Impressionen im winterlichen Island

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Dicht unter dem Polarkreis liegt Island. Die Insel mit ihrer wilden Natur steht ganz im Banne des Vulkanismus, der sie gleichzeitig auf natürliche Weise mit Energie versorgt

Am Lavastrand vor der Gletscherlagune

„Wenn du das Wetter gerade nicht magst, warte eine Viertelstunde“, trösten Einheimische ihre Gäste. Doch auch Sturm und Schneeschauer können kaum daran hindern, ursprüngliche Naturschauspiele und das wechselnde Licht über heißen Quellen und Wasserfällen zu beobachten. Die Vulkaninsel liegt mitten in der nordatlantischen Wetterküche zwischen Polarfronten und der Wirkung des Golfstromes.

Sturm tobt über Islands Südküste

Auch ist die Erdkruste hier so unstabil wie kaum sonst auf dem Globus. Bei Thingvellir, etwas östlich der Hauptstadt Reykjavik, driften die eurasische und amerikanische Platte auseinander. Ausgerechnet an der Stelle, wo vor etwa 1000 Jahren das erste Parlament, das erste Gericht und die erste Gesetzessprechung stattfanden, dem ältesten historischen Ort auf Island, gewährt das unruhige Erdinnere einen Einblick in die Bewegung der Kontinente. Kleine Erdbeben sind noch die geringste der vielen möglichen Auswirkungen. Magma quillt manchmal an verschiedenen Zonen der Insel weit nach oben und tritt an die Oberfläche. Ascheeruptionen des Eyjafjallajökull legten im April 2010 für mehrere Wochen viele Flugverbindungen lahm. Je nach Vulkan kann die Asche fruchtbar oder giftig sein. Inseln werden aus dem Wasser geboren, wenn glühende Lava am Meeresgrund ausbricht. Und eine der angenehmsten Folgen sind allemal verlässlich sprudelnde heiße Quellen – angenehm für winterliche Wellness und vor allem lukrativ zur gewerblichen Nutzung im großen Stil. Gewächshäuser mit Obst und Gemüse zum Anbau frischer Vitaminquellen sind in fast allen besiedelten Küstenregionen zu finden. Bevor es technisch möglich wurde, die unterirdisch vorhandene Wärme zu nutzen, bauten Isländer ihre einfachen Häuser aus Torf, mit der Rückseite in einen Hang hinein. Erst 1755 entstand das erste Gebäude aus Stein. Silbern glänzende Rohre mit dampfenden Schornsteinen auf unbesiedeltem Hochland zeugen gegenwärtig von geothermischer Nutzung unterirdischen Heißwassers für Heizung und Stromerzeugung.

Genuss in der blauen Lagune

Kontraste am goldenen Ring

Im Krater brodelt es. Der Blick auf das kochend heiße Wasser ist von einer Dampfwolke verhüllt. Plötzlich zieht sich die Oberfläche zusammen, wird nach unten gesogen, bevor sie sich wie eine Seifenblase hochwölbt, hin und her wabert, um wieder in sich zu versinken. Die Betrachter stehen brav hinter einer Absperrung und verfolgen das Schauspiel geduldig, bis eine Fontäne plötzlich bis 25 Meter hoch schießt in das winterliche Schneetreiben. Strokkur ist der meistbesuchte Geysir. Er liegt am sogenannten „Goldenen Dreieck“.  Thingvellir, Geysire und Wasserfälle können während eines Tages besucht werden. Diese beliebte Exkursion von der Hauptstadt aus gibt wenigstens einen ersten Eindruck von der Vielfalt isländischer Naturerscheinungen. Dahinter verbergen sich oft dramatische Geschichten. Wie überall auf der Welt bemühen sich Konzerne auch hier um Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Kaum woanders kann Strom so günstig erzeugt werden wie auf Island, sei es mit dem kostenlosen Wasserdampf oder durch Aufstauung der wilden Ströme, die das Hochland entwässern. Eine englische Firma wollte 1920 den 70 Meter hohen Gullfoss zur Elektrizitätsgewinnung aufstauen. Alles schien bereits entschieden, als Sigridur Tomasdottir, die Tochter eines benachbarten Farmers, mit Selbstmord drohte, sollte man das Projekt verwirklichen. Tatsächlich schaffte sie es, damit die Verbauung dieses wilden Tales zu verhindern.

Träge fließt Schmelzwasser über die Eisplatten auf den Weg. Einem Eiertanz gleich wagen sich Wanderer mit ihren bunten Rucksäcken und baumelnden Kameras den Weg entlang zum Seljalandsfoss. Gerade eben brachen noch Sonnenstrahlen durch tiefziehende Wolkenbänke, jetzt frischt der Wind auf und es beginnt zu graupeln, gemischt mit dicken Schneeflocken. Für einen Februar normal. Es ist schwierig sich dem Wasserfall zu nähern, da Böen immer wieder feuchte Schwaden aus den herabstürzenden Massen herausreißen. Die felsigen Ränder auf beiden Seiten sind von dicken Eiskrusten und Zapfen überzogen. Einige haben Steigeisen angeschnallt und laufen ein Stück hinter das tosende Nass. Fotoapparate werden vorher wasserdicht versteckt.

