[vc_row][vc_column][vc_column_text]Die Universitäts- und Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts Magdeburg, das wissen die meisten Sportfans, spielt derzeit mit seinen Fußballern und Handballern eine führende Rolle in ihren jeweiligen Profi-Ligen. Doch nicht nur als Sportstadt hat Magdeburg Herausragendes zu bieten. Auch als Reiseziel für Architektur-Interessierte bietet Magdeburg eine ausgezeichnete Vielfalt an Gebäuden unterschiedlichster Stilrichtungen, die einen Städtebesuch zum eindrucksvollen Erlebnis machen. Auf den Spuren der Architekturgeschichte vom Mittelalter bis zum Bauhaus und der Postmoderne findet man hier Zeugnisse einer besonderen Stadtentwicklung, die bis heute einen weltoffenen, Freiräume schaffenden Charakter aufweist.

Kreuzgang des Magdeburger Doms.

Der Dom zu Magdeburg

Am Magdeburger Dom kommt keiner vorbei, er strahlt auch im Winter, wenn Magdeburg zur Lichterstadt wird, eine besondere Atmosphäre der Erhabenheit aus. Er ist die erste fertiggestellte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden, erbaut ab dem Jahre 1207, geweiht 1363 und 1955 nach der Restaurierung 1955 wieder eröffnet. Der Dom zeigt sich als dreischiffige Kreuzbasilika  mit Umgangschor. Architektonische Besonderheiten stellen seine Strebepfeiler dar, die nicht als Bögen ausgelegt sind, der Chor, der den Querschnitt einer Emporenbasilika besitz, obwohl es über den Seitenschiffen keine Emporen gibt und das Langhaus. Es zeigt die Umkehrung des Gebundenen Systems, denn das Gewölbe des Mittelschiffs hat für jeden tragenden Arkadenbogen zwei Joche, dadurch steht jeder zweite Pfeiler der Gewölbe über dem Scheitel eines Arkadenbogens. Ein besonders schöner Ort für Besucher ist auch der romanische Kreuzgang, der eine kontemplative Ruhe ausstrahlt. Allzu oft wird im Zusammenhang mit der Epoche des Mittelalters vom 6. bis zum 15. Jahrhundert von einem „dunklen  Zeitalter“ gesprochen. Das trifft sicher auf zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen und grausame Rituale zu, doch es gab durchaus auch „helle“ Aspekte und beinahe romantische Umstände in all dem Machtstreben. Das waren noch Zeiten: Im Jahre 929 entsandte König Heinrich I. eine Delegation nach England, um eine Braut für seinen Sohn Otto finden zu lassen, der sein Thronfolger war.

Säulen im Kreuzgang.

Damit wollte er nicht nur seinen Sohn vorteilhaft verheiraten, sondern auch durch eine Hochzeit mit einer Vertreterin eines angelsächsischen Königshauses die Legitimation der noch jungen Königsherrschaft der Liudolfinger festigen. Ganz nebenbei wurde dadurch auch das ostfränkische mit dem westfränkischen Königtum auf eine Ebene gestellt, dessen König Karl bereits zehn Jahre zuvor eine angelsächsische Prinzessin geheiratet hatte. Das angelsächsische Königsgeschlecht von Wessex war mit einer großen Anzahl Prinzessinnen gesegnet, Otto als Thronfolger des Ostfrankenreichs ein durchaus attraktiver Schwiegersohn, darüber hinaus hatten beide in den Dänen einen gemeinsamen Feind. Aethelstan schickte daher sogleich zwei seiner Halbschwestern als mögliche Bräute zur Auswahl nach Sachsen, Editha und ihre ältere Schwester Edgiva. Otto entschied sich für Editha, Edgiva reiste mit ihrer Gesandtschaft weiter nach Burgund und heiratete dort den Bruder des Königs Rudolf II., wodurch wiederum die engen Bindungen der Liudolfinger zu den Rudolfingern verstärkt wurden.

Otto und Editha

Der Domplatz in Magdeburg im Lichterglanz.

