Versteckte Schätze in Seine-et-Marne

Das Departement Seine-et-Marne liegt südöstlich vor den Toren von Paris. Es verfügt über ein Kultur- und Architekturerbe, das es zu einem Reiseziel macht für alle, die Frankreichs Secret Places hautnah erleben möchten.

Fontainbleau erstrahlt im sommerlichen Glanz.

Seine-et-Marne besitzt neben seinen ausgedehnten Flusslandschaften, den weiten Feldern und mittelalterlichen Dörfern auch zwei Orte, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden: die Domaine de Fontainebleau und die mittelalterliche Stadt Provins.

Die Fachwerkhäuser in Provins geben dem Ort einen historischen Charakter.

Majestätische Schlösser wie das Schloss Fontainebleau mit seiner Geschichte Napoleons, die unvergleichliche Architektur des Schlosses Vaux-le-Vicomte, ein Meisterwerk der Architektur von Fouquet und Inspiration für Versailles, machen einen Besuch zu einer faszinierenden Zeitreise in die französische und europäische Geschichte. Die reizvolle Naturlandschaft in der Umgebung lädt auch zu Aktivitäten wie Wandern, Golf, Kanufahren, Klettern oder Radfahren ein. Und nicht zuletzt verspricht die köstliche Gastronomie der Seine-et-Marne auch kulinarische Entdeckungen mit herzhaften und süßen Spezialitäten aus der Region.

Schloss Vaux-le-Vicomte war Vorbild für Versailles.

Inspirierendes Schloss Vaux-le-Vicomte

Schloss Fontainbleau kennt fast jeder, aber Schloss Vaux-le-Vicomte? Dabei war dieses Schloss die Inspiration für Versailles. Heute ist es das größte private Denkmal Frankreichs und bietet ein wunderschönes Erlebnis bei Besichtigungen tagsüber und bei Abendveranstaltungen bei Kerzenschein, die von Mai bis Oktober stattfinden. Eine bemerkenswerte Architektur, außergewöhnliche Dekorationen, ein einzigartiger Garten, der Erfolg von Vaux-le-Vicomte ist dem Willen seines Gründers Nicolas Fouquet und dem Genie der drei Künstler zu verdanken, die er engagierte: Louis Le Vau, der Architekt, Charles Le Brun, der Maler und Bildhauer, und André Le Nôtre, der Gärtner.

Vorbildhafte Gartenanlagen in Vaux-le-Vicomte.

Die drei Meister, die unter der strengen Aufsicht Fouquets standen, vereinten ihr außergewöhnliches Fachwissen, um eines der größten Meisterwerke des 17. Jahrhunderts zu schaffen. Am 17. August 1661, nur  fünf Jahre nach Baubeginn, lud Nicolas Fouquet zur Einweihung des Schlosses ein. Unter den Gästen befand sich König Ludwig XIV., in dessen Diensten Fouquet als Finanzminister stand. So prunkvoll das Fest auch war, der französische Monarch wollte nicht im „Königsgemach“ übernachten, sondern zog sein eigenes Schloss in Fontainebleau vor. Nur 19 Tage später wurde Fouquet wegen des Verdachts auf Hochverrat verhaftet und blieb bis an sein Lebensende in Haft.

Wer möchte nicht in solch einem Arbeitszimmer seinen Geschäften nachgehen…

Der Fall ihres Gönners schadete jedoch der Karriere von Le Brun, Le Vau und Le Nôtre nicht. Im Gegenteil: Ludwig XIV. beauftragte sie später mit dem Bau seines spektakulären neuen Schlosses in Versailles.

Lebendige Geschichte in Vaux-le-Vicomte

Die fantasievolle Geschichte von Schloss Vaux-le-Vicomte kann man heute mit einer immersiven Audiotour erleben, mit der man das Schloss in Begleitung des berühmten Fabeldichters Jean de La Fontaine, einem Freund Fouquets, und Panache, einem Flughörnchen, das als imaginärer Schutzgeist des Anwesens fungiert, erkundet. Diese Tour richtet sich zwar vorwiegend an jüngere Besucher, weckt aber auch das Interesse neugieriger Menschen jeden Alters, denn hier wird Geschichte lebendig und aus alltäglichem Blickwinkel authentisch vermittelt. Ein einzigartiges Erlebnis, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen in eine magische, bezaubernde Welt entführt. In 2027 wird es ein neues, viertägiges Gartenfest in Vaux-le-Vicomte geben und für 2028 ist ein neuer Flower-Event geplant.

In Barbizon gibt es an jeder Ecke Kunstgalerien.

Barbizon und die Maler

Barbizon ist das Dorf der prä-impressionistischen Maler. Zahlreiche Künstler hielten sich hier auf, angezogen von diesem charmanten Dorf und seiner Nähe zum Wald von Fontainebleau.

Luigi Perez betreut die Gäste in der Besharat Gallery in Barbizon.

Das Museum „Musée Départemental des Peintres de Barbizon“ umfasst zwei historische Stätten: das Gasthaus Auberge Ganne, in dem zwischen den 1820er und 1860er Jahren zahlreiche Künstler einkehrten, sowie das Wohnhaus und Atelier von Théodore Rousseau. Seit 1995 beherbergt das Gasthaus Ganne die ständige Sammlung des Museums. Sie umfasst sowohl die von den dort logierenden Malern geschaffenen Verzierungen an Möbeln und Wänden des Gebäudes als auch eine beeindruckende Kollektion von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken von Camille Corot, Jean-François Millet, Théodore Rousseau und Narcisse Diaz de la Peña.

