Kampf für Freiheit: 500 Jahre Bauernkrieg

Im Jahre 1525, also exakt vor 500 Jahren, wurde in Oberschwaben und im Allgäu Weltgeschichte geschrieben. Hier kann man Ereignissen, Orten und Personen des Bauernkrieges folgen und erfährt dabei die Geschichte aus der Sicht der aufständischen Bauern.

Im Bauernhaus-Museum Wolfegg gibt es eine sehenswerte Ausstellung zum Bauernkrieg.

Im April 2025 wurde im Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben in Wolfegg die Gedenkausstellung „1525 – Bauernkrieg in Oberschwaben“ in der Zehntscheuer eröffnet, an einem Originalschauplatz des Klosters Weißenau aus jener Zeit. Die Reise führt fünfhundert Jahre in die Vergangenheit, um die Lebensumstände und Beweggründe der Bauern aufzuzeigen und universelle Fragen nach den Ursachen von Gewalt oder dem Wert der Freiheit zu stellen, Themen, die auch in der heutigen Zeit große Aktualität besitzen.

Die Zehntscheune in Wolfegg ist ein baulicher Zeitzeuge.

Historische Zeitzeugin des Bauernkrieges

Ausstellungsort ist die historische Zehntscheuer des Klosters Weißenau – eine Zeitzeugin, die bereits in der Weißenauer Chronik von Abt Jacob Murer abgebildet ist. Die Zehntscheuer war damals ein Symbol der Feudalherrschaft, ein Ort, an dem die Bauern ihren hart erarbeiteten Zehnten abzuliefern hatten. Im Zuge des Bauernaufstands wurde das Kloster Weißenau – und damit auch die Zehntscheuer – geplündert und besetzt.

Die Ausstellung macht den Bauernkrieg nachvollziehbar.

Originale Bauernkrieg-Exponate

Gezeigt werden historische Waffen, wie sie zur Zeit des Bauernkriegs Verwendung fanden, zum Beispiel Hellebarden, Morgensterne, Langspieße und Kriegssicheln, ein besonderer archäologischer Fund, die spätmittelalterliche Bauernwehr aus dem Bad Waldseer Stadtsee, historische Dokumente und Archivalien wie die Handschrift der achtzehn Artikel der Kißlegger Bauern sowie originalgetreue Rekonstruktionen wie ein spätmittelalterlicher Beetpflug. All das macht die Ereignisse rund um den Bauernkrieg anschaulich lebendig.

Eine deftige Brotzeit darf natürlich nicht fehlen.

Den Bauern eine Stimme geben

Besonders authentisch wird die Ausstellung nicht nur durch die Exponate und den Ort, auch historisch nachweisbare Akteure kommen in fiktiven Texten zu Wort. Die Lehensbäuerin des Klosters Weingarten Anna Dannerin, ein Rat des Kißlegger Haufens Hans Knüttel, Pfarrer Florian Greisel oder Hans Würth, ein Unterzeichner des Weingartner Vertrags und andere lassen die Besuchenden direkt in Kontakt mit den Ideen der Menschen vor 500 Jahren treten. So ermöglichen sie ein vertieftes Verständnis für deren Leben und ihre Motivation. Teilweise bringen die Texte die historischen Quellen zum Sprechen und schaffen einen direkten Zugang zum Inhalt der historischen Schriftstücke.

Der Getreideanbau war im Mittelalter eine harte Arbeit.

