Mit Rückenwind zwischen Latemar und Rosengarten

Sanfte Almen und schroffe Felsen, resche Anstiege und coole Downhills: Mountainbiker brauchen im Südtiroler Eggental auf nichts zu verzichten. Schon gar nicht mit dem E-Bike. Da ist alles super entspannt. So bleibt mehr Muße, die Umgebung zu genießen.

geschrieben von Birgit Werner                 Fotos von Andreas Bienert/Tourismusverein Eggental


Für die Aussicht haben wir richtig viel Zeit.
Das Panorama ist mega: links die steil aufragenden Türme und Kamine des Rosengartens, rechts die malerische Gebirgskette des Latemar. Wer wissen möchte, wie schön das Eggental ist, fragt am besten Gerhard Krautwurst, den alle „Krauti“ nennen. Der gelernte Koch kennt jeden Trail in der Gegend und die besten Hütten, nach dem Motto: Wenn man das Essen liebt, braucht man viel Bewegung. Bevor uns der leidenschaftliche Biker mit auf die Tour durch sein Revier nimmt, geht’s zum Technik-Training in den Bikepark.

Total unter Strom – aber alles unter Kontrolle

„Viele denken, sie könnten Radfahren“, weiß Krauti. „Am Berg braucht es mehr dazu, als nur zu treten. Man muss gewisse Techniken erlernen, um Spaß zu haben und die unterschiedlichsten Wege bewältigen zu können. Besonders mit dem E-Bike.“

Der Elektroantrieb stellt E-Bikern bis zu 300 Prozent mehr Kraft zusätzlich zu ihrer eigenen Beinkraft zur Verfügung. Daraus resultiert mehr Schwung, der so genannte Boost-Faktor. Hinzu kommt das deutlich höhere Gewicht eines E-Bikes, das vor allem bergab eine ausgefeiltere Fahrtechnik erfordert. „Und denkt daran: vorsichtig bremsen vor den Kurven, keinesfalls abrupt die Vorderbremse einsetzen, sonst bockt das Rad und ihr steigts unschön über den Lenker ab,“ lautet Krautis Tipp, bevor es mit dem durch-und-durch Genuss-Biker auf Spezialwegen rund um den Latemar geht.

Trails zum Träumen: Das Dorado für Biker

Der Klassiker des Eggentals ist eine Traumtour für alle, die dem Unesco-Welterbe auf zwei Rädern ganz nahekommen möchten: unglaublich schön und unglaublich abwechslungsreich – mit vielen Singletrails, Spitzkehrentrails, Flowtrails. Charakteristisch ist der abrupte Wechsel zwischen sanft gewellten Almen und den darauf sitzenden steilen Riffen aus Kalkstein.

Auch vom Panorama her ein Hit.

Immer im Blick, die markanten Dolomitenzacken des Eggentals.

Sie liegen definitiv auf der Sonnenseite der Alpen. Rosengarten und Latemar haben den Schnee nämlich bereits im Mai abgeschüttelt. Den klassischen Umrundungen steht dann also nichts mehr im Wege. Im Gegenteil: Die drei Lifte rund um den Latemar befördern Biker sogar zu den Traileinstiegen hinauf. Überhaupt dürfen Pedalritter im Eggental jedes öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Ein riesiger Vorteil. So sind auch die Klassiker wie Bozen-Trails und Sellaronda schnell erreicht.

„Eggentaler Bergkino“ Das sind mit Panoramatafeln bestückte Aussichtspunkte entlang der Wanderwege, Trails und Rastplätze, von denen man immer wieder das einmalige Dolomitenpanorama bewundern kann.

Im Uhrzeigersinn kann das Massiv problemlos ohne große Anstiege auch von Mountainbike-Einsteigern geknackt werden. Selbst Familien haben ihren Spaß, wenn sie eine Ganztagestour einplanen. Startpunkt dieser Klassiker-Tour können die Ortschaften Obereggen, Eggen, Welschnofen oder Karer See sein.
Wir starten von Welschnofen und nehmen zuerst die Gondel direkt im Ortszentrum, das erspart uns 350 Höhenmeter Richtung Karer- und Nigerpass. Auch die Gondeln und Lifte auf Trentiner Seite shutteln Bikes von Predazzo aus. Beim Ausflug vom Eggental nach Bozen liftet die Kohlern-Bahn wieder bequem zurück.

