Im Land der ewigen Sonne

In der östlichsten der andalusischen Provinzen Almeria liegt eine Küstenregion mit nahezu unberührten Stränden und ein von außergewöhnlichen Halbwüsten-Ökosystemen geprägtes Landesinnere.  Die Stadt Almeria, an den Ufern des Mittelmeeres gelegen, war einst einer der wichtigsten Häfen des Kalifats von Cordoba. Hier sollte man sich unbedingt die maurische Festung „Alcazaba“ und die Kathedrale ansehen. Enge Straßen mit weiß getünchten Fassaden, kleinen Geschäften und vielen typischen Tapas-Bars und Restaurants prägen das Bild der stimmungsvollen Altstadt. Neben Geschichte und Kultur findet man in Almeria aber auch weitläufige Strände, Naturparks und eine Gastronomie, die die Reise in den Südosten Andalusiens zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt.

Von der Alcazaba aus hat man einen herrlichen Blick auf Almeria.

Im Landesinneren überrascht die kontrastreiche Provinz mit atemberaubenden Wüstenlandschaften, in denen zahlreiche Filme von Western wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ bis zu James Bond Blockbustern wie „Sag niemals nie“ gedreht wurden. Ein ganz besonderer Schatz ist der Naturpark Cabo de Gata-Nijar, ein faszinierendes Naturschutzgebiet zwischen den Gemeinden Almeria, Nijar und Carboneras. Es liegt in einem der schönsten und ökologisch reichsten Küstenstreifen des gesamten westlichen Mittelmeeres. Ein halbwüstenartiger Naturraum vulkanischen Ursprungs, der sich durch eine besondere endemische Fauna und Flora und vielfältige natürliche Biotope auszeichnet. Das Biosphärenreservat umfasst den gesamten Naturpark um das Kap Cabo de Gata und wurde außerdem zum besonderen Vogelschutzgebiet erklärt.

Im Naturpark Cabo de Gata findet man viele einsame Strände.

Im Naturpark Cabo de Gata kann man herrlich wandern, surfen, einsame Strände wie die Playa de Genoveses bei San José und kleine Dörfer besuchen, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Massentourismus ist hier ein Fremdwort, dafür gibt es kleine, familiengeführte Hotels und private Unterkünfte, in denen man schnell in Kontakt mit den hier lebenden Menschen bekommt. Sie erzählen einem dann von ihrem kleinen Paradies auf Erden, das allerdings mancherorts von großen Solaranlagen und Stromtrassen bedroht wird. Diese Ecke Andalusiens wurde als Solarenergie-Produzent für Europa auserkoren, man kann nur hoffen, dass die Standortwahl der Anlagen auch ökologische und touristische Aspekte der Region berücksichtigt. Lucainena de las Torres zum Beispiel ist ein charmantes kleines Dorf in der andalusischen Sierra Alhamilla im Gebiet Campo de Nijar. Ein wenig verträumt, doch bald ist es zu Ende mit der Gemütlichkeit: Eine große Solaranlage und eine Stromtrasse sollen in unmittelbarer Nähe errichtet werden.

Juan Segura Pérez und Claudia Scholler wollen die Stromtrasse in unmittelbarer Nähe des Ortes verlegen lassen.

Juan Segura Pérez betreibt das schöne kleine Hotel „Montesión – Luz del desierto“ in dem hübschen Ort. Zusammen mit Claudia Scholler, die in einem benachbarten abgelegenen Tal das Seminar- und Workshop-Gästehaus „Cortijo el Saltador“ in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat, kämpfen sie für einen alternativen Standort besonders für die Stromtrasse, die durch ihre Nähe zum Dorf und unmittelbar durch das Tal führend, die Gäste zu vertreiben droht. Sie haben einen Verein gegründet, der die einzigartige Natur dieser Sierra schützen will. Dabei betonen sie, dass sie nichts gegen Solarenergie haben, es sollten aber für Umwelt und Einwohner verträglichere Standorte dafür gewählt werden. 

In der Desierto Tabernas kann man ungestört wandern und die unberührte Natur genießen.

Ein weiteres Naturschutzgebiet breitet sich auf einem Gebiet von rund 12.000 Hektar nördlich von Almería aus: die „Desierto de Tabernas“. Zwischen den Gebirgsketten Los Filabres und Alhamilla gelegen, ist es das einzige Wüstengebiet auf dem gesamten europäischen Kontinent. Landschaft und Klima sind hier von überwältigender Schönheit und gleichzeitig lebensfeindlich.

Die Wüste war die erste Landschaftsform unseres Planeten und wird, glaubt man Wissenschaftlern und Zukunftsforschern, auch die letzte Formunserer Welt sein. Ihre vielfältigen Ausprägungen als Eis-, Stein-, Sand-, Schutt- oder Salzwüste bedecken immerhin ein Drittel der Erde. Ganz zu schweigen von den Wüsten in uns selbst. Ihre kaum in Worten fassbare Faszination, ihre scheinbare Unendlichkeit zwingt jeden, der sich in ihr bewegt, sehr schnell zur Auseinandersetzung mit der Sinnfrage unserer Existenz. Und dennoch ist jede Wüste dieser Welt endlich, sie zu durchschreiten und die Ansätze von Unendlichkeit zu erfühlen, ist ein bereichernder Weg aus den alltäglichen Gefängnissen. So ergeht es dem Besucher, der die Wüste von Tabernas betritt. Streng wissenschaftlich gesehen ist es eigentlich eine Halbwüste, aber unabhängig davon ob halb oder ganz, ihre Ausstrahlung ist so beeindruckend, ihre Landschaftsformen und Farben so faszinierend, dass es viele Besucher gibt, die es nicht bei einem einmaligen Besuch belassen. Das ist auch sinnvoll, denn entgegen der gelegentlich vorherrschenden Meinung, Wüsten seien letztlich eintönig, beweist die Wüste von Tabernas das Gegenteil. Zu jeder Jahres- und Tageszeit, bei jedem Wind und Wetter zeigt sie andere Muster, wirkt mal rau, mal sanft und immer majestätisch.    

