„Gin Gin Lillibeth!“

Noch ist wenig Betrieb in der coolen Grafic Bar mitten in Soho. Das angesagte Londoner Nachtlokal liegt gleich um die Ecke von Piccadilly Circus und der legendären Carnabay Street. Hinter dem Tresen werkelt Alessandro Daino, der junge Italiener aus Neapel.
Nicht zu übersehen ist das gigantische Gin Sortiment von 305 verschiedenen Sorten, für die das „grafic“ stadtbekannt ist. In Reih und Glied stehen hier die Top Sorten, die beliebten und gängigen und die für die Extrawünsche. Einer seiner Best of ist der monkey 47. Schon die rundlich altertümliche Apothekerflasche ist ein Hingucker. Auf ihr klebt ein witziges Etikett, das eine große Briefmarke mit einem Affen darstellt. „Das hier ist ein Dry Gin, ganz ungewöhnlich, denn er kommt aus dem Schwarzwald. Ein Engländer, namens Montgomery Collins, hat ihn in den 50er Jahren kreiert“, erklärt Alessandro. Neben Preiselbeeren, Zitronen, Fichtensprossen, Schlehen, Brombeerblättern und natürlich Wacholder umfasst die Zutatenliste  genau 47 verschiedene Kräuter und dazu exotische Botanicals, die ausgewogen miteinander kombiniert sind. Beim Einschenken für einen Probeschluck schnuppert der junge Barkeeper erstmal am Korkenverschluss, bevor er dann von dem 47 prozentigen Edelgin ins Glas gießt.
Dann greift Alessandro noch etwas höher ins Regal und präsentiert eine dezent gestylte, eher unauffällige, schottische Ginflasche von der Insel Islay. „Dieser ist ebenso stark und erhält seinen besonderen Geschmack und das unverwechselbare Aroma von dem handverlesenen Kräuterbukett, das ausschließlich auf der Insel gesammelt wird“. Doch dem jungen Neapolitaner schmeckt Gin am besten mit einem Schuss italienischen Negroni. Das erinnert ihn wahrscheinlich ein bisschen an zu Hause – Bella Italia. „In ein paar Stunden wird hier der Bär los sein“, versichert er. „Dann geht es rund.“ Mit knapp 100 Sitzplätzen ist die Bar nicht allzu groß, aber hip ist das „grafic“ allemal.

  • Whisky ade
    Für die Whiskyfreunde sind schlechte Zeiten angebrochen. Statt dem gälisch, gelassenem Slange und dem ausgedehnten Nosing bevor man den ersten Schluck Single Malt Whisky probiert, hat sich nun ein neues Kultgetränk etabliert – der Gin. Auch diese destillierte Spezialität hat Tradition und besitzt Qualität. Zum ersten Mal angesetzt, wurde die Spirituose als Wacholderschnaps, genannt Jenever,  von einem niederländischen Arzt. Wilhelm III. von Oranien, der Mitte des 17. Jahrhunderts zum König von England gekrönt wurde, brachte auch den Jeneverschnaps mit. Mit der Zeit entstanden immer mehr Gin Rezepturen. Die drei Varianten: London Gin, Dry Gin mit Botanicals und der französische Gin, der eher zitrusbetont und Safran enthält, sind so die Favoriten.
    Hergestellt wird Gin aus stärkehaltigen Stoffen wie Getreide und Melasse. Das Aroma und die Würze bekommt er zum Beispiel durch Koriander, Wacholderbeeren, Ingwer, Muskat, Orangenschalen und Paradiesapfelkerne. Bis zu 120 Wirkstoffe, Zutaten und Aromen können in der Spirituose enthalten sein.
    Mal funktioniert die Aromatisierung, indem die Alkoholdämpfe über die Gewürze geleitet werden oder die Zutaten werden in die Kornmaische gemischt und damit destilliert.
    Der niedrigste Alkoholgehalt von Gin liegt bei 37,5 Volumenprozent.