Selfie-Extase am Juwel des Hexenmeisters

Spätestens am Karer See angekommen, wissen wir, warum das Eggental ein echtes Kleinod ist.

Das sagenumwobene Naturdenkmal und begehrte Selfie-Motiv funkelt in Blau- und Grüntönen. Fast ein bißchen magisch. Am Abend oder frühen Morgen kommen sie am besten zur Geltung. Dann fesselt das Schauspiel mit seiner ganzen Pracht: Rosengarten- und Latemargebirgszug spiegeln sich mit dem Grün des Karer Forstes im kristallklaren Wasser. Glaubt man der Sage, hat ein liebeskranker Hexenmeister das intensive Farbenspiel verursacht. Der hatte für eine hübsche Nixe einen Regenbogen mit Juwelen in den Himmel gezaubert. Doch die tauchte einfach ab. Vor lauter Wut zerschmetterte der Verschmähte sein Kunstwerk und warf es ihr hinterher. Auf ladinisch heißt der Karer See heute noch „Lexc de ergobando“, oder Regenbogensee.
Die Fahrt dorthin liefert nicht nur ein Fotomotiv nach dem anderen, sondern beglückt mit Trails, bei denen wir unsere erlernten Fahrtechnik-Kenntnisse gleich umsetzen können.

Damit es nicht zu Konflikten mit Radlern und Wanderern kommt, setzt man auf Lenkung, statt auf Verbote. „Wir haben überhaupt keine Sperrungen. Es gibt natürlich Routen, die Mountainbiker und Wanderer gemeinsam nutzen. In Zukunft werden wir die Radler oberhalb oder unterhalb der Wanderstrecke auf andere Forstwege ableiten, davon gibt es ja jede Menge. So vermeiden wir Konflikte,“ betont Krauti.

Noch schnell ein Foto mit der ganzen Guppe vom Regenbogensee und weiter geht’s Kurve für Kurve über den Nigerpass und eine herrliche Panoramaforststraße – immer im Blick die Rosengartengruppe – bis zur Hagneralm mit Käserei. Gemäß Krautis Tipp: „Das Rad fährt in die Richtung, in die du schaust,“ schrauben wir uns genüsslich bis auf 1.600 Meter. Und das funktioniert tatsächlich besser als gedacht. Bei der Pause auf der Hagner Alm fasziniert immer wieder aufs Neue der Ausblick auf Schlern, Rosengarten, Latemar, Schwarz- und Weißhorn. Idylle hoch drei.

Jause auf Hauben-Niveau

Das einzige, was hier lärmt, sind keine Motorgeräusche, denn die Alm ist autofrei. Es sind Kuhglocken und das Zirpen der Grillen. Genuss ist also angesagt für Ohren und Gaumen.

Wir genießen ein kühles Bier im Liegestuhl und lauschen Hansi Kafmann, der voller Stolz erzählt, dass er mit seinem ökologisch geführten Bauernhof kürzlich als „Haubenhütte“ von Gault Millau ausgezeichnet wurde. Bei der letzten Almkäseolympiade habe er sogar mit seinem Kräuterkäse aus 11 verschiedenen Wildkräutern die Silbermedaille abgeräumt.

Nach der Relaxpause mit Sternefaktor kann der Rückweg ruhig etwas anspruchsvoller werden. Vor der Hagneralm führt nämlich eine ziemlich steile Schotterstraße ins Tal des Ratzölerbaches hinunter zu den Häusern oberhalb von Welschnofen. Von hier geht’s mit dem Shuttlebus zurück zu unserer Unterkunft ins Hotel Erica in Deutschnofen.

