird. Zum einen Nautic-Station mit Boards, Katamarane, Paddelbooten und Kitesurfen, zum anderen großes Beduinenzelt mit Andenken und Tee-Ecke (kostet was), kleine Strandbar mit Sitzen drinnen und draußen, Reitparcour, Quad-Veranstalter und vorübergehend geschlossenes Tauchcenter. Mehr „Sightseeing“ am Nachmittag. Zuerst eine Stärkung im Bay View Restaurant. Das Büffet gut sortiert mit Fisch, Fleisch, Nudeln, Suppen, Salatbar, einheimischen Spezialitäten und Nachtisch. Für mich leichte Kost, weil anschließend die erste Tennisstunde mit Mohamed auf dem Plan steht. Trotz böigen Wind a

nsprechende Ballwechsel und buchen für den übernächsten Tag gleich zwei Stunden. Was tun bis zum Abendessen? Strand, Pool, Terrasse? Hatte ich schon und entscheide für Sauna im Wellness-Center. Außer mir will niemand schwitzen und auch im offenen Atriumhof kein Mensch. Eine Tasse Tee auf der Liege, leise Musik und sternübersäter Abendhimmel – die Zeit vergeht wie im Flug. Fast hätte ich das Abendessen vergessen. Aber der Appetit siegt und probiere einheimische und internationale Gerichte sowie leckere Nachspeisen.

Um 7 Uhr raus aus den Federn und vor dem Frühstück in den Pool, wo ich bei angenehm temperierten Wasser alleine meine Bahnen ziehe. So kann ein Tag starten. Der setzt sich fort mit ersten Badeversuch im Meer. Bei Ebbe laufe ich weit raus und das Wasser geht trotzdem nur bis zu den Knien. Schwimmen nicht möglich. „Ob das bei Flut anders ist?“ In dem Augenblick das gleiche laute Szenario des Vortages: Muezzin und Disko – diesmal ohne „Dawei“. Laufe am Strand Richtung Krach. Der kommt vom „Caribbean World Resort“, wo an vorderster Reihe die Beats aus den Boxen wummern und vom Inneren der Hotel-Anlage dröhnt der Gesang eines Animateurs mit schreiender Gäste-Unterstützung. Nur schnell weg. Komme nicht weit, denn nach zirka 100 Meter versperrt mir die Security des angrenzenden Hotels den Weg. Es bleibt nur der Rückweg zum Liegestuhl und genieße Sonne sowie Wellenrauschen der einsetzenden Flut. Nach einer Stunde leichtes Brennen auf der Haut. Deshalb Abkühlung im menschenleeren Sportbecken. Da macht Schwimmen Spaß und endet mit einem Cocktail im Wasser an der Poolbar. Von da nur wenige Meter zum Wellness-Center und buche für den nächsten Morgen ein „Männer“-Package (50 €)

Am Spätnachmittag kein Tennis, dafür Ausflug nach Hurghada. Nach 45 Minuten Fahrt quält sich der Bus durch den Feierabend-Verkehr zur der größten Einkaufsstraße nahe der Marina, von der nach zirka vier Stunden die Rückfahrt geplant ist. Die sehne ich nach kurzer Zeit herbei. Der Verkehr laut und hektisch, jeder hupt, nimmt kaum Rücksicht auf Fußgänger und die Verkäufer der aneinander gereihten Geschäfte legen teilweise aggressives Verhalten an den Tag – mit Anfassen, Verfolgen oder abschätzenden Gesten (laut Andrea ist der Grund die ausbleibenden Touristen, vor allem der Russen). Bei dem einen oder anderen kurzer Halt und versuche ausdauernd zu handeln. Klappt und kriege ein paar Mitbringsel zum Spottpreis. Zum Abschluss noch ein Tee im Freien und dann schnell wieder mit den Bus zurück ins Hotel. Muss ich nicht noch einmal haben. Genieße dann die Ruhe beim Abendessen und einem Absacker in der Soma Bar. Die spätere Disco-Veranstaltung schenke ich mir – Musik gab es genügend am Strand.

Nach Schwimmen und Frühstück zum „Männer“-Termin im Horas-Wellness-Center. Abdul schiebt mich gleich in den Friseursalon. „Was soll das? Haare schneiden war nicht bestellt.“ Die Überraschung folgt. Ich werde rasiert – auf die klassische Art mit Schaum-Pinsel und Messer. Eine Premiere. Dann der Hammer: Abdul „rasiert“ mich nochmals, mit einem Bindfaden, den er wie ein Zauberer im Zusammenspiel mit Daumen, Zeigefinger und Mund über die Haut gleiten lässt (türkische Band Adazi Methode). Ich erfahre, dass es noch die Feuer-Version gibt, bei der die restlichen Barthaare abgeflammt werden! Bin froh, dass Abdul die nicht anwendet. „Feuerfrei“ dann weiter im Behandlungszimmer, wo er duftende Cremes und Öle auf Gesicht und Hals verteilt, einmassiert, abwäscht und wieder aufträgt. Dazwischen kurze Ruhepausen und nach einer Stunde ist alles vorbei und die Gesichtshaut weich wie ein Kinderpopo. „Ob es das bei uns auch gibt? Kann man sich daran gewöhnen.“

Nach dem „Jungbrunnen“-Erlebnis gleich in die Sonne. Kaum im Liegestuhl, kommt Besuch. Ein junges Mädchen im Animations-Outfit fragt auf Englisch, ob ich Lust auf Beachvolleyball hätte. „Ist nicht mein Ding“ und nutze die Gelegenheit zum Gespräch. Sie heißt Jelena und kommt aus der Ukraine. Ihre Kollegin und Kollege ebenso. Ein Tunesier und ein Ägypter ergänzen das Team. „Viel Personal für so wenig Gäste“ und Jelena erklärt, dass viel Überzeugung nötig sei, die wenigen Gäste aktiv mit „Soft-Animation“ zu beschäftigen. Gelingt nicht. Kein Ballspiel – ­nur zwei Kids spielen Boccia mit. Ich hole mir lieber in der Strandbar zwei Kugeln Eis für meine Gutscheine und möchte die andere Strandseite erforschen.

Bei Ebbe spaziere ich drei Kilometer auf Sandbänken mitten im Meer bis zum Steg des Amwaj-Resort. Dann ist die Zivilisation zu Ende. Der Rückweg führt entlang des teilweise vermüllten Strand – weil kein Hotel weit und breit. Deshalb sind die schroffen Bergketten des Roten Meer-Gebirges gut zu sehen, die entlang der Küste den Blick auf sich ziehen. Der Ausflug ist zugleich ein gutes Training für mein letztes Tennismatch am Nachmittag. Nach dem Mittagessen informiert eine Diashow in der Empfangshalle („habe ich noch gar nicht gesehen“), dass von 17 Uhr bis 18 Uhr in der Soma Bar ein Schokoladen-Büffet stattfindet. Direkt vom Tennisplatz rein in die Bar und genieße Schokoladen-Brunnen mit frischen Obst sowie Pralinen-Auswahl. Dazu frischer Minze-Tee – was für ein Highlight am letzten Tag.
gerhardfuhrmann@web.de


Hotel:

moevenpick-hotels.com

Veranstalter:
Eine Woche All Inclusive im Fünf-Sterne-Hotel Mövenpick Resort Soma Bay inklusive Flug ab/bis Deutschland und Transfers ab 596 Euro pro Person im Doppelzimmer
fti.de

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