Sogar im chicen, traditionellen Pub, Sanktuary House, im Londoner Stadtteil Westminster, wird neben allerlei Biersorten der Gin zum beliebten Longdrink oder auch pur getrunken. Jarik Kalinski, der täglich die Gäste aus Amerika Frankreich, Spanien und Deutschland bedient, hat eine Lieblingssorte, den London Dry Gin Tanqueray in der tannengrünen Flasche, die einem dreiteiligen Cocktailshaker ähnelt. „Er geht besonders gut mit Dry Martini und ebenso klassisch mit Tonic Water und Eis“. Hierbei verrät der Profi Barkeeper noch einen Geheimtipp: „Ein guter Gin braucht ein peppiges Tonic wie Fever Tree. Egal ob Schweppes, light oder Ginger ale. Für die Gin classics oder die exotischen Cocktailmischungen nehme ich diese. Es gibt sie in vielen verschiedene Sorten und sie haben einen hohen Chininanteil. Die Geschmacksitensität der Bitterorangen aus dem Kongo und Ruanda ist nicht zu übertreffen.“
Zum Abrunden mediterraner Gin Cocktails gibt es für den Jarek einen spanischen Allrounder namens Gin Mare. „Kaum zu glauben“, sagt er, „ wie man den türkischen Thymian, das Rosmarin aus Griechenland und das italienische Basilikum herausschmeckt.“

Gin Gin to the Queen
Im Hotel Hilton Park Lane, im 28. Stock, ist nicht nur der Ausblick über den St. James und den Hyde Park grandios, auch in der Roof Bar „Galvin at Windows“ lässt es sich wunderbar chillen. Beim Schmökern der Getränkekarte bekommt man Lust, aus der reichhaltigen Gin Selection einer der unbekannten, wortreich umschriebenen Varianten zu probieren. Noch ein Tick verführerischer klingen die Gin Cocktails mit ihren exotischen Zutaten. „London Pride“ – Gin mit Maraschino Likör, „Bloody Last Stand“ mit frischen Tomatensaft, Sauvelle Vodka und Tanqueray Gin wird mit fluffigem Teepulver gemixt.
Bei „Fields of Gold“ nippt man an einer feinen Mischung aus Beefeater 24 Gin und bittersüßem Orangenwasser.
Doch Simona Reipaite aus Litauen, Bar Supervisor, kennt noch ein paar ganz abgefahrene Mixgeheimnisse.
Ihr Favorit besteht aus Tanquerry Gin, grünem Teepuder, Gin-Tonic Sirup und geschlagenem Eiweiß. Zugegeben, sowohl die Präsenation des lindgrünen, schaumigen Drinks, wie sein cremiger Geschmack mit starkem Abgang sind ein subtiles Geschmackserlebnis.
Doch unter den 20 Cocktailkreationen, die täglich hier bestellt werden, gibt es eine ganz spezielle Besonderheit.
„Diese einmalige, sehr persönliche Gin Mischung wird es nur in diesem Jahr geben. Da wir ja gerade das Jubeljahr von Queen Elisabeth feiern, hat die „Galvin at Windows Bar“ einen Geburtstagscocktail für die Königin kreiert“, erklärt Simona stolz. Komponiert aus den bevorzugten Geschmacksrichtungen und Blumensorten der Königin, entstand der sogenannte „Lillibeth Cocktail“. Er wird stilvoll für jeden Gast inszeniert und auf einer schwarzen Schieferplatte mit einer roten Rose serviert. In einem etwas antiquierten Likörglas, auf dem eine angezündete Lavendelrispe ihren Duft verströmt, funkelt der rubinfarbene Cocktail aus Beefeater,  Earl Grey Teesirup und rotem Dubonnet Vermouth im Kristallglas.
Da kann man nur sagen: „Gin Gin! Lillibeth!“

EVA-MARIA MAYRING

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