Bei all diesen vor allem machtpolitisch motivierten Hochzeiten des Mittelalters blieb naturgemäß die Zuneigung der Partner auf der Strecke, meistens ging man sich aus dem Weg, zeigte sich nur zu offiziellen Anlässen gemeinsam. Es ging allerdings auch anders. So wird die Beziehung zwischen König Otto dem Großen und Editha als besonders liebevoll beschrieben, außerdem soll die Tochter Eduards des Älteren von Wessex und Enkelin Alfreds des Großen eine attraktive, gebildete und fromme Persönlichkeit gewesen sein, die auch im Volke sehr beliebt war. Kein Wunder also, dass Otto sie reichlich beschenkte: Editha erhielt als Morgengabe die Einkünfte aus den Ländereien um Magdeburg, die später den wirtschaftlichen Grundstock des Bistums Magdeburg bildeten. Und Magdeburg wurde zum Lieblingsort des Königspaares, dessen Glück tragischer Weise nur von kurzer Dauer war. 936 starb Heinrich I., Otto I. wurde in Aachen zum König gekrönt. Als Königin erfüllte Editha wichtige Aufgaben im Reich, widmete sich unter anderem der Rechtsprechung, förderte die Reichsklöster und kümmerte sich um die Memoria der Ottonen. Nur zehn Jahre später, im Jahre 946 starb Editha unerwartet, sie wurde 36 Jahre alt. Ihr Gemahl Otto soll sehr um sie getrauert haben. Tatsächlich gibt es auch frühere Belege, dass Otto seine Königin sehr schätzte. Als 939 ein Graf für seine Gefolgschaft das Kloster Lorsch forderte, in dem Editha sich aufhielt, soll er geantwortet haben: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen nicht vor die Säue werfen.“ Die Liudolfinger, die auch Ottonen genannt wurden, regierten im ostfränkisch-deutschen Reich noch bis 1024 durch die drei Kaiser Otto I., Otto II. und Otto III. Dier Ausflug in die Geschichte des Mittelalters zeigt deutlich, dass es sich im heutigen Sachsen-Anhalt und besonders in und um Magdeburg zahlreiche Spuren deutscher und europäischer Herrschafts- und Kulturgeschichte finden lassen. Da ist an erster Stelle der Magdeburger Dom zu nennen, in dem man das Grab Edithas und das in Stein gemeißelte Königspaar Editha und Otto des Großen bewundern kann. Und im Haus der Romanik bekommt man eine empfehlenswerte Einführung zur Straße der Romanik, zur Architektur jener Zeit und zu den Orten der Nord- und Südroute mit Magdeburg im Zentrum.

Moderner Innenhof in Magdeburgs Zentrum.

Der Ursprung des modernen Designs

Dreieck, Quadrat, Kreis: Ohne Design ist heute fast alles nichts. Ob Möbelkatalog, Reiseprospekt oder Turnschuh, pardon, Sneaker snatürlich, man kann sich nicht dem Eindruck entziehen, selbst die banalsten Gegenstände des Alltags brauchen Design und trendige Namen. Die fast schon inflationäre Verbreitung des Begriffs macht auch vor dem Tourismus nicht halt, warum auch. Man reist auf exklusiv „designten“ Routen, genießt kreative Menüfolgen im speziellen Restaurant-Ambiente und bettet sein müdes Haupt natürlich im Design-Bett samt Feininger-Druck auf dem Kopfkissen. Ein (Reise-)Leben ohne Design: Unvorstellbar. Doch woher kommt diese an sich brillante Idee, eine harmonische, ästhetische Einheit von Handwerk und Industrie, Kunst und Technik, Theorie und Praxis zu schaffen? „Bauhaus“ heißt das Zauberwort und in der Mitte Deutschlands, in Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen seine Wurzeln. In Weimar gründete Walter Gropius 1919 eine Schule, die weltweit zum Begriff für eine Revolution in der Kunst geworden ist. Kunst nicht als Selbstzweck, Technik nicht reduziert auf Funktionalität, sondern beides miteinander vereint, das war das Grundprinzip der Bauhaus-Künstler.

Der Magdeburger Reiter als Lichtgestalt.

Magdeburg als bunte Stadt

Magdeburgs Hermann-Beims-Siedlung.

Mit der Berufung des Architekten Bruno Taut zum Stadtbaurat entwickelte sich in den 1920er Jahren Magdeburg zum Zentrum innovativer Städtebauer, Architekten und Künstler, zu einer Stadt der Moderne. Es entstanden Siedlungsbauten, die aufgrund ihrer charakteristischen Farbigkeit durch den Architekten Carl Krayl Magdeburg den Beinamen „Die bunte Stadt“ einbrachten. Viele Bauten dieser Zeit sind erhalten, so das Stadthallen-Areal auf der Rotehorninsel an der Elbe, aber auch die Wohnsiedlungen, die in dieser Zeit entstanden. Bruno Taut sorgte gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einem Programm zur farbigen Bemalung von 100 Hausfassaden für internationale Schlagzeilen. Die Ende der 1990er Jahre rekonstruierten Wohnhäuser in der Otto-Richter-Straße geben noch heute einen eindrucksvollen Einblick in die experimentelle Farbigkeit der „bunten Stadt“. Taut war es auch, der den jungen Carl Krayl entdeckt hatte und den Architekten 1921 als engen Mitarbeiter ins Hochbauamt holte. Magdeburg, als erste Großstadt, die sich eindeutig modern definierte, sollte damit bereits zu diesem frühen Zeitpunkt zur Avantgarde der Moderne werden. Um die Wohnungsnot der frühen Zwanzigerjahre zu lindern, entstanden als farbenfrohe Alternative zu den grauen Gründerzeitbauten neue Siedlungen. Die meist drei- bis fünfgeschossigen Karree artigen Bauten sorgen mit Licht, Luft, und großzügigen Frei- und Grünflächen noch heute für eine moderne Lebens- und Wohnqualität. Mit den heute weitgehend sanierten Bauten im Stadtteil Cracau oder der Hermann-Beims-Siedlung in Stadtfeld befand sich das kleinere Magdeburg im Siedlungsbau der 1920er Jahre auf Augenhöhe mit Berlin und Frankfurt.