Bei Minustemperaturen richtig ins Schwitzen kommen

Das 4*s Vitalhotel ist der ideale Ausgangspunkt für sämtliche Aktivitäten zu Fuß oder mit dem Rad. Unzählige Wanderwege oder Mountainbike-Trails starten direkt vom Hotel und führen durch Wiesen und Wälder, vorbei an rauschenden Gebirgsbächen. Das Hotel gehört zu einer Gruppe von 29 spezialisierten Hotels in Südtirol die Mountainbikern eine perfekte Ausgangsbasis für einen gelungenen Radurlaub liefern. Der Hotelchef Luis Brunner ist selbst geprüfter Bikeguide und weiß natürlich, was Biker brauchen und erwarten.

Nach unserer Radtour tauchen wir erst einmal ab im Freischwimmbad, lockern unsere Muskulatur und genießen den freien Blick auf die Bergwelt. Danach geht’s in die Finnische Aufguss Sauna mit absolutem Wow-Moment. Nicht nur, dass hier der Aufguss so richtig zelebriert wird. Das Besondere an dieser Panorama-Sauna ist die riesige Fensterfront. Von hier haben wir einen freien Blick auf den idyllischen Ortskern von Deutschnofen und die umliegende Bergwelt. Wohlbefinden und absolute Entspannung setzen sofort ein. Das Highlight die Schneesauna dürfen wir natürlich auch nicht auslassen: Wärme- und Kältereize wechseln sich ab und stimulieren dadurch diverse Körperfunktionen. So werden wir fit für unsere morgige Tour, den Carezza Trail: Der schlängelt sich mit viel Flow, immer entlang eines Baches, von der Bergstation der Welschnofener Kabinenbahn über 4,4 Kilometer mitten durch das wilde Nigertal.

 

Fakten über das Eggental
Das Eggental mit seinen sieben Orten beginnt 20 Kilometer nördlich von Bozen. In den Bilderbuchdörfern treffen italienische Lebensart und alpines Flair aufeinander. Vom Anstieg im alpinen Gelände bis zur kinderfreundlichen Umrundung des Latemargebirges finden alle Mountainbiker hier ihre Traumtour. Dabei macht nicht nur die landschaftlich einmalige Lage inmitten des Unesco-Welterbes der Dolomiten das Biken zum besonderen Erlebnis, auch die perfekten Rahmenbedingungen wie spezialisierte Hotels in allen Kategorien, Verleihstellen, Biketaxis und kundige Guides tragen dazu bei.
Alle Gemeinden des Eggentals gehören zur Vereinigung der „Alpine Pearls“ und haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Urlauber können zahlreiche sanft-mobile Angebote nutzen und ihrem Auto getrost eine Pause gönnen.

Check in
4-Sterne Superior Bikehotel Erica, www.erica.it
Hauptstrasse 17, I-39050 Deutschnofen
Tel.+39 0471 616517

Check out
Eggental Tourismus
, www.eggental.com
Dolomitenstraße 4, I-39056 Welschnofen
Tel. +39/0471/619500

Hagner Alm, www.hagneralm.com
Hagnerweg 9. 39056 Welschnofen
Tel. +39 340 225 1889

Geöffnet 18/5/18 bis 14.10.18 Mittwoch, Ruhetag August täglich geöffnet.
Empfohlen 2016-2017-2018 von Gault Millau sehr empfehlenswerte Almhütten.
Öffnungszeiten 10 bis 17 Uhr warme Küche 11.30 bis 15 Uhr

Die Bike-Planung den Profis überlassen:
www.eggental.com/de/Sommer/Mountainbike/Gefuehrte-Biketouren

Kabinenbahn Welschnofen
Rosengartenstraße, 17-18, I-39056 Welschnofen
www.sentres.com/de/welschnofen/kabinenbahn-welschnofen

Verleih/Bike-Shop
Leichte Hardtails, Fullys und E-Bikes stehen an mehreren Verleihstationen bereit.
Info: www.eggental.com
Werkstatt und Shop:
Pauls Radwerkstatt, Eggeregg 22, Deutschnofen,
Tel. 0039/0471/616338.

Bikeschulen
Dolomiti Bikeschool www.dolomiti-bikeschool.com
Bikeschool Eggental www.bikeschool-eggental.com

 

Autorin: Birgit Werner, bw-reportagen@web.de

 

 

 

 

 

 

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