
Kalorienfreie Kastanien-Nachspeise
In Taubers Unterwirt gibt es das ganze Jahr über jeden Freitag einen „Kastanienabend“ mit abwechslungs- reichen Kastaniengerichten. Konzentriert lassen sich diese leckeren Speisen natürlich während der Eisacktaler Kastanienwochen genießen. Für seine Gerichte hat Tauber inzwischen auch die regionale Hotelfachschule eingebunden nach dem Motto: „Kreativ muss der Mensch sein“.
Auf den Tisch kommen zum Beispiel ein Kalbskopf-Praliné mit Kastanien-Vinaigrette auf einer gerösteten Apfelscheibe in Lagrein, Kastanien-Kartoffel-Cremesuppe mit Schwarzbrotcroutons und Thymianduft, anschließend ein rosa gebratenes Lammnüsschen in Kastanienkruste. Den Abschluss macht wahlweise ein geschmacksstarkes Kastanien-Halbgefrorenes mit Waldfrüchtemark, Kastanienreis mit Schokosauce und Sahne oder ein Vanille-Eis mit heißen Kastanien und Kaffee. „Nur Vitamine – keine Kalorien“, grinst Franz Tauber dazu nur schelmisch. Für die gute Verdauung sorgt anschließend – was sonst? – ein Kastanien-Edelbrand vom benachbarten „Radoarhof“, der ebenfalls direkt am Keschtnweg liegt.

Die Kastanien-Kultur ist ein gemeinsames Anliegen der Einheimischen
Im Eisacktal liegt die botanische Grenze der Edelkastanie. Wegen der Temperatur wachsen kaum noch Edelkastanien weiter nördlich. Ihr Ursprung liegt ja auch im mediterranen Bereich, wo Sie ebenfalls noch häufig anzutreffen ist.
Rund 55.000 Kastanien stehen in Südtirol. Allein in Feldthurns bereichern 3633 Edelkastanienbäume Landschaft, Bauern und Gastronomie. Franz Tauber, der Keschtn-König,hat sie genau gezählt. Inzwischen hat Tauber es geschafft, auch die inzwischen teilweise skeptische Bevölkerung bei der Kastanien-Kultur einzubinden: „Alle machen jetzt mit, setzen neue Bäume, pflegen den alten Bestand und verdienen sich durch den Verkauf noch etwas dazu“, so Tauber.

Naturparcours auf der Sonnenseite
1997 begann er, die Kastanie für den Tourismus wiederzuentdecken. Zuerst richtet er eine kleine Keschtnrunde ein aus der heute ein 65 Kilometer langer Keschtnweg geworden ist. Vom Kloster Neustift bei Vahrn, oberhalb von Brixen, immer entlang der Sonnenseite des Eisacktals über den Bozener Hausberg Ritten, vorbei an den einzigartigen Erdpyramiden, bis hinunter in den Bozener Talkessel und zur berühmten Bilderburg Runkelstein, zieht sich ein Band von herrlichen Kastanienhainen. Der Keschtnweg führt durch bunte Mischwälder, über Wiesen, vorbei an plätschernden Bächen, Kulturdenkmälern wie dem Kloster Säben und mittelalterlichen Städten wie Brixen und Klausen und bietet Wanderern das ganze Jahr über Gelegenheit, die Natur in vollen Zügen zu genießen. In Pardell beispielsweise, oberhalb des Kloster Säbens, trohnt der idyllische Dorfgasthof Huber – mit einem wunderschönen Panoramblick über das Eisacktal zu den zackigen Geisslerspitzen. Hier zwischen den Apfelbäumen auf der Wiese, schmecken Brotzeit und ein Roter aus Eigenanbau besonders gut. Gleich gegenüber liegt der Apfelbauernhof Obergostner der Familie Gasser. Ein Besuch in deren kleinen Bauernladen lohnt allemal, denn hier finden sich viele gesunde Produkte rund um Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kräuter.

Im September lohnt sich bei diesem Parcours zudem ein Abstecher nach Klausen. Dort wird an drei Wochenenden beim “Gassl-Törggelen” der bevorstehende Herbst gefeiert. Da wird die “Törggele-Königin” gekrönt, in den Gassen spielen Blaskapellen und Ziehharmonika-Musiker zünftig auf, an den Ständen werden Eisacktaler Spezialitäten zubereitet – zu erstaunlich zivilen Preisen übrigens – und auch die Kastanie lässt grüßen: Eine süffige Spezialität ist beispielsweise das “Keschtn-Bier”, von dem schnell mehr als eines die Kehle herunter rinnt.