Golf-Frühling auf den Kanalinseln – Teil 1 Jersey

Man wir ja wohl noch träumen dürfen, in diesen Zeiten der Pandemie geschuldeten Golf-Tristesse! Wenn schon kein Golf, dann doch wenigstens in der Erinnerung schwelgen. Ein probates Hilfsmittel dafür ist der Blick ins Reisetagebuch des letzten Jahres nebst Fotoalbum. Es zeigt mir die schönsten Motive des Frühlingserwachens auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey mit britisch-französischer Lebensart und kulinarischen Highlights aus beiden Welten. Ja, auch mit Golf vom Feinsten!

Text & Fotos:  Elsa Honecker

 

Welcome to Jersey

Die grösste der Kanalinseln ist gleichzeitig auch die interessanteste:

Wildromantisch die Steilküsten im Norden, verträumte grüne Täler in der  Inselmitte, Buchten mit weiten, feinsandigen Stränden im Westen, majestätische Burgen und Austernbänke im Osten und malerische Fischerhäfen im Süden – das erzählt mir jedenfalls mein Reiseführer von Jersey. Ganz abgesehen noch von den kulinarischen Erlebnissen, den berühmten „Jersey Royals“ (kleine schmackhafte Frühkartoffeln), die besonders cremige Milch der Jersey-Kühe oder Fisch und Meeresfrüchte aus den klaren Gewässern rund um die Insel.

 

 

Das 4-Sterne „Atlantic Hotel“, in dem ich wohne zählt zu den Small Luxery Hotels of the World und bietet als einziges Hotel der Insel einen atemberaubenden Blick auf die St. Ouen’s Bay und den kristallklaren Atlantik. Und obwohl es schon 50 Jahre auf dem Buckel hat, ist es keineswegs verstaubt. Mir gefällt der angenehme Mix aus Tradition und Moderne, den auch die 50 Zimmer wiedergeben: Edles Kirschholz trifft hier auf mediterran-weißes Dekor, dazu Kunst an den Wänden und eine plätschernde Quelle mit kleinem Teich, die Naturverbundenheit signalisiert. Hier trifft sich alles was Rang und Namen hat zum Afternoon-Tea, zum Fine-Dining mit 7-Gang-Menü des Chefs Will Holland im „Ocean“ Restaurant oder einfach nur auf einen Drink an der Bar. Die Atmosphäre locker, trotz dem „Noblesse oblige“ und ganz im Sinne des Golf-Klientels, das hier gerne absteigt. Besonders der Blick aus dem Terrassen-Fenster begeistert jeden Gartenfreund: Er schweift über den Pool mitten in einer romantischen Gartenanlage bis zum Meer, das sich zum Sunset golden färbt.

 

Außerdem grenzt der 6 ha große Garten direkt an den „La Moye Championship Golf Course“ und überblickt den Jersey National Park, wo sich der zweite Golfplatz „Les Mielles Golf and Country Club“ befindet. Der Dritte im Bunde „Les Ormes Golf Club“ liegt auch nur einen Katzensprung entfernt. Also bin ich hier mitten im schönsten Golfareal der Insel – was will man mehr!

Von  royal bis oldfashioned

Ersterer ist ein traumhafter Links Course mit Blick über die Dünen von Les Mielles und den fast 8 km langen Sandstrand der St. Ouen’s Bay. Von meinem Hotel erreicht man den La Moye GC  in 5 Minuten und ist erstmals überrascht von dem modernen Clubhaus, dem weitläufigen Terrain und dem tollen Ausblick auf das vorgelagerte Inselchen. Dass es der zweitälteste Club ist (1902 gegründet) sieht man ihm wirklich nicht an und sicherlich gibt es niemand, der nicht spontan begeistert von dem Layout wäre. Man spielt zwischen blühenden Ginsterbüschen auf sanft hügeligen Gelände oberhalb der Bay und wenn man gerade Schläge hat, kann nicht viel passieren. Das Rough zu beiden Seiten der teils schmalen Fairways ist allerdings  ziemlich unzugänglich, sodass Ballverlust droht. . Ja – auch hier gibt es Blindlöcher, wie an der 13, Topfbunker und kleine Schluchten an der 16 aber mit gigantische Ausblicken an jedem Loch.

 

Den „Les Mielles Golf & Country Clubs erreiche ich vom Hotel aus in 10 Minuten, denn er liegt direkt unter meinem Hotel in der St. Quen´s Bay. Ein wenig old fashioned ist das weiß getünchte Clubhäuschen des 18-Loch Courses, in dem sich Küche, Bistro, Pro Shop und Anmeldung zusammen befinden. Ellie und Hilary, zwei umtriebige ältere Hausfrauen nehmen mich mit auf die Runde und das entpuppt sich letztendlich wie ein Lotto-Sechser. Denn während die langen Bahnen der Frontnine zwischen stark hügeligen Dünen verlaufen, geht es bei den Backnine mitten hinein ins Naturschutzgebiet mit Wasser an jedem Loch. Das bedeutet schon mal Ballverlust! Breite Schilfgürtel nehmen außerdem die Sicht und die schmalen Bahnen dazwischen sind noch durch Doglegs erschwert. Die Hölzer kann man also stecken lassen. Dafür hat man herrliche Aussichten auf das nahe Meer, eine kühle Brise um die Ohren und jede Menge Vögel als Begleitung. Dass Golf hier ein Volkssport ist wie Surfen, Biken oder Wandern kann man am besten hier  erleben. Kein Wunder, dass Golf-Ikone Jan Woosnam noch gerne in seine Heimat Jersey zurückkommt.

