Benidorm: 10 Fun Facts über Europas verrückteste Skyline

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Vom Fischerdorf zur Wolkenkratzer-Stadt, vom Bikini-Skandal zum höchsten Wohnhaus der EU – Benidorm steckt voller Geschichten, die so absurd sind, dass sie wahr sein müssen. Zehn Fun Facts über Benidorm, die Stadt die niemals aufhört zu überraschen.

Wer zum ersten Mal nach Benidorm kommt, reibt sich die Augen. Da steht man an der Costa Blanca, erwartet weiße Dörfer und Orangenhaine – und blickt auf eine Skyline, die an Manhattan erinnert. Über 300 Hochhäuser ragen in den Himmel, gekrönt vom Intempo, einem 198 Meter hohen Doppelturm mit diamantförmiger Verbindung. Wie wurde aus einem verschlafenen Fischernest die vertikalste Stadt Europas?

Benidorm – Manhatten des Mittelmeeres – Alexander Gresbek

1. Ein Bürgermeister, eine Vespa und der Bikini

In den 1950er-Jahren zählte Benidorm gerade einmal 2.726 Einwohner und lebte vom Thunfischfang. Dann kam Pedro Zaragoza. Der Bürgermeister hatte eine Vision: internationaler Tourismus. Sein Problem: Francos Spanien war erzkatholisch, und ausländische Touristinnen trugen Bikini. Zaragoza tat, was kein anderer Bürgermeister wagte – er erlaubte den Zweiteiler per Verordnung. Der Erzbischof von Valencia tobte und leitete prompt ein Exkommunikationsverfahren ein.

Zaragozas Reaktion war legendär. Er schwang sich auf seine Vespa und fuhr knapp 480 Kilometer nach Madrid – acht Stunden über Landstraßen. Franco empfing ihn und war so amüsiert, dass er den Bikini genehmigte. Wenige Tage später reiste Francos Ehefrau demonstrativ nach Benidorm, und die Kirche zog die Exkommunikation zurück.

Der Skandal in Benidorm – Alexander Gresbek

2. Benidorm – Mehr Wolkenkratzer pro Kopf als jede andere Stadt der Welt

Die Bikini-Entscheidung war der Startschuss. Benidorms Bebauungsplan von 1963 legte den Grundstein für das vertikale Wunder: Statt in die Breite sollte die Stadt in die Höhe wachsen. Wer höher baut, schafft am Boden Platz für Pools, Gärten und Promenaden – eine Logik, die bis heute funktioniert.

Das Ergebnis in Zahlen: Über 300 Hochhäuser auf gerade einmal 39 Quadratkilometern Stadtgebiet. Mehr als 26 Gebäude überragen die 100-Meter-Marke – mehr als in Barcelona. Pro Einwohner gerechnet besitzt Benidorm die höchste Wolkenkratzerdichte der Welt. Die Spitznamen kommen nicht von ungefähr: „Beniyork”, „Manhattan des Mittelmeers” oder schlicht „Little Manhattan”.

Die Skyline und der Strand von Benidorm – Alexander Gresbek

3. Das Intempo in Benidorm – geboren auf einer Serviette

Und dann ist da das Intempo. Mit 198 Metern Höhe und 47 Stockwerken ist es das höchste Wohngebäude der EU – und gleichzeitig eines der berüchtigtsten Bauprojekte Europas. Die Architektur ist spektakulär: Zwei parallele Türme werden zwischen dem 37. und 45. Stockwerk durch einen umgekehrten elliptischen Kegel verbunden, der dem Ganzen die Form eines Diamanten verleiht.

Der Legende nach skizzierte Bauherr José Ignacio de la Serna die Idee auf einer Serviette: zwei Einsen, die sich gegenüberstehen, verbunden durch einen Kegel. Die Silhouette erinnert an den Buchstaben „M”, was Spekulationen auslöste, es handle sich um eine Hommage an die Madrider Anschläge vom 11. März 2004. Der Architekt dementierte, belastbare Belege für diese Deutungen gibt es jedoch nicht; sowohl die Servietten-Anekdote als auch die „M“-Interpretation gelten als unbelegte Spekulationen.

4. Benidorm: 14 Jahre Bau Chaos.

Was als Zwei-Jahres-Projekt begann, wurde zur längsten Baustelle Spaniens. Baubeginn war im Mai 2007, geplante Fertigstellung 2009. Dann kam die Finanzkrise. 2011 stürzten 13 Arbeiter bei einem Lastenaufzug-Unfall ab – alle überlebten dank einer Notbremse. 2013 traten beide Architekturbüros zurück. 2014 ging der Entwickler in die Insolvenz, die später als betrügerisch eingestuft wurde. Anfang 2015 starb Gründer de la Serna; gegen ihn lag ein Haftbefehl vor, weil Käuferanzahlungen ohne Bankgarantien direkt in den Bau geflossen waren.

Das Intempo stand jahrelang als Rohbau-Ruine über Benidorm. Erst 2017 kaufte der US-Investmentfonds SVP Global den Komplex für rund 60 Millionen Euro von der spanischen Bad Bank Sareb. Im Juli 2021 wurde das Gebäude endlich eingeweiht – 14 Jahre nach der Grundsteinlegung.

5. Der vergessene Aufzug des Intempo – die größte Architektur-Legende des Internets

Fast jeder hat die Geschichte gehört: Beim Bau des 47-stöckigen Intempo hätten die Architekten den Aufzug vergessen. Die Wahrheit? Es ist ein Mythos – und zwar einer der hartnäckigsten der Architekturgeschichte.