Magdeburgs Wissenschaftshafen.

Wissenschaftshafen und Hebewerk

Wasserbecken am Wissenschaftshafen.

Auch der Magdeburger Wissenschaftshafen entwickelt sich zu einer innovativen Triebfeder für Architektur, Forschung und Wirtschaftsentwicklung Magdeburgs. Die gelungene Symbiose von Glasfassaden und historischer Bausubstanz im Zusammenspiel mit dem Hafenbecken der Elbe lässt eine Aufbruchsstimmung entstehen, in der sich nicht nur moderne Startups wohlfühlen können. Dabei wirkt dieses Viertel nicht abgetrennt vom Rest der Stadt, nicht zuletzt durch eine gute Verkehrsanbindung und seine großzügig ausgelegte Elbpromenade. Geht es nach der Landesregierung Sachsen-Anhalts, soll auch das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee UNESCO-Weltkulturerbe werden. Völlig zu Recht, denn die Anlage ist ein außergewöhnlich wertvolles Technik- und Industriedenkmal.

Farbenfroher Gebäudeeingang am Wissenschaftshafen.

Jedes Denkmal, das den Status eines UNESCO-Welterbes erringen will, muss jedoch zunächst einen Platz auf der deutschen Vorschlagsliste für die UNESCO erringen. Diese wird derzeit durch die Kultusministerkonferenz neu zusammengestellt. Hierzu kann jedes Bundesland bis zu zwei Kulturdenkmale für die deutsche Vorschlagsliste benennen. Die Vorschläge werden von einer Expertenkommission auf ihre Erfolgsaussichten hin geprüft.

Architekturdenkmal Schiffshebewerk Rothensee.

Die Staatskanzlei und das Ministerium für Kultur meldet das Schiffshebewerk Rothensee als Kandidat für die neue deutsche UNESCO-Vorschlagsliste. Der zweite Vorschlagskandidat ist das Pretziener Wehr. Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Lutz Trümper, stellt mit Blick auf das Schiffshebewerk Rothensee fest: „Das Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee ist nicht nur ein herausragendes Zeugnis der Ingenieurbaukunst, sondern auch beispielhaft dafür, wie viel Bürgerinnen und Bürger bewegen können. Schließlich ist es ihrem Engagement zu verdanken, dass dieses historische Wahrzeichen der Landeshauptstadt nach jahrelangem Stillstand 2013 wieder in Betrieb genommen werden konnte. Dass das Rothenseer Schiffshebewerk im 84. Jahr seines Bestehens die Chance erhält, sich um den Titel UNESCO-Weltkulturerbe zu bewerben, erfüllt alle Magdeburgerinnen und Magdeburger mit viel Freude und großem Stolz.“ Das Schiffshebewerk Rothensee begeistert als Meisterleistung der Ingenieurbaukunst viele Menschen in der ganzen Welt, die gerade auch wegen den Architektur-Highlights, nicht zu vergessen das Hundertwasser-Haus, Magdeburg besuchen. Die auch heute noch deutlich sichtbaren Spuren der Magdeburger Moderne können in der Ottostadt buchstäblich „erfahren“ werden, zum Beispiel auf in der Magdeburg Tourist Information buchbaren Rundfahrt „Magdeburg und die Moderne“ oder auch auf den beiden Fahrrad-Architektouren: Die Route „Das bunte Magdeburg“ führt unter anderem. in die farbenfrohe Otto-Richter-Straße, „Links und rechts der Elbe“ hingegen verbindet die verschiedene Architekturstile von der Romanik bis zur Moderne entlang am Kunstmuseum, dem MDR-Landesfunkhaus, der Siedlung Cracau bis hin zur Experimentellen Fabrik. Geführte Architektur-Spaziergänge führen hingegen durch die Siedlung Cracau oder von der Magdeburger Pilotenrakete im Technik-Museum über das Universitäts-Klinikum in die von Bruno Taut starkfarbig gestaltete Gartenstadt-Kolonie „Reform“.

Hundertwasserhaus in Magdeburgs Zentrum.

Informationen

www.magdeburg-tourist.de 

www.sachsen-anhalt-tourismus.de

www.strassederromanik.de

www.welterbe-sachsen-anhalt.de

www.magdeburg.de

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

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