Kassel lockt mit Rembrandt

Eine der wichtigsten Ausstellungen des Jahres kommt nach Kassel: „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ läuft bis zum 9. August 2026 auf Schloss Wilhelmshöhe. Im Mittelpunkt steht der große Maler Rembrandt. Er gehört zur illustren kleinen Gruppe jener Künstler, die allein unter ihrem Vornamen berühmt wurden.

Rembrandt Harmenszoon van Rijn wurde 1606 in der niederländischen Stadt Leiden geboren. Er übte seine Kunst mehr als vier Jahrzehnte aus und schuf dabei tausende Gemälde, Radierungen, Zeichnungen. Die Ausstellung konzentriert sich jedoch auf das Jahr 1632 – einen entscheidenden Wendepunkt in Rembrandts Entwicklung.

„Im Jahre 1632 verließ Rembrandt seine Heimatstadt Leiden und zog nach Amsterdam, wo er sich mit seinen Porträts einen Namen machte“, sagt Martin Faass, Direktor der Einrichtung Hessen Kassel Heritage, unter deren Obhut die historischen Schlösser und Museen der Stadt stehen. „Mit dem Ortswechsel startete sein überregionaler Erfolg. Im selben Jahr begann er auch, mit seinem Vornamen zu signieren“. Die Marke „Rembrandt“ war geboren.

Rembrandt van Rijn: „Selbstbildnis, um 1628“, Rijksmuseum Amsterdam, Public domain

Die Ausstellung beleuchtet diese produktive Phase und zeigt, wie Rembrandt um 1632 mit unterschiedlichen Gattungen der Malerei experimentierte. Etliche seiner rund 80 Selbstporträts sind zu sehen. Zum Beispiel das „Selbstporträt mit Halsberge“, 1629 entstanden, auf dem der junge Künstler so selbstbewusst und zuversichtlich in die Welt blickt.

(c) Hessen Kassel Heritage, Nicolas Wefers

Ein weiteres Markenzeichen des Malers sind die eindringlichen Porträts alter Menschen. Offensichtlich wird: Mit seinen Porträts wendet sich Rembrandt von der bloßen Schönmalerei ab, um zu psychologischer Tiefe und ungeschminkter Realität vorzudringen. Er setzt auf eine expressive Darstellung von Licht und Schatten. Die Farben trägt er plastisch, millimeterdick auf, was den Gemälden eine einzigartige Textur verleiht. Das kann man in der Ausstellung beim Berühren eines nachgestalteten Porträts ertasten.

(c) Hessen Kassel Heritage, Nicolas Wefers

Die hochkarätige Ausstellung setzt natürlich auf Leihgaben, jedoch kann Kassel immerhin 20 Arbeiten aus eigenem Bestand beisteuern. Museumsdirektor Martin Faass bezeichnet Kassel als „Kompetenzzentrum für niederländische Malerei und Rembrandts Werk“. Vor allem Landgraf Wilhelm VIII., der Begründer der hiesigen Gemäldegalerie, holte im 18. Jahrhundert zahlreiche Bilder nach Nordhessen, so Faass. „Wir wollen durch diese Ausstellung auch die Bedeutung unserer eigenen Gemäldegalerie sichtbar machen.“

Die Ausstellung läuft im klassizistischen Schloss Wilhelmshöhe, wo einst die Kurfürsten und Landgrafen von Hessen-Kassel ihre Sommerfrische verbrachten. Heute beherbergt es mehrere Kunstsammlungen. Es lohnt sich, neben Rembrandt auch die Antikenausstellung oder die Gemäldegalerie Alte Meister zu besuchen. Zudem lädt der umgebende Bergpark Wilhelmshöhe, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, zum Spaziergang ein. Dank seiner Hanglage wirkt der ausgedehnte Park dreidimensional – das ist einzigartig und ermöglicht ganz besondere Wasserspiele.

Mittwochs und sonntags kann der Besucher ein gewaltig rauschendes Schauspiel erleben. Das Wasser stürzt vom Herkules-Monument, Kassels Wahrzeichen, über künstliche Felsen, Wasserfälle, Treppen und ein Aquädukt herab. Daneben lassen sich überall Spuren der jahrhundertealten Parkgeschichte entdecken: vom strengen Barockgarten bis zum englischen Landschaftspark. Es gibt sogar eine Fake-Ruine, die Löwenburg, die um 1800 nach dem Vorbild einer verfallenen Ritterburg errichtet wurde.

Die Ausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ läuft bis 9. August in Kassel. Anschließend wandert sie ins Schloss Friedenstein nach Gotha – jedoch mit unterschiedlichem Schwerpunkt und einigen anderen Leihgaben. Echte Rembrandt-Fans sollte sich also beide Orte vornehmen.

Ausstellung: „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“

8. Mai bis 9. August 2026 | Schloss Wilhelmshöhe, Hessen Kassel Heritage

www.heritage-kassel.de

6. September bis 6. Dezember 2026 | Herzogliches Museum Gotha, Friedenstein Stiftung

www.stiftung-friedenstein.de

Titelbild „Schloss Wilhelmshöhe“ und alle Fotos von Antje Rößler, sofern am Bild nicht anders angegeben.

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Antje Rößler

Autor Kurzvorstellung:

Antje Rößler reist gern und liebt die Schönen Künste. Beides verbindet sie in ihrer Tätigkeit für diverse Tageszeitungen und Magazine: von der „Süddeutschen Zeitung“ über das America Journal bis zum Forum Magazin. Sie lebt in Berlin und in der Uckermark – abgesehen von ausgedehnten Winter-Aufenthalten in tropischen Gefilden. Sie hat an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Soziologie und Philosophie studiert. Ein Auslandsjahr verbrachte sie mit einem Fulbright Stipendium in Kansas City. Sie war mehrfach Stipendiatin der German Studies Association. Als Musik-Expertin arbeitet Antje nun regelmäßig für Fachmagazine wie „Das Orchester“ oder „neue musik zeitung“ und lehrte Music History am Nazareth College (New York). Ihr neues Buch handelt von der Musikstadt Meiningen (Thüringen).

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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