Der Bauernkrieg und die universellen Fragen

Die Ausstellung mündet in universelle Fragen, über die nachzudenken man als Ausstellungsbesucher angeregt wird. Was bedeutet Freiheit – und was ist sie wert? Wie äußert sich Willkür? Wessen Stimme wird gehört? Wie entsteht Gewalt? Wem gehört die Erde? Wie bewirtschafteten die Bauern vor 500 Jahren das Land und welche Bedingungen führten zum Bauernkrieg von 1525? Welche Rolle spielten die Reformation und das nahe Vorbild der Schweiz mit ihren Eidgenossenschaften dabei, wo fanden Kriegshandlungen in unserer Region statt und welche Folgen hatte der „Weingartner Vertrag“? Dem versucht die sehenswerte Schau anhand der Exponate und Bildquellen auf die Spur zu kommen. Dabei ist die Perspektive von großer Bedeutung: Sie schildert die Hintergründe, Ereignisse und Folgen des Bauernkriegs aus der Sicht der bäuerlichen Bevölkerung sowie mit Blick auf Orte und Personen in Oberschwaben und dem Allgäu. So entsteht eine Zeitreise in die 500 Jahre alte Weltgeschichte, die in Deutschland weit vor der französischen Revolution  geschrieben wurde.

Die Bauern kämpften mit Mistgabeln gegen gut ausgerüstete Ritter.

Leben vor 500 Jahren – das Jahresmotto 2025 in Wolfegg

Die Zeitreise ins Jahr 1525 begleitet das Museum als Jahresthema durch die Saison. Im diesjährigen Ferienprogramm, beim Kursprogramm für Erwachsene und bei den Erlebnistagen werden spannende Einblicke in 500 Jahre alte Kenntnisse und Fähigkeiten erlebbar. Auch Vorträge und Aufführungen gibt es, so gastiert am 21. Juni das Theater Lindenhof in der Zehntscheuer mit dem Stück zum Bauernkrieg „Wenn nicht heut, wann dann!“.

Dr. Tanja Kreutzer führt kenntnisreich durch die Ausstellung in Wolfegg.

Abstecher nach Wangen

Auch im charmanten Wangen im Allgäu geht es um Erholung und Entschleunigung mit historischem Flair. Viel Mittelalter, ein bisschen Gotik und Barock, spannende Museen, zahlreiche Kulturevents und vor allem ganz viel Genuss: In Wangen pulsiert das Leben. Eingebettet in die weiten Hügel des Allgäus und umgeben vom Wildfluss Argen zählt die ehemals Freie Reichsstadt zu den schönsten historischen Städten Süddeutschlands. Wer hier durch eines der Stadttore in die bunten Gassen eintritt, wird von der prächtigen Kulisse mit Patrizier- und Handwerkerhäusern, kleinen Gärten, weitläufigen Plätzen und vielen Brunnen überrascht – und von den besonders gastfreundlichen Menschen.

Der Brunnen hinter dem Badhaus in Wangen ist bereits österlich geschmückt.

Gern wird hier in den Cafés, Lokalen, Läden, auf dem traditionellen Wochenmarkt und den Festen ein kleines Schwätzchen über Gott und die Welt gehalten. Alles liegt nah beieinander – kaum Verkehr in der Altstadt, keine langen Warteschlangen, so lassen sich die vielen Sehenswürdigkeiten ganz entspannt erkunden.

In der Wangener Badstube ging es schon im Mittelalter um Hygiene und Entspannung.

Ein historischer Schatz der Wangener Museumslandschaft ist vor allem die Badstube, in der schon im Mittelalter Schönheitsbehandlungen angeboten wurden.

Der international bekannte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune im Burgenmuseum Eisenberg.

Die Burgenregion und der Bauernkrieg

Auch in Eisenberg, einer Gemeinde im südlichen Ost-Allgäu zwischen Pfronten und Seeg gelegen, findet man im Ortsteil Zell ein kleines, aber feines Museum, das den Besuch besonders lohnt: das Burgenmuseum Eisenberg ist ein kleines Schatzkästchen von besonderer Güte. Nicht zuletzt auf Grund der Arbeit, der Forschung und durch das unermüdliche Engagement des international bekannten und angesehenen Burgenforschers Dr. Joachim Zeune, der hier im Museum und in den Burgruinen Eisenberg und Hohenfreyberg anschaulich erklärt, wie die Bauernhaufen im Jahre 1525 zur Zeit des Bauernkrieges an den Burgen agierten, wie sie militärtechnisch ausgerüstet und strukturiert waren und wie sie es schafften, so viele Burgen einzunehmen. 