In der Tabernas-Wüste findet man faszinierende Gesteinsformationen aus prähidstorischen Zeiten.

Das einzige Wüstengebiet auf dem europäischen Kontinent und die Landschaft, die sich hier einem darbietet, hat aufgrund des trockenen Mittelmeerklimas besondere Taleinschnitte und Süßgräser-Steppen gebildet, die auch als „bad lands“ bezeichnet werden. Schlecht ist hier allerdings gar nichts, nur anders als in der Mittelmeerregion. Die Niederschläge in der Desierto de Tabernas erreichen gerade einmal 245 Millimeter pro Jahr, die  Durchschnittstemperatur liegen über 17 Grad Celsius im jährlichen Mittel. Das hört sich harmlos an, aber hinter diesen Durchschnittswerten verstecken sich extrem trockene, heiße, niederschlagsarme Perioden, die hier die meiste Zeit des Jahres bestimmen. Da wundert es nicht, dass in diesem einzigartigen Halbwüstengebiet eine Vegetation sich zeigt, die überwiegend von Xerophyten gebildet wird, Pflanzen, die sich an äußerste Wasserknappheit angepasst haben und die nur im Südosten Spaniens zu finden sind. Neben Parasit-Pflanzen und Tamarisken-Gewächsen findet man auch Oleander und stickstoffliebende Büsche in den Taleinschnitten.

In der Sierra Nevada leuchter der Herbst in intensiven Farben.

Auch das Tierleben ist vielfältiger, als man auf den ersten Blick denkt. In der Wüste von Tabernas begegnet man zwei verschiedenen spanischen Igelarten, der Braunbrustigel »Erinaceus europaeus« und der nordafrikanische Igel »Atelerix algirus«. Für die Vogelbeobachtung eignen sich besonders gut die Taleinschnitte zwischen den Gebirgsketten, denn hier finden die gefiederten Freunde Schutz- und Brutplätze in den Felswänden. Unter anderen gibt es aber auch den Königsmauersegler, die Felsenschwalbe, die Blaumerle und auch Dohlen und Wüstengimpel sind zu sehen. Hinzu kommt noch die große Vielfalt an Steppenvögeln, wie zum Beispiel die Rohrdommel und das Steppenhuhn, die hier heimisch sind. Wem beim Besuch der Tabernas-Wüste einiges bekannt vorkommt, braucht sich nicht wundern: Hier wurden Filme wie „Lawrence von Arabien“ oder „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gedreht.

Im Mini Hollywood erlebt man eine Westernstadt der Filmindustrie hautnah.

Auch wer für Western-Kinofilme und ihre Kulissen wenig übrig hat, diese hier sollte man sich ansehen: „Oasys Mini Hollywood“ in der Nähe des Ortes Tabernas. Man muss sich ja nicht gleich als Revolverheld verkleiden und den Saloon stürmen, das besorgen schon die professionellen Stuntmen. Neben den üblichen Wild-West-Shows hat dieser Erlebnispark aber einen entscheidenden Vorteil: Er befindet sich tatsächlich in einer Umgebung, die den Western-Klassikern täuschend ähnlich sieht. Kein Wunder, denn hier wurden auch zahlreiche Leinwandstreifen dieses Genres gedreht. Hinzu kommt, dass die Eintrittspreise im Vergleich eher moderat ausfallen und man die Cowboy-Perspektive aus dem Sattel erleben kann. Wenn dann noch Marshall John Wayne um die Ecke kommt …

INFORMATIONEN

www.andalucia.org/de

www.turismodealmeria.org/de/

https://myalmeria.com/en/cabo-de-gata

www.cabogataalmeria.com/en

www.andalucia.org/de/naturraeume-desierto-de-tabernas

www.spain.info/de/

Desiree Cuadrado Lapena von Be Natural Sport Bayárcal führt Besucher durch die Alpujarra-Region.

Westernstadt: www.oasysparquetematico.com

Höhlen von Sorbas: www.cuevasdesorbas.com

Aktivitäten in der Alpujarra-Region: Be Natural Sport Bayárcal https://bnaturalsport.com/

Touren durch die Tabernas-Wüste: Malcaminos www.malcaminos.com

Touren durch den Naturpark Cabo de Gata: Rolling Almeria https://rollingalmeria.com/

Übernachten in Almeria: Im Zentrum im Hotel Nuevo Torreluz www.torreluz.com

In Lucainena de las Torres: Hotel Restaurant Montesíon https://montesion.info/

Asociation Cultural Valle El Saltador, www.elsaltador.com

In der Region Bayárcal: Hotel Restaurant Almirez www.hotelalmirez.es

Abendstimmung in der Desierto Tabernas.

Landestypisch Essen/Trinken

In Almeria Taberna Las Botas, Calle Fructuoso Pérez https://bodega-las-botas.metro.rest/

Bar Casa Puga, immer stark besucht, reservieren ratsam, www.barcasapuga.es

Restaurant Casa Sevilla, Calle Rueda López

Restaurant Quattro Hojas, Plaza de la Constitution

In San José direkt am Hafen: Restaurante 4 Nudos

Olivenöle in Bioqualität mit höchsten Auszeichnungen: https://orodeldesierto.com/en/

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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