Spät am Abend zwischen Arbeitern für eine heiße Focaccia anstehen, den Fischern im Hafen beim Kartenspiel über die Schulter schauen oder sich stundenlang durch die medina-ähnliche Altstadt treiben lassen. In Bari bist Du definitiv im echten Italien angekommen.

Bari – una destinazione autentica am Stiefelabsatz
Bari ist das wirtschaftliche Zentrum der süditalienischen Genussregion Apulien und wichtige Hafenstadt mit Fährverbindungen nach Kroatien und Griechenland – und hat deshalb wenig Druck, sich als Touristen-Hotspot zu etablieren. Und genau das ist der Grund, warum Bari absolut eine Reise wert ist!
Abgesehen von der Basilica San Nicola, wo in der Krypta die Gebeine des Heiligen Nikolaus von Myra ruhen, oder dem kompakten Castello Normanno-Svevo gibt es nur wenige Must-Sees in Bari. Umso mehr Zeit bleibt für die eigentliche Sehenswürdigkeit von Bari – nämlich die Altstadt. Die mittelalterlichen Gassen auf einer kleinen Halbinsel gehören nach wie vor den Baresi. Es gibt natürlich unzählige kleine Restaurants, Espresso-Bars und auch den ein oder anderen Souvenirladen. Vor allem aber wohnen hier die Menschen.


Mittendrin im süditalienischen Alltag
Als ich am ersten Abend eine Kennenlernrunde durch das fast schon orientalisch anmutende Labyrinth drehte, duftete es überall intensiv nach Waschmittel: Die Tage zuvor hatte es ausgiebig geregnet und die Baresi hatten wohl nur darauf gewartet, endlich wieder die Wäsche vor den Balkonen, zwischen den Häusern oder einfach auf dem Wäscheständer in der Straße trocknen zu können.
Abends stehen viele Terrassentüren zu den Gassen hin offen oder es ist nur der untere Teil der geteilten Tür geschlossen. Die Voyeurin in mir freut es, dass man durch die sachte schaukelnden Perlenvorhänge immer wieder den ein oder anderen Blick auf das Leben in den dahinterliegenden kleinen Wohnküchen erhaschen kann: Sitzt in der einen Wohnung eine Nonna in beige-brauner Strickjacke vor ihrem kleinen Fernseher, drängt sich im Nachbarhaus gerade die ganze Familie um den Esstisch.


Wer sich nach der Arbeit nicht an einen gedeckten Tisch setzen kann, holt sich gerne in der Panificio Santa Rita für kleines Geld eine Focaccia, die als die beste der Stadt gilt. Die traditionsreiche Bäckerei, die auf jeglichen Chic verzichtet, hat es dank Instagram und Co. zu solcher Berühmtheit gebracht, das mittlerweile “Türsteher” Rino die für Italiens Frischetheken üblichen Tickets verteilt und die Warteschlange organisiert. Dem bulligen Markenzeichen von Santa Rita zu widersprechen traut sich niemand!
Nur ein paar Schritte trennen die Altstadt von Bari vom kleinen Fischereihafen. Hier gibt es den Catch of the Day direkt von kleinen Verkaufstischen. Während die ersten Fischer sich mittags im Schatten eines Kiosk-Containers schon zum Kartenspielen zusammengefunden haben, klopft ein anderer an der Mole noch geduldig Tintenfische zart.
Ganz ohne Strand geht’s dann doch nicht
Ein paar Tage in Bari sind perfekt zum Entschleunigen und für ganz viel Dolce Vita: Morgens Sonne tanken vor einer Espresso-Bar, in der quirligen Fußgängerzone Via Sparano in italienischer Mode stöbern, in den Giardini di Piazza Umberto I unter Palmen den Straßenmusikern zuhören, später ein Gelato, dann zwischendurch frittierte Polenta auf die Hand. Und wie schön, wenn man dann schon fast aus Versehen eines der Highlights in Bari, die Strada delle Orecchiette, entdeckt: In der schmalen Strada Arco Basso sitzen wie eh und je die Frauen vor ihren Häusern und formen Pasta von Hand.


Aber ein Italienurlaub ganz ohne Strand? Wäre irgendwie schade. Mit einem E-Bike von VAIMOO Bike Sharing geht es entlang der eleganten Uferpromenade in knapp 15 Minuten zum “Pane e Pomodoro”-Beach. Zugegeben: Köstlicher Name hin oder her – der absolute Traumstrand ist dieser Mix aus Grünflächen, Sportanlagen, Felsen und hölzernen Badeplateaus nicht. Aber die Aussicht auf die “Skyline” des historischen Bari und die Nähe zum Zentrum überzeugen absolut.

Alberobello & Polignano a Mare: Wenn es ein bisschen mehr Apulien sein darf
Bari besuchen und den “Rest” von Apulien links liegen lassen? Das geht natürlich nicht. Zum einen, weil im Hinterland mit seinen Mandel- und Olivenbaumhainen und in den kleinen Küstenorten, die das Geld aus der Stadt gerade nicht mehr erreicht, noch viel mehr unverfälschtes Süditalien steckt. Und zum anderen, weil dann doch einige touristische Highlights locken. Trenitalia verbindet Bari sehr bequem mit dem weiter südlich gelegenen Urlaubsort Polignano a Mare oder der weißen Stadt Monopoli. Wer wie wir auch noch das UNESCO-Welterbe Alberobello im Landesinneren besuchen möchte, hat den perfekten Roller-Roundtrip gefunden!
Sowohl für das zauberhafte Örtchen Polignano a Mare, das auf Klippen hoch über der tiefblauen Adria thront, als auch für das mittelalterliche Monopoli gilt: Am besten außerhalb der Saison besuchen!


Noch kitschiger wird es in Alberobello, berühmt für seine weißen Trulli mit ihren kegelförmigen Dächern. Spielt auf der Piazza Largo Martellotta – sie liegt zu Füßen der beiden Trulli-Hügel Monti und Aia Piccola – jemand auf dem öffentlichen Flügel und wehen die sphärischen Pianoklänge durch die bildhübschen Gassen, fühlt man sich wie in einem perfekt inszenierten Freizeitpark. Was in diesem Fall gerne als Kompliment aufgefasst werden darf.



Text & Fotos: Vera Nitsch | www.wortzentrale.de