Hiam Farhat managt das Maison-Atelier de Jean-Francoise Millet in Barbizon.

Das ganze Jahr über bietet das Museum Vorträge, Workshops zum Skizzieren im Freien sowie Kurse zur Druckgrafik an. Und in der Kunstgalerie Besharat Gallery in Barbizon kann man auch übernachten, ein wunderbares Haus der Modernen Kunst, in dem jeder Übernachtungsraum einem bestimmten Künstler gewidmet ist. Wer ein Bild aus der Galerie ersteht, nächtigt hier sogar umsonst.

Slava und die Gelbe Mühle

Im Norden des Départements Seine-et-Marne, in Crécy-la-Chapelle, wird man vom Garten und Theater des Moulin Jaune verzaubert. Sein Schöpfer, der Slava Polunin, entwarf diesen Garten, indem er seine Träume, Leidenschaften und Reiseerinnerungen hier miteinander verwebte. Die „Gelbe Mühle“ ist Wohnsitz und kreatives Labor des berühmten russischen Clowns Slava Polunin. 2001 vom Schöpfer der „Slava’s Snowshow“ ins Leben gerufen, um sein Dasein als wahres Kunstwerk zu gestalten, beherbergt die Moulin Jaune verschiedene Themengärten, die als Bühne für künstlerische Darbietungen dienen.

Die Gärten der Moulin Jeaune verzaubern die Besucher.

Dieser als „Jardin Remarquable“ ausgezeichnete Ort ist zudem Sitz der „Akademie der Narren“. Ein traumhafter Park, in dem Natur, Schöpfung und Alltag miteinander verschmelzen. Das sich stetig wandelnde, vier Hektar große Refugium offenbart eine Welt, die zugleich real und wunderbar ist, eine subtile Mischung aus Art brut, Science-Fiction und Zirkus im Stil von Fellini. Trotz seines Anscheins von Leichtigkeit ist dieser weltberühmte Clown ein unermüdlicher Arbeiter, der vor allem danach strebt, seinen Träumen zu folgen und so absolute Freiheit zu erlangen. Im Alter von elf Jahren entdeckte Slava Charlie Chaplin in dem Film „The Kid“, für ihn ein Offenbarungserlebnis. Wenige Jahre später begann er, die Kunst der Pantomime zu erlernen.

Theater des Friedens

Seine Clown-Figur im charakteristischen gelben Kostüm mit roten Schuhen, vereint auf subtile Weise die Eigenschaften seiner drei großen Meister: des fabelhaften sowjetischen Clowns Engibarow, des philosophischen Mimen Marceau und des bewegenden Komikers Chaplin. Später entwickelte er die Idee eines Theaters, das unterschiedliche Clowns unter einem Dach vereinte. Dieses Kaleidoskop an Charakteren erlangte große Popularität.

Der Wohnsitz Slava Polunins ist ein großes Kreativlabor.

Nach deren Auflösung zwanzig Jahre später wandte sich Polunin der Tragikomödie zu. Er versuchte, das Groteske mit dem Epischen zu versöhnen und so „den Clown zurück ins Theater zu bringen“. Neben einem ersten Straßentheaterfestival und einem „Nationalen Kongress der Narren“ rief er auch die „Karawane des Friedens“ ins Leben, ein Wandertheater, das Europa von Moskau bis Paris durchquerte. Die „Akademie der Narren“ bemühte sich um eine Wiederbelebung des Karnevalsgedankens und brachte das „Narrenschiff“ hervor, das die talentiertesten Clowns der Welt vereinte. Nicht zu vergessen die legendäre „Snowshow“, ein wunderbarer Schneesturm, der um die ganze Welt wirbelt und Zirkusbegeisterte jeden Alters in seinen Bann zieht. So wie seine Gärten in Crécy-la-Chapelle, die bei keinem Besuch in Seine-et-Marne fehlen sollten.

Weitere Informationen:

Atout France, www.france.fr/de

Tourismus Seine-et-Marne, www.tourisme-seine-et-marne.fr

Provins Tourisme, www.provins.net

Hotel Aux Vieux Remparts, Provins, www.auxvieuxremparts.com

Schloss Vaux-le-Vicomte, www.vaux-le-vicomte.com/en

Künstlerdorf Barbizon, www.fontainebleau-tourisme.com/de/barbizon-das-malerdorf

Besharat Gallery, Barbizon, www.besharatgallery.com

Musée Millet, Barbizon, www.musee-millet.com

Moulin Jaune, Crécy-la-Chapelle, www.moulinjaune.com/en

Die Gärten der Gelben Mühle mit kreativen Picknicks, Musik, fröhlichen Gestalten, unerwarteten Szenen, immersiven Spaziergängen und natürlich farbenfroher Kleidung sind noch am 18. und 19. Juli, 29. und 30. August, 19. und 20. September und 10. und 11. Oktober 2026 geöffnet. Geführte Gartenrundgänge mit Einblicken in die Geschichten aus dem Kreativlabor sind darüber hinaus auf Anfrage möglich.

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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