Südlich von Leipzig trifft man in Lützen auf Spuren des 30-jährigen Krieges und in Markkleeberg auf ein Wassersportzentrum höchster Güte. In Zwenkau rundet eine Architekturikone im Bauhaus-Stil den Besuch in Leipzigs Süden ab.

Der Museumsbau Lützen 1632 überzeugt mit seiner klaren Struktur.
Es gibt kaum einen Menschen, der sich für die Naturerscheinungen interessiert, dessen Bewunderung ihm nicht ins Gesicht geschrieben steht angesichts eines mächtigen Flusslaufes, einer idyllischen Bachlandschaft, eines reißenden Gebirgsflusses, einer Küste oder eines imposanten Wasserfalls. Fließendes Wasser, Seen und Teiche scheinen uns unwiderstehlich anzuziehen wie das Abendlicht im Sommer die Mückenschwärme. Dann beginnen auch unsere Gedanken zu tanzen, tauchen aber sehr schnell aus dem anfänglichen wilden Assoziationsgewirr in ruhigeres Fahrwasser und scheinen sich dem gleichmäßigen, manchmal auch wilden Strom des Gewässers, an dem wir entlang ziehen, anzugleichen. Wie von wundersamer Hand geleitet, finden wir innere Ruhe und einen harmonischen Rhythmus in unseren Bewegungen. Aber woran liegt diese seltsame Verwandlung vom gestressten Großstadtmenschen zum schweigsamen, in sich ruhenden Wasserwanderer? Was macht die wortlose Kommunikation zwischen Gewässer und Mensch aus, gibt es sie überhaupt oder bilden wir uns das alles nur ein?

Die Schwedenhäuser ergänzen den Museumskomplex Lützen 1632.
Man muss kein Prophet oder Psychologe sein, um dieses Rätsel zu lösen, oft sind die Dinge einfacher, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Da ist zunächst einmal die für uns leicht nachvollziehbare, logisch erscheinende Streckenführung, mit der sich Wasserläufe ihren Weg durch die verschiedensten Landschaften bahnen. Dadurch erscheint uns der Weg vertraut, vorhersehbar und damit auch beruhigend. Dann kommt uns im Frühling und Sommer eine angenehme Kühle vom Bach, Strom oder der Küste entgegen, die der Seele schmeichelt. Und nicht zuletzt fördern das gleichmäßige Plätschern oder das wilde Tanzen der Wasserbewegung und das sanfte Schlagen der Wellen ans Ufer für ein wohliges Gefühl. Und selbst im Herbst und Winter, wenn Nebelschwaden und Eisblöcke die Wasserläufe begleiten, strahlen sie eine unvergängliche Ruhe aus. Alles zusammen Gründe, die eine Reise ans Wasser zu einem so angenehmen Auszeiterlebnis machen. Die Region südlich von Leipzig ist prädestiniert dafür, Touristen, die das Wasser lieben, und aktive Wassersportler voll und ganz zufrieden zu stellen.

An dieser Stelle soll der schwedische König Gustav II. Adolf gefallen sein.
Die Region in Leipzigs Süden
Wer Strand, Entspannung, Aktivitäten und Kultur sucht, ist in und um Leipzig genau richtig. Mehr als 20 neue Seen mit einer Gesamtwasserfläche von 70 km² und unterschiedliche Wasserkurse sind nicht nur für Wasserwanderer interessant. Gerade für Familien mit Kindern bieten die Seen mit hervorragender Wasserqualität naturnahe Erholungsmöglichkeiten. Aber natürlich geht es hier auch aktiv zu, denn Segeln, Tauchen, Surfen, Wakeboarden und Klettern stehen in der Sommersaison hoch im Kurs. Bootsausflüge, beispielsweise vom Stadthafen im Herzen der Stadt Leipzig durch den idyllischen Auwald bis zum Cospudener See sowie Rundfahrten mit modernen Fahrgastschiffen sind beliebte Freizeitangebote.

König Gustav II. Adolf führte seine Truppen im Dreißigjährigen Krieg in die Schlacht bei Lützen.
Auch bietet die flache Landschaft der Leipziger Tieflandbucht beste Voraussetzungen für entspannte Familienausflüge mit dem Rad oder zu Fuß. So finden Aktivurlauber in der Dübener Heide mehr als 500 Kilometer gut ausgebaute Radwege oder wandern auf dem zertifizierten Qualitätswanderweg der Heide-Biber-Tour. Den Spuren der Reformation folgen können Pilger auf dem etwa 500 Kilometer langen Lutherweg Sachsen, der durch die Leipziger Region führt.