Alles begann mit einem Absatz in El País im Juli 2013, der sich auf anonyme Quellen berief. Der US-Blog Gizmodo machte daraus die reißerische Schlagzeile vom Wolkenkratzer ohne Aufzug. BBC, Spiegel, Daily Mail und Dutzende weitere übernahmen die Story ungeprüft. Dabei war eine spanische Journalistin bereits Monate zuvor mit dem Aufzug zum 45. Stock gefahren und hatte die Stockwerk-Anzeige fotografiert. Der Faktencheck-Blog Microsiervos verfolgte sämtliche Berichte zur selben anonymen Quelle zurück und fand Baupläne mit eindeutig eingezeichneten Aufzugschächten.

Tatsächlich verfügt das Intempo über sechs Hochgeschwindigkeitsaufzüge von KONE, die mit 4,2 Metern pro Sekunde in unter einer Minute vom Keller bis zum 45. Stock schießen – die schnellsten in einem Wohngebäude Spaniens. Der wahre Kern der Geschichte: Beim Wechsel des Aufzugherstellers waren minimale Anpassungen an den Maschinenräumen nötig. Aus diesem technischen Detail wurde durch stille Post eine Weltschlagzeile.

6. Britische Urlauber machen 42 Prozent aller Hotelgäste in Benidorm aus

Benidorm ist britisch. Zumindest fühlt es sich so an, wenn man durch Rincon de Loix spaziert, wo Fish-and-Chips-Läden und Pubs mit Premier-League-Übertragung das Bild dominieren. Die Zahlen bestätigen den Eindruck: 2024 machten britische Touristen 42,5 Prozent aller Hotelübernachtungen aus – mehr als die Spanier selbst mit 38,6 Prozent. Insgesamt verzeichnete die Stadt über 15,4 Millionen Übernachtungen. Das entspricht etwa 31 Touristen pro Einwohner und Jahr. Bemerkenswert: Anders als in Barcelona gab es in Benidorm bislang keine Anti-Tourismus-Proteste.

Benidorm – Das vertikale Wunder am Mittelmeer – Alexander Gresbek

7. Julio Iglesias startete seine Weltkarriere in Benidorm

Bevor er über 300 Millionen Tonträger verkaufte, war Julio Iglesias ein 25-jähriger Ex-Torwart von Real Madrid, dessen Fußballkarriere durch einen Autounfall beendet worden war. Im Krankenhausbett lernte er Gitarre spielen. 1968 gewann er das Festival Internacional de la Canción de Benidorm – der Startschuss für eine der erfolgreichsten Musikkarrieren der Geschichte. Das Festival lebt seit 2021 als Benidorm Fest wieder auf und bestimmt heute Spaniens Beitrag zum Eurovision Song Contest.

Weltstar Julio Iglesias startete in Benidorm – Alexander Gresbek

8. Benidorm Penthouse mit Meerblick? Ab knapp 5 Millionen Euro

Heute ist das Intempo kein Mahnmal mehr, sondern ein Luxus-Wohnkomplex mit 256 Apartments. Die Preisspanne reichte von rund 500.000 Euro in mittleren Stockwerken bis zu knapp 5 Millionen Euro für das exklusivste Penthouse Benidorms auf Etage 45 – 565 Quadratmeter, acht Zimmer. Auf Stockwerk 46 warten ein Infinity-Pool, ein Spa und ein Restaurant auf die Bewohner.

9. Europas höchstes Hotel steht auch in Benidorm

Als wäre das Intempo nicht genug: In Benidorm steht mit dem Gran Hotel Bali auch das höchste Hotel Europas. 186 Meter, 50 Stockwerke, 776 Zimmer – seit der Eröffnung 2002 überragt es die Skyline von Poniente. Vom Dach aus kann man bei klarer Sicht bis zur Insel Tabarca blicken. Eine Stadt mit weniger als 75.000 Einwohnern, die gleichzeitig das höchste Wohngebäude und das höchste Hotel eines ganzen Kontinents beherbergt – das gibt es kein zweites Mal.

10. Benidorm: Europas effizienteste Tourismus-Stadt

Der vielleicht überraschendste Fun Fact kommt zum Schluss. Trotz seines Rufs als Beton-Ballermann gilt Benidorm unter Stadtplanern als eines der nachhaltigsten Tourismusmodelle der spanischen Küste. Die vertikale Bauweise bedeutet weniger Flächenverbrauch und kürzere Wege. Privatverkehr spielt kaum eine Rolle. Die Stadt erreicht 94 Prozent Effizienz im Wassermanagement und erhielt 2018 als weltweit erste die Zertifizierung als „Intelligentes Touristenziel”. Dazu über 3.000 Sonnenstunden pro Jahr – ein Klima, das die Weltgesundheitsorganisation bereits 1986 als eines der günstigsten der Welt einstufte.

Benidorm und Nachhaltigkeit – Alexander Gresbek

Benidorm mag auf den ersten Blick wie ein Planungsfehler wirken. Auf den zweiten Blick ist es ein ziemlich cleverer Plan.

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Alexander Gresbek

Autor Kurzvorstellung:

Alexander Gresbek ist Reisejournalist, Fotograf und Buchautor mit Schwerpunkt auf der Costa Blanca. Als freier Autor schreibt er regelmäßig für Publikationen wie die Costa Blanca News, das Costa Blanca Magazin und Ippen Media. In seinen Reportagen und Reiseführern verbindet er lebendige Texte mit eindrucksvollen Fotos der Region.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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