Aktiv auf Hokkaido – die besten Insidertipps für die Insel im Norden Japans

Die Natur ist großes Kino auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido. Fünf lokale Guides verraten ihre besten Tipps für Outdoor-Aktivitäten.

Vulkane und heiße Quellen, weite Wälder, Flüsse, Seen, Skigebiete – die Insel Hokkaido im Norden Japans, deren Größe in etwa Österreich entspricht, ist ein Ziel für jede Jahreszeit. Überall sind Outdoor-Aktivitäten möglich. Nach Herzenslust auspowern kann man sich zur grünen Saison von Frühling bis Herbst und in der weißen Wintersaison. Fünf Guides der Vereinigung “Hokkaido Adventure Travel Guide” http://at-guides-hokkaido-japan.com/en/ geben ihre besten Tipps.

Am Chitose River; Foto: Andreas Drouve
Kanuverleih am Chitose River nahe dem See Shikotsu; Foto: Andreas Drouve

Snowboarden, Wandern und Waldbaden

Immer mit einem Lächeln unterwegs: Outdoor-Führerin Ayako Senda; Foto: Andreas Drouve

Outdoor-Führerin Ayako Senda (48) mag Snowboarden im Winter und Wandern zur wärmeren Jahreszeit. Erstaunlich: Früher hatte sie keinen Blick für die Vielfalt der Natur auf Hokkaido. Erst ein zweijähriger Aufenthalt in Kanada öffnete ihr die Augen für die eigene Heimat: „Nach meiner Rückkehr realisierte ich, wie schön Hokkaido war. Das hat mein Leben verändert.“

Ayako liebt es eisig kalt. Ihre liebste Aktivität ist Snowboarden. Sie sagt: „Das Wichtigste für mich ist der Schnee in Furano in der Mitte der Insel, wo ich in der Saison von November bis Anfang Mai als Lehrerin für Ski und Snowboarden arbeite. Die Schneequalität ist im Januar und Februar am besten. Dann ist es, wie über seidiges Pulver zu gleiten. Anfänger und Fortgeschrittene finden gleichermaßen ihre Terrains.“

Für die wärmere Jahreszeit empfiehlt sie eine Wanderung um den Mount Tokachi, im Nationalpark Daisetsuzan in der Zentralregion gelegen: „Das ist wegen der vulkanischen Landschaft eine komplett andere Welt. Da fühlt man sich wie auf dem Mars.“

Waldbaden im Forst von Hokkaido

Zur Entspannung praktiziert Ayako, wie so viele Japaner, „Shinrin Yoku“, nämlich Waldbaden. Der erholsame Trend stammt aus Japan, wurde aber erst 1982 als Wortschöpfung geprägt. „Waldbaden geht überall im üppigen Forst von Hokkaido“, sagt Ayako, die sehr gut Englisch spricht. Doch ihr Lieblingsplatz ist dieser: der Torinuma Park in Furano. „Tori bedeutet Vogel, Numa bedeutet Sumpf“, erklärt sie und empfiehlt besonders den Frühling, wenn alles in prächtigen Farben blüht und viele Vögel in den Torinuma Park kommen.

Furano zeigt auch: Die Natur beginnt auf Hokkaido gleich vor der Haustür von Städten. Das ist in der größten Inselstadt Sapporo nicht anders. Ein Trail führt vom Maruyama Park durch ein Wildschutzgebiet auf den 225 Meter hohen Mount Maruyama mit weiten Aussichten über die Metropole.

Blick über Sapporo vom Mount Maruyama; Foto: Andreas Drouve

Die besten Radstrecken

Radler mit Leib und Seele: Guide Yuya Ishizuka; Foto: Andreas Drouve

Guide Yuya Ishizuka (47) ist passionierter Radfahrer und stand früher acht Jahre lang als Profi unter Vertrag. Er hat unzählige Kilometer auf Hokkaido in den Knochen. Als beste Radgegenden für Traveller empfiehlt er den Norden von Hokkaido und zwei kleinere Inseln, die man ab Wakkanai mit der Fähre erreicht: Rishiri und Rebun.