Die Ausstellung veranschaulicht, was am 6. November 1632 in Lützen geschah.
Markkleeberg und das Leipziger Neuseenland

Der Markkleeberger See ist ein Paradies für Wassersportler.
Markkleeberg ist eine attraktive Gartenstadt mit einzigartiger Lage zwischen Seenlandschaft und herrschaftlichen Villen. Der Kanupark Markkleeberg hat sich seit seiner Eröffnung 2007 zu einem touristischen Highlight entwickelt und bietet internationale Wettkämpfe, aber auch zahlreiche Freizeitsportarten an. Derzeit ist er erneut als potenzielle Olympia-Anlage für Bewerbungen im Gespräch. In der Nähe befindet sich der Kletterpark Markkleeberg, der seit seiner Neueröffnung 2025 mit drei Parcours in unterschiedlichen Höhen und über 80 abwechslungsreichen Kletterelementen die Kletterfans begeistert. Bereits zum 22. Mal war das Leipziger Neuseenland am ersten Maiwochenende Schauplatz einer ganz besonderen Wander-Sportveranstaltung: der 7-Seen-Wanderung. Auf insgesamt 79 Touren können sowohl sportlich ambitionierte Langstreckenwanderer als auch Freizeitwanderer die Natur des Leipziger Neuseenlandes auf Strecken von 3 bis zu 105 Kilometern Länge erleben.

Der Kanupark Markkleeberg bewirbt sich als Olympia-Austragungsort.
Die Königsdisziplinen führen dabei auf 105 km durch das Leipziger Neuseenland. Highlights des dreitätigen Wanderevents sind die namensgebende „Neuseenland XXL“ und die „Dreiländertour XXL“. Auf ihren jeweils 105 km langen Strecken vereinen die beiden Weitwander-Challenges sieben Seen und drei Bundesländer auf einzigartigen Rundtouren miteinander. Gestartet wird jeweils Freitagabend in Markkleeberg. Zielschluss ist 28 Stunden später am gleichen Ort. Die beliebtesten 7-Seen-Wanderstrecken können auch mit Schifffahrten kombiniert werden und somit eine willkommene Abwechslung in den Tourenplan bringen. Die „Costa Cospuda“-Tour entführt auf den Cospudener See, wo man mit etwas Glück einen der spektakulären Sonnenuntergänge auf See erleben kann. Die „Mondscheintour OST“ umfasst sogar gleich zwei Schifffahrten: einmal über den Störmthaler See mit Blick auf die Vineta und anschließend über den Markkleeberger See. Die geführten thematischen Touren verbinden kleinere Wandertouren zwischen drei und 15 km Länge mit Wissensvermittlung. Von Geschichtstouren durch Plagwitz über Natur-Entdeckertouren durch den Leipziger Auwald bis hin zu einer „Stand Up Paddling und Kanu-Lichtertour“ auf dem Markkleeberger See ist alles dabei. Besonders beliebt sind die „Wild Animals“-Touren in Zusammenarbeit mit dem Zoo Leipzig.
Erkundungstouren für Kinder und Familien

Im Kletterpark Markkleeberg gibt es für Anfänger und Profis zahlreiche Herausforderungen.
Auch für Kinder und Familien hat die 7-Seen-Wanderung einiges zu bieten. Besonders beliebt sind die Lama- und Alpaka-Touren. Aber auch die enviaM-Maikäfertour zieht jedes Jahr mehrere hundert Kinder mit ihren Familien in den agra-Park in Leipzig. Bei den Aktiv- und Gesundheitswanderungen dreht sich alles um Achtsamkeit und ein gesundes Leben. Lachyoga-, Musik- und Kräuterwanderungen sollen dabei helfen, abzuschalten und neue Kraft und Energien zu tanken. Im Jahr 2004 mit drei Touren und 180 Teilnehmern gestartet, hat sich die 7-Seen-Wanderung mittlerweile zum größten Wanderevent Mitteldeutschlands entwickelt, das jährlich tausende Wanderfreunde ins Leipziger Neuseenland lockt. Dabei ist es gelungen, den familiären Charakter der Veranstaltung zu bewahren. Sächsische Herzlichkeit, regionale Besonderheiten an den Verpflegungsstellen und immer ein offenes Ohr für die Belange der Wanderer sorgen das ganze Wochenende über für eine besondere Wohlfühlatmosphäre. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Erleben der Natur. Geschichte, Landschaft und Kultur des Leipziger Neuseenlandes bieten dafür einen einzigartigen Rahmen, den die 7-Seen-Wanderung jedes Jahr aufs Neue mit Leben füllt.