Reykjavik liegt an einem breiten Fjord

Beim nächsten Ziel, dem Skogafoss, führt eine Treppe mit fast 400 Stufen auf das Hochplateau. Der Wasserfall liegt jetzt unterhalb einer Aussichtsplattform, aber die Sicht reicht hinunter zu einem in der Nähe betriebenen Heimatkundemuseum. In den Hang gebaute und gut erhaltene Torfhäuser auf einer Seite und ein modernes Museumsgebäude daneben geben Einblick in den Alltag Islands mit seinen zahlreichen Risiken. Kleine dunkle Zimmer in den Katen, kurze Betten, rußige Öfen, kein fließendes Wasser und immer Mangel an Nahrung und medizinischer Hilfe. Mussten doch die Männer über Jahrhunderte auf dem wilden Meer in Holzbooten Fische fangen. Zuhause auf kargem Boden weiden Schafe, früher wie heute. Mit über einer Million dieser Tiere sind sie dreimal so zahlreich wie die 330.000 Einwohner des Inselstaates. Weitaus bekannter sind andere Vierbeiner. „Islandpferde sind keine Ponys, sondern eben eine kleinwüchsigere Pferderasse, die bestens an die kargen Lebensbedingungen angepasst ist,“ erklärt Nora. „Sicher reiten Isländer gerne damit, aber das ist eher Nebensache. Es gehört sich eben auch viele dieser beliebten Tiere zu besitzen – einfach so!“ Neugierig kommen sie mit vibrierenden Nüstern näher, blinzeln zwischen vorne herabfallenden Mähnenhaaren hindurch und haben keinerlei Scheu vor Kameralinsen. Dann wieder ein wilder Drang ohne Anlass und sie galoppieren mit fliegenden Mähnen über dünn beschneite Weiden, Fahnen von Schneestaub aufwirbelnd.

Islandpferde sind gesellige Tiere

Weißes Eis am schwarzen Strand

Vom Parkplatz aus ist noch nicht viel zu sehen. Aber nach einem kurzen Weg auf einen Moränenhügel hält der Betrachter inne. Weiß glänzt das Eisfeld des Jökulsarlon hinter einer jetzt eisbedeckten Lagune von vielen Quadratkilometern Ausdehnung. Die Eisfläche ist nicht eben. Zackige Eisberge, die im Sommer von der Gletscherzunge abbrechen und in Richtung Abfluss zum Meer treiben, sind dazwischen eingefroren. Eingeschlossene Eisbrocken schillern teilweise dunkelblau an den Seiten, von oben sind sie mit Neuschnee bedeckt. Interessant ist der Übergang in den kurzen Fluss hinab zum Strand. Schollen und Brocken lösen sich aus der Fläche. Die Strömung nimmt sie mit zur Küste. Eine wilde Brandung stellt sich ihnen entgegen, wirft sie zurück ins Flussbett. Einige werden vom Meer scheinbar verschluckt, um dann plötzlich mit einer großen Welle auf dem schwarzen, flachen Sandstrand zu landen. Wie skurrile Kunstwerke aus frisch geblasenem Glas liegen sie der Auflösung geweiht weit verstreut am Ufer. Einige sind durchlöchert, andere blitzen im Sonnenlicht wie mit Diamanten bestückt. Draußen brüllt der Nordatlantik. Leider ist die Zeit hier begrenzt. „Nehmt viele Erinnerungen und Fotos von hier mit! Morgen tauchen wir in die Kultur und Geschichte der Hauptstadt ein“, meintdie Reiseleiterin. Aber dazwischen liegen von fast 400 Kilometer Fahrt über karge Lavafelder, durch Schneeschauer, entlang von Steilküsten, mit Blick auf Herden von Islandpferden und im Hintergrund stehen Dampfsäulen heißer Quellen. An diesem Abend gibt es eine Überraschung. Es zeigt sich der grüne Schleier eines Nordlichtes unruhig tanzend am nördlichen Horizont.

Bizarre Eisformationen auf dem Lavastrand

Informationen:

Allgemeine Auskünfte unter:  https://de.visiticeland.com

Reisebeispiel: Besonders reizvoll ist eine Winterreise mit Chancen, das Nordlicht zu sehen.  Die meisten Erkundungen finden in sogenannten goldenen Ring statt. Geoplan Privatreisen bietet eine „Reise zu Islands Winterwelten“ in den Südwesten der Insel an. Sie führt zu tosenden Wasserfällen, Geysiren, zur Blauen Lagune und in die Hauptstadt Reykjavik. Enthalten ist ferner eine Tour im Superjeep in entlegene Gebiete, Hin- und Rückflug von bzw. nach Deutschland, Flughafentransfer in Island, 9 Übernachtungen mit Frühstück, Reiseleitung und noch mehr. Der Aufenthalt kann wie bei Geoplan-Privatreisen üblich, zu individuellen Terminen gebucht und auch verlängert werden. Preis der 10-tägigen Reise ab Euro 3780,-.

Näheres unter https://www.geoplan-reisen.de/europa/island/reise-islands-winterwelten ;

Alle Fotos von Rainer Hamberger

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Rainer Hamberger

Autor Kurzvorstellung:

Monika und Rainer Hamberger haben alle Erdteile mehrfach besucht zwischen dem 80. Breitengrad im Polargebiet, bis hinab zur Antarktis. Rainer hat über 12 Bildbände aus 5 Erdteilen herausgegeben. Es liegen ihnen Reiseziele besonders, wo authentische Erlebnisse möglich sind. Er ist meist der Fotograf, während Monika für die Texte verantwortlich zeichnet. Ihre Reportagen erschienen in den großen deutschen Zeitungen, sowie bei DuMont, Baedeker, Merian, Geo-Spezial und anderen Magazinen. Bei Reise-stories sind sie seit 6 Jahren Autoren.

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