„Es gibt wenig Verkehr und Straßen mit guter Oberfläche“, nennt Yuya die Gründe für diese Radlergebiete. Das Highlight ist für ihn eine 60-Kilometer-Runde über Rishiri, wo der kegelförmige Gipfel des Vulkans Rishiri das Bild beherrscht. Biken in Eigenregie ist ebenso möglich wie die Teilnahme an einer auf Englisch geführten Tour.

Yuya hält Juni bis September für die besten Monate zum Radeln. Großer Vorteil für Biker: Im Gegensatz zu anderen Ländern Asiens herrscht auf Hokkaido keine nennenswerte Luftfeuchtigkeit.

Mountainbiking, Rafting und Kajak

Bei den Outdoor-Aktivitäten ist Kei Momma breit aufgestellt; Foto: Andreas Drouve

Outdoor-Führer Kei Momma (41) ist Spezialist fürs Wasser. Die Natur war schon der Spielplatz seiner Kindheit. Für den Südteil Hokkaidos hat er eine Mehrtagestour ausgearbeitet, die er in den Monaten Mai, Juni, September und Oktober selbst leitet: der Mukawa River von der Quelle bis zur Mündung in Mukawa. Die erlebnisreiche Kleingruppenreise kombiniert Mountainbiking, Rafting und Kajak. Die Mindestteilnehmerzahl liegt bei vier, das Maximum bei zwölf. Unterwegs schläft man in Einzel- oder Gemeinschaftszelten; ein Begleitfahrzeug sorgt für den Transport von Material und Essen.

Die insgesamt 135 Kilometer spielen sich auf und am Mukawa River ab. Ab dem Quellgebiet in Shimukappu beginnt es mit 55 Kilometern Mountainbiking, bevor man zwei Tage raftet und letztlich in Kajaks umsteigt. „Der Fluss hat keinen Damm. Man erlebt die ganze Zeit die unverfälschte Natur“, sagt Kei und setzt begeistert hinzu: „Wenn wir in den Kajaks den Ozean erreichen, ist das ein emotionaler Moment.“ Wer im Oktober reist, hat gute Chancen, im Mukawa River Lachse zu sehen. Fangen darf man sie allerdings nicht, um sich damit für die nächste Etappe zu stärken.

Tagestrekkings, Schneeschuhwandern und Bären-Spotting

Guide Kazuhiro Arai fühlt sich im Schnee wohl, wie hier im Nationalpark Daisetsuzan; Foto: Andreas Drouve

Kazuhiro Arai (48) lässt keinen Zweifel: Für den erfahrenen Guide steht der Nationalpark Daisetsuzan an der Spitze der Naturziele auf Hokkaido. „Der Name bedeutet Große verschneite Berge“, klärt Kazuhiro auf. König ist der Vulkan Asahidake, 2291 Meter hoch, und Ausgangspunkt für die Anfahrt Asahikawa, die zweitgrößte Stadt auf Hokkaido.

Schneetour im Nationalpark Daisetsuzan; Foto: Andreas Drouve

Tipps von Kazuhiro sind zwei Tagestrekkings im Nationalpark Daisetsuzan, ausgehend von der oberen Station der Asahidake-Seilbahn. Beide Wandertouren sind zwischen Anfang Juni und Ende September ideal, um sich an der alpinen Flora Hokkaidos zu berauschen. Und beide führen über den Gipfel des Asahidake. „Es ist felsig und steil, aber man braucht keine Gerätschaft. Oben bieten sich herrliche Ausblicke über die vulkanische Landschaft“, skizziert Kazuhiro die Reize.

