Die Apulienreise, ein Tagebuch (8. und letzte Folge) Alles gesehen?

Torre del Orso ist der Badeplatz des Salento par excellence. Das heißt, er ist überlaufen, vor allem, wenn die Temperaturen die Menschen ins Meer treiben. Aber wir fanden südlich des Strandes le due sorelle einen Platz, von dem aus wir ebenfalls die schwesterlichen Felsen im Meer sehen konnten. Wir hatten uns einen Sonnenschirm gekauft, sonst wäre uns der Aufenthalt am Meer wohl nicht bekommen. Leider wurde der Schirm am Flughafen Brindisi konfisziert, trotzdem war es eine lohnende Investition. Half er doch, Sonnenbrand und Hitzschlag zu vermeiden. Nach dem Bad fuhren wir zur grotta della poesia, und siehe da, hier gelang die Verknüpfung zu der Pressereise mit Carmen Mancarella vor inzwischen 5 Jahren. Denn hier waren wir gewesen. Die Grotte der Poesie ist ein Becken im Felsen direkt am Strand, in dem sich jedoch schon so viele Leute tummelten, dass wir auf ein Bad verzichteten.

Dafür gingen wir die wenigen Schritte weiter zur Roca Vecchia, einer wichtigen Ausgrabungsstätte der messapischen und der Bronzezeit zuvor. Vor 5 Jahren erhielten wir eine hervorragende Führung des Historikers Teodoro Scarano, der Roca Vecchia auf eine Stufe mit Mykene, Knossos und Phaistos stellte.  „Die Zahl der in Rocca Vecchia gefunden Stücke ist weitaus größer als von irgendeinem anderen Fundplatz in Italien und umfasst Keramik von etwa 1500 bis 1000 v. Chr., also der frühmykenischen bis submykenischen Zeit.“ Der Hallenser Professor Harald Meller hat ebenfalls in Roca Vecchia geforscht und bei Academia.de einen Text „Die Belagerung der bronzezeitlichen Befestigung von Roca Vecchia“ verfasst, der in sein Buch „Krieg – eine archäologische Spurensuche“ eingegangen ist. Am Kiosk, wo man den Eintritt zur Grotte der Poesie bezahlt, erfuhren wir, dass nicht nur die Forschungen weiter vorangeschritten sind, sondern dass jetzt auch Informationstafeln über den aktuellen Wissensstand informieren. Geöffnet hätte Roca Vecchia an diesem Tag von 15:00 Uhr ab sein sollen, aber eine Kette versperrte zeitlich unbegrenzt den Weg. Muss man auch noch einmal hin.

Der Abend gehörte Carmen Mancarella und ihrer Familie. Sie hat ein Haus in Torre del Orso, nicht weit von der Casa Vacanza Fiorella. Über die Gastfreundschaft der Italiener muss man kein Wort verlieren, aber ich hatte doch Gesprächsbedarf, wieso man eine Presse-Reise ins Salento machen kann, ohne fast keines der Ziele zu berücksichtigen, die wir diesmal besucht hatten. Aber es ist so, auch diesmal haben wir vieles ausgelassen. So viel, dass wir nicht sagen dürften, wir haben das Salento und Apulien besucht? Nicht nur wegen der Temperaturen fehlen viele Destinationen, um beanspruchen zu können, ein Urteil zu fällen. Davor sollte man sich generell hüten. Erzählen, was man gesehen hat, aber keinen Daumen nach oben oder unten heben. Über die regionale Politik haben wir nichts erfahren, auch von Carmen Mancarella nicht. Dass Michele Emiliano von der Partito Democratico seit 2015 Präsident der Region Apulien verriet die Zeitung. Er wollte Apulien „verändern“. Nun gut, heute muss er dafür sorgen, dass es bleibt, das Land der Oliven und des Weines, des Tourismus, des Fischfangs und dass keiner zur Emigration gedrängt wird. Der hat er mehr als genug zu tun, ob es ihm gelingt, bis wir wieder ins Land kommen? Es wäre zu hoffen und zu wünschen.

Die Grotte der Poesie.
Der Strand bei Torre del Orso.
Geschrieben von
Mehr von Hans-Herbert Holzamer

Gardelegen, die große schöne Stadt mit der großen unschönen Bürde

Wer gewinnt nicht gerne Wetten? Hier eine todsichere: Wie heißt die drittgrößte...
mehr lesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.