Das Burgenmuseum Eisenberg lädt zum Entdecken der Burgengeschichte des Mittelalters ein.

Feiern und Feste zum Bauernkrieg

Außerdem erfährt man, was auf den meisten übergebenen Burgen und den eroberten Burgen geschah, wie Burgen den Sturm der Bauern standhalten konnten oder wie es den Bauern gelang, sie zu schleifen. Ein Besuch der Burgenregion Allgäu-Außerfern lohnt sich besonders vom 14. – 28. September 2025 zu den Burgentagen, wenn die alten Mauern zu neuem Leben erwachen. Dann gibt es Feste, Führungen, Musik, Wettbewerbe, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Wanderungen auf den Burgen und in den 25 beteiligten Gemeinden im Allgäu und Außerfern.

Das Hohe Schloss in Füssen ist ein großes Schatzkästchen.

Füssen zur Zeit des Bauernkrieges

„… damit wir unßer leib und guet vor den widerwertigen erretten“ ist das Motto der Präsentation im Hohen Schloss in Füssen zum Bauernkrieg 1525, die noch bis zum 6. Juli 2025 läuft. Das Stadtarchiv Füssen widmet sich mit dem Museum der Stadt Füssen den lokalgeschichtlichen Ereignissen im Frühjahr 1525: Vor genau 500 Jahren erhoben sich die Bauern gegen Unterdrückung und Unfreiheit. Die Proteste weiteten sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Flächenbrand aus, Füssen bangte um seine Sicherheit, da der Bischof von Augsburg nicht den nötigen Schutz bieten konnte. So huldigte die Stadt dem Erzherzog Ferdinand von Innsbruck und wurde österreichisch, wodurch Zerstörungen vermieden werden konnten. Nach der blutigen Niederschlagung der Bauern verlangte der Bischof die Herrschaft über Füssen zurück. In Verhandlungen konnte er letztendlich überzeugt werden, die Stadt ohne Strafe wieder unter seine Herrschaft zu nehmen, alten Verhältnisse waren wiederhergestellt. In einer interaktiven Präsentation wird die Chronologie der Ereignisse anschaulich. Historische „Zeitzeugen“ ermöglichen einen greifbaren Einstieg ins Thema,  Hörstationen und Texte laden zur Vertiefung von Fragen ein. Und nicht zuletzt sind das Hohe Schloss in Füssen und der Wehrgang authentische Zeugnisse des Lebens im Mittelalter, in dem die Landsknechte keineswegs immer so friedlich-freundliche Gesellen waren wie ihre heutigen Nachfolger.

Ein Landsknecht bewacht das Hohe Schloss in Füssen.

Weitere Informationen

www.allgaeu.de/bauernkrieg

Bauernhaus-Museum Wolfegg

15. -24. April immer Dienstag und Donnerstag: kostenfreies Osterferienprogramm.

Montag, 21. April: Ostern im Museum. Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg,  Vogter Str. 4, 88364 Wolfegg, 07527-9550-0 www.bauernhaus-museum.de

Wangen Tourist Information

www.wangen-tourismus.de

Übernachtungstipp Wangen: Historisches Gasthaus Hotel Mohren-Post

www.hotel-mohren-post.de

Burgenregion Allgäu-Außerfern

www.burgenregion.de und www.burgenmuseum-eisenberg.de

Burgenforschung

Dr. Joachim Zeune, internationaler Burgenforscher aus dem Allgäu,

www.burgenforschung-zeune.de

Füssen

www.stadt-fuessen.de

www.museum.stadt-fuessen.de

Übernachtungstipp Füssen: Hotel Hirsch, https://hotelhirsch.de

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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