Route Nummer eins ist ein sechsstündiger Rundweg, der entgegen dem Uhrzeigersinn verläuft. Lohn für die Strapazen nach dem Abstieg vom Asahidake auf die andere Seite ist eine heiße Quelle mit dem Namen Nakadake. „Es ist offiziell erlaubt, sich ganz mit dem Körper hereinzulegen, wenn man Badesachen dabei hat. Aber viele Leute nehmen nur ein Fußbad und picknicken dort.“

Verpflegungsstellen gibt es unterwegs keine; man muss alles mitbringen, auch Trinkwasser. Dies gilt gleichermaßen für Route Nummer zwei, die anspruchsvoller ist als die erste. Dafür sollte man laut Kazuhiro acht Stunden veranschlagen. Auf die Gipfel-Überquerung des Asahidake folgt ein anderer Berg, nicht ganz so hoch, 1984 Meter: der Mount Kurodake. Ziel dieses Trekkings ist die Kurodake-Seilbahnstation, von wo aus es abwärts geht. Unten, so Kazuhiro, gebe es regelmäßige Busverbindungen zurück nach Asahikawa.

Zusatztipp von Kazuhiro für den Winter im Nationalpark Daisetsuzan ist Schneeschuhwandern. „Im Besucherzentrum nahe der unteren Station der Asahidake-Seilbahn werden Schneeschuhe verliehen“, weiß der Experte.

Aufbruch an der oberen Station der Asahidake-Seilbahn zu einer Schneetour im Nationalpark Daisetsuzan; Foto: Andreas Drouve

Im Nationalpark Daisetsuzan leben Braunbären, doch für ein organisiertes Bären-Spotting empfiehlt Kazuhiro den Nationalpark Shiretoko. Dieser liegt im äußersten Osten von Hokkaido auf einer Halbinsel, die weit ins Meer hineinreicht. Kazuhiro sagt: „Dort lassen sich von Mai bis Oktober Bären, die an der Küste unterwegs sind, vom Boot aus beobachten. Man braucht natürlich etwas Glück, aber näher, besser und gefahrloser kommt man an die Wildtiere nicht heran. Die Bootstouren starten in Utoro.“

Der Nationalpark Daisetsuzan ist Bären-Terrain; Foto: Andreas Drouve

Kanufahren und Relaxen

Führerin Yuko Fujimori (links) bei einer Kanutour auf dem See Shikotsu; Foto: Andreas Drouve

Führerin Yuko Fujimori (58) ist noch außer Atem nach einer Kanutour auf dem Kratersee Shikotsu, der traumhaft von Vulkanen umgeben ist. Ihr Tipp für einen anderen Kanutrip ist dieser: das Feuchtgebiet Kushiro, das als Nationalpark Kushiro-Shitsugen ausgewiesen ist. Yuko schwärmt: „Wenn man auf dem Kushiro River mitten durch die Wetlands paddelt, hört man kein Motorengeräusch, nur das Plätschern des Wassers, den Gesang von Vögeln und die Stille.“ Zudem lassen sich, so Yuko, Tiere wie Sikahirsche und Seeadler beobachten.

Buchstäblich heiß ist ein anderer Tipp von Yuko: Nach Aktivitäten gibt es nichts Schöneres, als in einem Thermalbad zu entspannen. In Japan pflegen solche „Onsen“ eine lange Tradition. Da macht Hokkaido keine Ausnahme. „Viele unserer Berge sind vulkanisch. Somit haben wir viele heiße Quellen“, so Yuko.

„Onsen“ sind manchmal mit luxuriösen Resorts verbunden, aber Wellness kann auch erschwinglich sein. Yuko: „Für 1000 Yen kann man ein öffentliches Onsen genießen.“ 1000 Yen, das sind umgerechnet etwa 5,50 Euro. Japan allgemein und Hokkaido im Besonderen sind nicht so teuer, wie man vielleicht denkt.

Ein dreifacher Gruß von der Insel Hokkaido; Foto: Andreas Drouve
Kanutour auf dem von Vulkanen umgebenen Kratersee Shikotsu; Foto: Andreas Drouve

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Andreas Drouve

Autor Kurzvorstellung:

Freier Reiseschriftsteller und Journalist mit Sitz in Spanien. Er ist Autor von über 140 Büchern und von zahlreichen Reportagen, darunter für die Deutsche Presse-Agentur und Die Welt.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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