In der kalten Jahreszeit auf Flusskreuzfahrt zu gehen – das klingt erstmal befremdlich. Sollte man da wirklich ablegen? Wir haben es ausprobiert und waren im Dezember mit der MS Belvedere unterwegs. So heißt ein Flusskreuzfahrtschiff mit 88 Kabinen, das zur Flotte des Reiseveranstalters Nicko Cruises gehört. Fünf Tage zwischen Nürnberg und Regensburg – und es gibt viel Positives zu berichten!

Schon die Anreise mit der Bahn läuft glatt. Planmäßige Ankunft am Nürnberger Hauptbahnhof. Mit dem Bus geht es zum Europakai, wo die frühe Dämmerung den Industriehafen in romantisches Abendlicht taucht. Ganz allein liegt die Belvedere hier; die anderen neun Anlegeplätze sind wohl im Winter nicht so gefragt.
Abendstimmung am Industriehafen
Rund 150 Flusskilometer ist die Belvedere auf dem Main-Donau-Kanal unterwegs. Der Kanal wurde 1992 fertiggestellt, wobei sich die Prognosen für den Güterverkehr als viel zu optimistisch erwiesen. Nun wird er vor allem von der Personenschifffahrt genutzt: eine attraktive Strecke, die einerseits die Weiterfahrt bis zur Nordsee, andererseits bis zum Donaudelta ermöglicht.

Anlegen in Kehlheim, 17.000-Einwohner-Städtchen am Donaudurchbruch, wo der Fluss sich über fünfeinhalb Kilometer hinweg durch steile Felswände zwängt. In einer Flussbiegung steht das Kloster Weltenburg. Das älteste Kloster Bayerns, mitsamt der ältesten Brauerei, wurde im 7. Jahrhundert von iro-schottischen Mönchen gegründet, um die Christianisierung voranzutreiben. Das erfahren wir von unserem kundigen und unterhaltsamen Reiseführer, einem ausgebildeten Historiker. Nach Plünderungen und Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg entstand auf römischen Grundmauern ein prachtvolles Barockkloster. Heute leben hier noch sechs Benediktiner-Mönche.
Kloster Weltenburg im Winterschlaf
Die Klosterkirche St. Georg, erbaut von den Architekten-Brüdern Asam, ist ein Prunkstück des süddeutschen Barock: mit ovalem Grundriss, opulentem Stuck und dem Kuppelfresko, das den Heiligen Georg zeigt; eine Illusions-Malerei, die den Raum ins Unendliche auszudehnen scheint.
In der warmen Jahreszeit tummeln sich hier unzählige Touristen, Reisebusse, Ausflugsschiffe. Unsere Gruppe läuft hingegen ganz allein durch die imposante winterliche Felsenlandschaft. Die Schiffsanleger sind verwaist.

Einzigartig ist es auch, die Befreiungshalle Kehlheim auf dem Michelsberg im dichten Nebel zu erleben. Die Gedenkstätte für den Sieg gegen Napoleon wird von einem 45 Meter hohen Kuppelsaal gekrönt; drinnen stehen 34 Siegesgöttinnen aus weißem Carrara-Marmor, jede dreieinhalb Meter hoch. Bauherr war König Ludwig I., Großvater von „Märchenkönig“ und Neuschwanstein-Schöpfer Ludwig II.
Lob auf den Nebel
Der riesige Rundbau bietet eigentlich einen Weitblick über das Donautal – wenn nur der Nebel nicht wäre… Im Watteweiß versinkt auch die Walhalla, Ruhmesdenkmal Ludwigs I. für deutsche Herrscher, Denker und Künstler.
Ein winterlicher Fluss – das bedeutet nun mal Nebel. Und Nebel ist schön, geheimnisvoll, märchenhaft. Über Mittag klart es auf; dann leuchtet das letzte Laub. Nachts schimmert der Mond durch die Schwaden.

Zwischendurch ziehen wir uns in die gemütliche, mit viel Stauraum ausgestattete Kabine zurück und lassen vor dem Panoramafenster den Bayrischen Wald vorbeiziehen. Immer mal wieder wird es dunkel, wenn die Belvedere in einer Schleusenkammer versinkt. Wer beizeiten einen Termin reserviert, kann die kleine, feine Bord-Sauna besuchen Während des Schwitzens zieht die einsame Flusslandschaft vor dem Fenster vorbei. Wirklich einmalig!
Landgänge in Regensburg und Nürnberg
Landgang bei Niesel in Regensburg, das seinem Namen alle Ehre macht. Römische Legionäre bezeichneten ihren Stützpunkt in dieser feuchten Gegend einst als Castra Regina, „Burg am Regen“. Über die gewaltige, mittelalterliche Steinerne Brücke, die zwei Donau-Ärme und den Mühlenkanal überspannt, nähert man sich dem Gassengewirr der Altstadt. Die Silhouette dominiert der gotische Dom, der seine durchfrorenen Besucher mit einer neuen Sitzheizung beglückt. Dann geht es zum Alten Rathaus, wo sich Kaiser, Fürsten und Gesandte fast 150 Jahre lang zum „Immerwährenden Reichstag“ trafen.

Über Nacht schippern wir zurück nach Nürnberg, wo der Landgang einen Bogen die Fachwerkidylle unterhalb der Kaiserburg mit den Abgründen deutscher Geschichte vereint. Die Bustour streift die riesigen Flächen des Reichsparteitag-Geländes mit der Zeppelinwiese, wo Hitler Hundertausende mit seinen Reden aufputschte. Die unvollendete Kongresshalle steht neben der einstigen SS-Kaserne, heute das Bundesamt für Migration. Am anderen Ende der Stadt: die Justizanstalt, ein düsterer Klotz, wo die Nürnberger Prozesse über die Bühne gingen. Es bleibt gar nicht genug Zeit für das Germanische Nationalmuseum, wo man alleinn einen ganzen Tag verbringen könnte. Schließlich geht es zurück aufs gut beheizte Schiff; vielleicht noch mit einem Zwischenstopp am Bratwursthäusle.

Nürnberg Weihnachtsmarkt, Bildquelle: nicko cruises Schiffsreisen GmbH
Vorteil einer winterlichen Reise ist es ja, dass man, in dicke Kleidung gehüllt, alle Gedanken an die Bikini-Figur hinter sich lassen kann. Ohne Reue erkunden wir das vielseitige kulinarische Angebot auf der Belvedere: Morgens gibt es ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Mittags hat man die Wahl zwischen kleinem Buffet und Dreigänge-Menü. Abends werden sogar vier Gänge aufgetischt. Höhepunkt am letzten Abend ist ein Gala-Menü, konzipiert von Fernsehkoch Johann Lafer.
Schlemmern an Bord
Eine Flusskreuzfahrt im Advent erfreut all jene, die nicht genug von Punsch, Zimtsternen und Lichterglanz kriegen können. Die Belvedere ist von oben bis unten stimmungsvoll in Glitzer und Flitter gehüllt; bei Landgängen locken die Weihnachtsmärkte in Regensburg und Nürnberg. Wer den hingegen Weihnachtstrubel vermeiden will, geht einfach im November oder Januar an Bord; in der Nebensaison sind dann besonders günstige Preise möglich. Wann die MS Belvedere Ende 2026 zwischen Nürnberg und Regensburg unterwegs ist, steht hier.
Beitragsbild: nicko cruises Schiffsreisen GmbH
Weitere Bilder (falls nicht anders bezeichnet): Antje Rößler