 

Wer sich hier mit 9 Löchern begnügt, kann sich hier am Les Ormes Golf & Leisure Clubs austoben, der ja auch nur 15 Minuten vom Hotel entfernt liegt. Aber Achtung, hier geht´s hügelauf und ab in einem etwas verwilderten Gelände aber mit tollen Ausblicken auf das Meer. Das Beste kommt ja meist zum Schluß und das sollte hier der Royal Jersey Golf Club sein.

 

Bereits 1878 als ältester und traditionsreichster Club gegründet ist er ein Muss für jeden Golfurlauber. Das „Royal“ zeigt sich zu allererst schon am imposanten Schloss ähnlichen Clubhaus mit altenglischem Restaurant. Als weibliches Nichtmitglied und alleine auf dem Weg zum 1. Tee, wird man hier mit unverhohlener Skepsis betrachtet und es bedarf erst eines  gelungenen Abschlags um in einem Männer-Flight  aufgenommen zu werden. Während des Spiels kommt dann bei meinen Partnern Jeff und Andy doch noch der sprichwörtliche englische Humor zum Vorschein, zumal die Herren fast jeden Bunker treffen – und davon gibt es viele in allen Variationen.

Mein Fazit: Ein typischer 18-Loch-Links-Course mit ca. 6000 Metern, die teils direkt am Meer entlang laufen, mit tollem Blick auf die Grouville Bay und das Mont Orgueil Castle. Der Rest verläuft parallel in Meernähe – mit etwa 100 Bunkern, hohem Gras, Ginsterbüschen und Dünenhügel. Mein Tipp für danach: „Highly recommended“ sind hier die Jersey Austern, fangfrisch aus der Royal Bay of Grouville. Dem zweithöchsten Tidenhub weltweit verdankt die Insel ihr besonders klares Meerwasser, das zu dem saubersten in Europa zählt, und das die Austern besonders schmackhaft macht. Ein weiteres Highlight für Gartenfreunde liegt gleich um die Ecke – das Samare´s Manor, mit Herrenhaus, Parkanlage und Kräutergarten – im Privatbesitz von Vincent Obbart, den man hier auch beim Werkeln antreffen kann.

 

 

Was tun am golffreien Tag?

Jersey ist nur 8 x 14,5 Kilometer groß, was es sehr leicht macht, nach dem Golfen noch etwas die Insel zu erkunden. Also mache ich auf der Rückfahrt von Ost nach West halt in St. Helier. Sehenswert ist die 1881 erbaute Markthalle im viktorianischen Stil mit stattlicher Glaskuppel, zierlichen Säulen und vielen Verkaufsständen. Der rote Briefkasten unweit des plätschernden Brunnens war der erste der Britischen Inseln.

Gleich daneben die beiden Einkaufsstraßen Queen´s und King´s Street mit Restaurants, Cafés und Bistros. In der Atlantique Seefood Bar in der Bath Street gibt es die frischesten Meeresfrüchte, am Royal Square die gängigsten Pubs mit Livemusik und im Grand Jersey Hotel die beste Champagner-Bar. Richtung Westen „schwimmt“ in der Bucht eine der besterhaltenen und schönsten Festungen Europas, das Elizabeth Castle, das man bei Ebbe fußläufig erreicht.

Am malerischen Fischhafen St. Aubin im Südwesten der Insel setzt man sich ins  „Old Court House Inn“  mit Restaurant und Pub und kann dem Treiben im Hafen zusehen. Wer abends hierher zum Essen geht kann im Habour View oder Salty Dog in Austern und Fischgerichten schwelgen. Zum Baden eignet sich dort die Portelet Bay – auch zum Wandern bis zur Quaisné Bay. Dort angekommen gönnt man sich ein Pint of Mary Ann und am besten noch ein Einheimischen Essen auf der Terrasse des Old Smuggler´s Inn. Über die St. Quen´s Bay, wo ich schon golferisch unterwegs war fahre ich gegen Norden zum Goznez Castle, der Kultstätte Le Pinacle, wo ich hoch über dem Meer auf viele Wanderer treffe. Ziel ist die Grève de Lecq Bay als beliebte Badebucht im Norden. Mich zieht es eher zum La Mare Wine Estate, dem einzigen Weingut seit 1969.

 

Hier sollte man schon längere Zeit einplanen: Zum Verkosten der Weißweinsorten, des berühmten Apple Brandy, für köstliche Marmeladen, Schokoladen und dem bekannten Jersey Fuge. Bei einer Führung sieht man auch die Zubereitung der „Black Butter“, einem Brotaufstrich aus Äpfeln, Cider, Lakritze und Gewürzen, der nur auf Jersey nach alter Tradition hergestellt wird.

Den schönsten Blick auf die Steilküste hat man dann bei Sorel. Taucher und Wassersportler trifft man in der Bon Nuit Bay oder im malerischen Hafen von Rozel mit bunten Fischerhütten. Dort im „Hungry Man“ an der Hafenmole gönne ich mir  dann mitten unter Jersyanern das beste „Crab-Sandwich“ bevor ich wieder zurück ins Hotel kurve. Ja, es gäbe noch so viel zu entdecken, vor allem kulinarisch. Denn obwohl vergleichsweise klein, hat Jerseys Gastronomie auf sich aufmerksam gemacht. Allein drei Küchenchefs mit Michelin-Stern verwöhnen hier Einheimische und Urlauber – nicht nur in den Gourmettempeln, sondern auch in den über 180 Restaurants, Bistros, Bars und Pubs. Ich beschließe wiederzukommen. Vielleicht zum 12th Annual New Jersey Wine & Food Festival im Mai.

 

Weitere Infos Jersey;

www.theatlantichotel.com/

www.jersey.com/de

www.jerseyheritage.org/

www.lamoyegolfclub.co.uk

www.lesmielles.com

www.royaljersey.com

www.lesormes.je

 

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