Der Kletterpark Markkleeberg bekommt in Kürze auch ein Soccer Golf Parcours.
Tage des Erinnerns in Lützen
Lützen ist nicht nur ein hübscher Ort, den es zu besuchen lohnt, sondern auch ein geschichtsträchtiger Knotenpunkt. Als „Stadt der Schlachtenlenker“ markiert sie die jene Stelle, an der 1632 der schwedische König Gustav II. Adolf und der kaiserliche General Pappenheim im Dreißigjährigen Krieg fielen. Neben diesem kriegshistorischen Erbe, das heute in Museen und Gedenkstätten zu sehen ist, wird im Ortsteil Röcken das kulturelle Vermächtnis des Philosophen Friedrich Nietzsche wachgehalten. Am 15. Oktober 1844 wurde im Lützener Ortsteil Röcken mit Friedrich Nietzsche einer der wohl größten deutschen Denker geboren. Hier wandelt man sprichwörtlich auf den Spuren des weltbekannten Lützeners, von dessen Geburt bis zu seinem Tod: Neben seinem Geburtshaus umfasst die Gedenkstätte auch die Taufkirche und das Grab Nietzsches.

Auch ein Massengrab wurde auf dem Schlachtfeld Lützen geborgen.
Und am 6. November wird in Lützen traditionell der Opfer der Schlacht von 1632 gedacht. Rund um diesen historischen Gedenktag lädt die Stadt zu einem vielfältigen Programm mit Lesungen, Gottesdiensten und einer feierlichen Kranzniederlegung ein. Diese Veranstaltung verbindet Geschichte, Gedenken und Begegnung auf besondere Weise. Die Schlacht bei Lützen zwischen einem schwedischen Heer unter Führung des Königs Gustav II. Adolf und den kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein war eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges. Für beide Seiten endete die Schlacht mit einem Pyrrhussieg. Etwa 10.000 Soldaten, darunter König Gustav II. Adolf, fanden auf dem Schlachtfeld den Tod. Auf der anderen Seite erlitten die kaiserlichen Truppen wahrscheinlich etwas geringere Verluste als die Gegenseite, darunter der kaiserliche General Pappenheim, zogen sich aber schließlich unter Zurücklassung ihrer Geschütze zurück. Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm nach dem Tod des Königs den Befehl über das schwedisch-protestantische Heer und behauptete das Schlachtfeld. Gewonnen hatte diese Schlacht aber eigentlich keiner.

In Zwenkau sollte man sich das Haus Rabe in der Ebertsraße 26 ansehen.
Architekturikone in Zwenkau
Das Haus Rabe in Zwenkau ist ein herausragendes Gesamtkunstwerk der Klassischen Moderne im Bauhaus-Stil. Zwischen 1929 und 1931 von Architekt Adolf Rading für Dr. Erich Rabe als Wohn- und Praxisgebäude entworfen, zeichnet sich das Haus durch die einzigartigen Wandmalereien des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer aus.

Die Wände im Haus Rabe zeigen Wandmalereinen des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer.
Haus Rabe bietet als Ausstellungsort kulturelle und gesellschaftliche Impulse und setzt sich mit den künstlerischen Gedanken, Methoden und Werken des Bauhauses auseinander, wobei immer Bezüge zur gegenwärtigen Lebenswelt hergestellt werden. »Etwas Organisches – zusammenhängend mit der Zeit, mit dem Leben um uns herum, mit unserem Denken und unserem Gefühl.« sagte der Architekt des Hauses Rabe, Adolf Rading einst. Er muss neben den Bauhaus-Steinen auch das Wasser im Süden von Leipzig gemeint haben.

Das von Architekt Adold Radnig im Bauhaus-Stil errichtete Gebäude wurde 1931 fertiggestellt.
Informationen
Leipzig, www.leipzig.travel
Leipzig Region, www.regionleipzig.de
Stadt Lützen, www.stadt-luetzen.de
Museum Lützen 1632, https://erlebnis-luetzen.de
Röcken Nietzsche Gedenkstätte, www.nietzsche-gedenkstaette.de
Markkleeberg, www.markkleeberg.de/freizeit-und-tourismus
Markkleeberg 7-Seen-Wanderung, www.7seen-wanderung.de/touren
Kanupark Markkleeberg, die verschiedenen Rafting-, Surf- und Kajakangebote sind ab Mitte März online buchbar unter www.kanupark-markkleeberg.com
Zwenkau, www.zwenkau.de/leben-tourismus
Zwenkau Haus Rabe, https://haus-rabe.de

Das Haus in Zwenkau wurde von Dr. Erich Rabe als Wohn- und Praxisgebäude genutzt.



