Der Charme des Unspektakulären

In Irlands nördlicher Mitte an der unsichtbaren Grenze zu Nordirland liegen zwei Grafschaften, die noch zu den beinahe unentdeckten Schätzen für Irlandreisende gehören: Cavan und Monaghan. Spektakuläre Sehenswürdigkeiten findet man hier nicht, dafür aber eine wunderbar harmonische Landschaft und Kleinstädte, in denen das typisch ländliche Alltagsleben noch seinen unaufgeregten, erholsamen Gang geht. 

Das elegante Cavan Crystal Hotel in Cavan Town.

Die Reise in die beiden Grafschaften in Irlands nördlicher Mitte beginnt rund 100 Kilometer nördlich von Dublin im County Monaghan mit einem Dichter. Kavanagh Country nennt sich das Land rings um Inniskeen, einem 2000 Einwohner zählendem Ort, in dem 1904 Patrick Kavanagh das Licht der Welt erblickte und seine Jugend auf einem Bauernhof verbrachte. Seiner Heimat, dem Landleben und den Entbehrungen der Farmer hat er in seinen Werken ein Denkmal gesetzt. Der 1967 in Dublin verstorbene Dichter zählt zweifelsfrei zu den großen Literaten Irlands, bei uns ist er leider wenig bekannt.

In Monaghan in der Gemeinde Inniskeen lohnt das Patrick Kavanagh Centre einen Besuch.

Sanfte Hügellandschaft

Die Gemeinde hat die alte Pfarrkirche zum Kavanagh Centre umgebaut, einen großen Parkplatz errichtet und in einem typischen Bauernhaus der Gegend ein Coffeehouse für 50 Personen eröffnet. Damit nicht genug: Es gibt einen Patrick Kavanagh Trail, ein Wanderweg mit 16 Stationen zu den Orten, die der Dichter liebte und jedes Jahr eine Poetry-Music-Woche. Zum 100. Geburtstag des Dichters kam sogar die damalige irische Präsidentin Mary McAleese nach Inniskeen. Ob sie sich von Gene führen ließ, ist nicht bekannt, ein unvergessliches Erlebnis ist das auf jeden Fall. Gene kennt nicht nur jeden Grashalm rund um den Ort, sondern auch alle Werke Kavanaghs und zitiert an historischen Orten jene Gedichte, die genau dort geschrieben wurden. Die Stadt Monaghan selbst mit seinem »Diamanten«, einem viktorianischen Brunnen, der St. Macartan´s Kathedrale und dem sehenswerten County Museum lohnt einen längeren Aufenthalt in der sonst so ruhigen Hügellandschaft mit den kleinen Seen, Flüssen und Tälern. Hier gibt es sie noch, die alten, engen Landstraßen, mit Hecken und Fuchsien gesäumte Wege, auf denen man noch ein Schwätzchen halten kann mit dem Farmer, der an der Trockensteinmauer lehnt oder dem Fahrer eines entgegenkommenden Autos. Hier braust keiner vorbei ohne hallo zu sagen und das Wetter zu besprechen.

Die imposante Cavan Cathedral thront über der Stadt.

Cooles Cavan

Weiter geht es in die Grafschaft Cavan. Moore, Seen, Wälder und Drumlins, runde Erdablagerungen aus der letzten Eiszeit, prägen auch hier das Landschaftsbild. Ein Paradies für Wanderer, Angler, Wassersportler und Liebhaber der Glas- und Kristallkunst. Im Hauptort Cavan sollte man sich das Cavan Crystal Hotel ansehen, die einstige benachbarte  Produktionsstätte klassischer irischer Glaswaren ist leider nur noch als Markenname erhalten geblieben, das Hotel allerdings besitzt eine gleichartige zeitlose Eleganz, die zur Kategorie Design-Palast gehört. Das hat man hier so nicht erwartet, im wilden Norden der Republik. 

John Joe O´Reilly (1918 – 1952) war Kapitän des großen Cavan All Ireland Football Teams 1947 und 1948 in New York.

Die Grafschaft Cavan bietet außerdem zahlreiche Orte, die von Natur aus wie geschaffen sind für digitale Enthaltsamkeit. Einige stechen besonders hervor wie die gewaltige Bergkulisse der Cuilcagh Mountains.  Dort kann man innere Ruhe finden im einzigartigen tibetanisch-buddhistischen Meditationszentrum Jampa Ling. Bei Meditationsübungen mitmachen, einen Birkenwald durchstreifen, schweigsam sein und schon bald beruhigt sich der digitale Puls. Auch Golfenthusiasten kommen hier auf ihre Kosten. Das Farnham Estate Spa & Golf Resort ist eine Vier-Sterne-Schönheit, die auf über 1300 Hektar hügeliger Wiesen und uralter Wälder in der Grafschaft Cavan liegt. Der atemberaubende Parklandkurs erstreckt sich über 500 Hektar des Anwesens und verfügt über ein modernes Clubhaus. Die vorderen neun Löcher sind eine leichte Herausforderung, während die hinteren Neun viel schwieriger werden, da die Löcher durch dichten und wilden Wald führen. Es ist ein einzigartiger Kurs, der von einem der führenden europäischen Golfplatzarchitekten entworfen wurde: Jeff Howes hat in der Vergangenheit schon mit Golflegenden wie Jack Nicklaus und Severiano Ballesteros zusammengearbeitet.

In Cavan Town gibt es im Cafe Mana ausgezeichneten Kaffee und Kuchen.

Cavan auf dem Wasser

Da der Fluss Shannon, die Lebensader, der Region zwischen dem Wild Atlantic Way im Westen und Irlands historischem Osten ist, verwundert es auch nicht, dass viele Aktivitäten auf dem Wasser ausgeübt werden. So kann man im Cavan Adventure Centre imLough Oughter Kanu oder Kajak fahren, Paddelboarding betreiben oder einfach nur Spaß im weitläufigen Wasserpark haben. Kennen Sie Hydrobiking? Fahrradfahren auf dem Wasser ist ein neuer Trend, für Stabilität sorgen zwei Kufen ähnlich wie bei einem Katamaran. Einfach diese neue Fortbewegung auf dem Wasser einmal ausprobieren.

Cafe Latte Da in cavan bietet hervorragende Lunch-Gerichte und leckeren Kaffe und Tee.

Monaghan, Milch und mehr

Liebhaber des schwarzen malzigen Biers finden imBrehon Farm and Brewhouse eine Tour, die es in sich hat, denn sie vereint zwei Welten: Schwarz und Weiß, Milch und Stout.
Gründer Seamus McMahon übernimmt die Führung durch die Farm und die angegliederte Brauerei im County Monaghan. Besucher können miterleben, wie die Kühe gemolken werden und erfahren interessante Details über die Herde, die Milch für den berühmten Bailey’s Likör liefert.

WEITERE INFORMATIONEN

Im Cavan Crystal Hotel lässt sich geruhsam nächtigen.

Cavan Crystal Hotel, geräumiges, modernes  Hotel mit Charme, www.cavancrystalhotel.com

Patrick Kavanagh Centre, alles über den großen Dichter, www.patrickkavanaghcentre.com

www.thisiscavan.ie

www.cavanadventure.ie

www.brehonbrewhouse.ie

www.irelandnorthwest.ie

Alle Informationen und Inspirationen für Reisende nach Irland, www.ireland.com

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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